Renthal Revo Klickpedale im Test: Flatpedal-Feeling dank Riesen-Plattform
Renthal Revo Klickpedale im Test: Ab sofort bieten die Briten von Renthal erstmals auch Klickpedale an. Wir haben sowohl die Trail- als auch die Gravity-Variante bereits für euch ausprobiert. Hier gibt’s den Testbericht
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Neue Renthal MTB-Klickpedale: Revo-DHC & Revo-TRC
Die Briten von Renthal haben sich bislang vor allem mit den auffällig goldenen Fatbar-Lenkern und extrem klebrigen Griffen einen Namen gemacht. Vergangenes Jahr schlug die Marke dann ein neues Kapitel auf und erweiterte das Produktportfolio um Flatpedale. Hier findet ihr unseren Renthal Revo-F Flatpedal Test.
Jetzt gehen die Briten noch einen Schritt weiter und komplettieren die Pedal-Riege mit zwei brandneuen Klickpedalen. Die Renthal Revo DHC vertrauen auf eine äußerst große Plattform und sind für den Gravity-Einsatz bestimmt, während sich die schlankeren Renthal Revo TRC an Trail-Biker richten. Beide Varianten setzten auf ein SPD-kompatibles Klicksystem, das sich durch einen einfachen Einklickvorgang auszeichnen soll. Zudem setzt Renthal auf einen haltbaren und leichten, sowie ohne Spezialwerkzeug servicebaren Achsaufbau. Dieser besteht bei beiden Pedalen aus je drei Kugellagern und einem Igus-Gleitlager.
Renthal Revo-DHC: Infos & Preise
Die riesige Plattform und die außermittige Position des Klickmechanismus (55 mm Q-Faktor wie die meisten Klickpedale) fallen auf und heben die neuen Renthal Revo-DHC Klickpedale aus der Masse hervor. Die Marschrichtung ist hier klar: Maximale Plattform für maximale Performance im Gravity-Bereich. Renthal hat hierfür „einfach“ die Grundfläche des hauseigenen Flatpedals mit einem Klickmechanismus versehen. Das erklärte Ziel: Flatpedal-Feeling für die Klickies. Ebenfalls besonders ist, dass die Höhe der jeweils acht Pins pro Seite individuell an den verwendeten Schuh angepasst wird. Mit unterschiedlich langen Pins sowie Unterlegscheiben kann man sich hier fein annähern, um das perfekte Schuh-Pedal-Interface zu erzielen. Die entsprechende Anleitung für den Prozess liegt den Pedalen bei.
Die Pedale sind in den zwei Farben Schwarz und Gold für einen Preis von 199,95 € erhältlich. Das Gewicht mit montierten Pins beläuft sich auf amtliche 630 g.
- Pins pro Pedal 16
- Maße 104 mm x 111 mm
- Q-Faktor 55 mm
- Farben Schwarz / Gold
- Verfügbarkeit ab sofort
- Gewicht 630 g (Paar, gewogen)
- Preis (UVP) 199,95 €
- www.renthal.com
Renthal Revo-TRC: Infos & Preise
Ungleich schmaler kommen die ebenfalls neuen Renthal Revo-TRC Pedale daher. Diese richten sich an gewichtsbewusste Trail-, Enduro- oder auch Gravel-Fahrer, die dennoch nicht auf eine kleine Plattform verzichten wollen. Pins oder andere große Einstellorgien sucht man hier vergeblich. Stattdessen gibt es ein geringeres Gesamtgewicht von 398 g pro Paar. Auch hier sind die Farbvarianten Schwarz und Gold verfügbar. Preislich liegen die TRC-Pedale bei 179,95 €.
- Pins pro Pedal 0
- Maße 63,4 mm x 81 mm
- Q-Faktor 55 mm
- Farben Schwarz / Gold
- Verfügbarkeit ab sofort
- Gewicht 398 g (Paar, gewogen)
- Preis (UVP) 179,95 €
- www.renthal.com
Auf dem Trail
Ich konnte bereits beide neuen Renthal-Klickpedale ausprobieren. Dabei habe ich bereits im Sommer deutlich mehr Zeit auf Vorserien-Varianten des Gravity-lastigen DHC-Pedals verbracht. Beide Pedale teilen sich den gleichen Klickmechanismus. Dieser ist Shimano SPD-kompatibel und funktioniert exakt wie die Variante der Japaner. Der vordere Teil ist unbeweglich, während sich die gefederte und bewegliche hintere Zange das Einklicken ermöglicht.
Besonders gut hat mir hier die Einstellbarkeit gefallen. Hier sorgen sowohl Rasterung als auch Indikator dafür, dass man problemlos und schnell die gleiche Auslösehärte für alle vier Seiten einstellen kann. Auch der einstellbare Auslösehärte-Bereich ist in beide Richtungen des Spektrums mehr als ausreichend und reicht von luftig locker bis bombenfest. Einziges Manko: Mit einem Inbus, der nach der Werkzeugaufnahme deutlich breiter wird, wie bei einigen Multitools üblich, gelingt das Justieren nicht ganz so geschmeidig, da hier der Käfig leicht im Weg ist. Hier wäre eine kleine Ausfräsung praktisch.
Das Ein- und Ausklicken gelingt bei beiden Pedalen sehr definiert, einfach und ausgezeichnet. Wer das Shimano SPD-System oder eine kompatible Variante gewohnt ist, wird sich hier direkt zurechtfinden. Auch der Float beziehungsweise der Ausrastwinkel fühlt sich angenehm und gewohnt an.
Renthal Revo-TRC Test
Die schlanken Revo TRC-Pedale für den Trail-Bike-Einsatz präsentierten sich im allerbesten Sinne unauffällig. Je nach Schuh und Tiefe des Pedalkanals muss man hier die im Lieferumfang enthaltenen Cleat-Spacer montieren, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Mit Northwave-Schuhen war beispielsweise ein solcher Spacer nötig, während bei Crankbrothers-Schuhen deutlich mehr Luft zwischen Schuh und Pedal vorhanden war. Auf Anhieb optimal haben beispielsweise die Shimano GE9-Schuhe gepasst. Man kippelt nicht auf dem Pedal herum und hat einen soliden Stand, der allerdings in Anbetracht der Gewichtsklasse erwartungsgemäß nicht überbordend ausfällt. Im ausgeklickten Zustand findet man leider – auch hier no surprise – nicht allzu viel Grip. Allerdings habe ich jederzeit schnell und sicher wieder den Weg in den Klickmechanismus gefunden. Alles in allem sind die Renthal TRC-Klickpedale eine solide Bank, die mit einem guten Gewicht, hochwertiger Verarbeitung, guter Servicebarkeit und einer tadellosen Performance überzeugt. Eine neue, gute Option fürs Trail-Bike.
Renthal Revo-DHC Test
Während die Renthal TRC also die grundsolide Bank sind, ist das zweite neue Pedal im Bunde die extravagante Rampensau. Die Renthal Revo-DHC tanzen nämlich bereits optisch aus der Reihe. Auch die umfangreiche Einstellung der unterschiedlichen Pin-Höhen hebt die neuen Pedale von der Masse ab. Hier kann man sein Schuh-Pedal-Interface haarklein optimieren. Dies führt einerseits zu einer herausragenden Performance, sorgt andererseits aber auch dafür, dass man mehr oder weniger auf ein Paar Schuhe bzw. ein Modell limitiert ist. Zwar funktionieren die Pedale auch mit anderen Schuhen, sofern sich die Tiefe des Pedalkanals und die Sohlenanordnung nicht grundlegend unterscheiden. Mit dem zur Einstellung genutzten Schuh funktioniert es allerdings spürbar am besten. Hier sind Systeme wie bei Hope mit unterschiedlichen Cleat-Spacern etwas nutzerfreundlicher.
Trotz der großen Plattform und der üppigen Pins gelingen Ein- wie Ausklicken absolut ungehindert und sehr definiert. Hier gibt’s nichts zu meckern. Der Float, also das Spiel im Pedal bis zum Einrastwinkel, ist vollumfänglich vorhanden und ähnlich wie bei anderen SPD-Pedalen. Allerdings fühlt sich die Drehbewegung durch die Pins minimal gedämpfter – allerdings keineswegs einschränkend oder blockierend – an. Der wahre Augenöffner folgt dann im Downhill. Bringt man etwas Druck aufs Pedal, steht man direkt flächig auf und profitiert von der riesigen Plattform. Ich bin mittlerweile schon viele Klickpedale gefahren, aber so etwas habe ich bislang noch nicht erlebt. Durch den im Vergleich zu normalen Klickpedalen deutlich breiteren Aufbau steht man vor allem in Kurven richtig stabil auf dem Pedal und kann auch mit der Außenkante der Schuhsohle richtig Druck ins Bike geben. Hier ist der Begriff Flatpedal-Feeling tatsächlich angebracht. Die Pedale verzahnen sich hier großflächig mit den Schuhen und man fühlt sich stärker und stabiler mit dem Bike verbunden als mit allen anderen Klickpedalen, die ich bislang gefahren bin. Das gibt gerade in rauem Terrain deutlich mehr Sicherheit und gefühlt auch etwas mehr Kontrolle. Selbst die ebenfalls recht großen Hope Union Gravity-Pedale können hier nicht mithalten.
Auch wenn man in einer heiklen Situation mal gerade nicht eingeklickt ist, profitiert man natürlich von der enorm großen Plattform. Hier rutscht man nicht nur unbeholfen auf einem kleinen Käfig herum, sondern kann vom Grip einer echten Plattform profitieren. Wer auf der Suche nach Flatpedal-Feeling im Klickpedal-Gewand ist und seinen Fokus auf maximale Abfahrtsperformance legt, ist hier goldrichtig. Die Riesen-Plattform bringt aber natürlich auch einen offensichtlichen Nachteil mit sich: Mit einem Gewicht von 630 g sind die Revo DHC-Pedale natürlich relativ schwer.
Zur Haltbarkeit gibt es bislang keinerlei Beanstandungen. Das gleiche Achssystem findet auch bei den Renthal Flatpedalen Verwendung. Diese haben wir bereits länger im Einsatz und sind mit der Performance zufrieden. Lagerspiel oder ein raues Laufen gibt es dort nicht zu beklagen. Dementsprechend sind wir diesbezüglich auch bei den Klickpedalen zuversichtlich.
Fazit – Renthal Revo Klickpedale
Renthal legt ein gelungenes Klickpedal-Debut hin. Neben den gut funktionierenden Revo-TRC-Pedalen für den Trail-Einsatz haben mich vor allem die riesigen Renhtal Revo-DHC Pedale begeistert. Die große Plattform sorgt für echtes Flatpedal-Feeling und ist die Lösung für alle abfahrtsorientierten Mountainbiker, die auf der Suche nach mehr Pedalkontakt und maximalem Grip sind. Allerdings wird die herausragende Performance natürlich auch mit einem hohen Gewicht erkauft. Zudem sind beide Pedal-Varianten nicht gerade im Budget-Bereich verortet.
Wie gefallen dir die neuen Renthal-Klickpedale?

