Eisfinger beim Winter-MTB: Warum 0 °C sich wie Minusgrade anfühlen – die besten 11 Tipps gegen Kälte
Mountainbiken im Winter kann bisweilen sehr ungemütlich sein. Der sogenannte Windchill-Effekt trifft uns Mountainbiker erheblich und sorgt dafür, dass wir schnell bibbernd auf dem Bike sitzen. Hier erfahrt ihr, warum und welche Hacks euch trotzdem warmhalten.
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Mountainbiken im Winter: Warum frierst du auf dem Bike so schnell?
Der Winter bringt für uns Mountainbiker viele ungemütliche Begleiterscheinungen mit. Unbeständiges Wetter und teils eisige Temperaturen sorgen dafür, dass man sich auf seinem Bike oftmals nicht ganz so behaglich fühlt, wie man es gerade hätte. Gerade die Extremitäten kühlen schnell aus. Füße wie Eisklötze und kalte, unpräzise, gefühllose Finger sind leider keine Seltenheit.
Doch warum frieren wir uns beim Mountainbiken so schnell den Arsch oder eher die Hände ab, während für den Spaziergang zum Weihnachtsmarkt nicht mal Handschuhe vonnöten sind? Die Antwort liegt auf der Hand und dürfte jedem Mountainbiker klar sein: der Fahrtwind. Etwas präziser ausgedrückt macht uns der sogenannte Windchill-Effekt das Leben schwer. Doch was ist der Windchill-Effekt überhaupt? Und wie kann man sich davor schützen?
Windchill-Effekt erklärt: Warum Fahrtwind deine Wärme klaut
Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Windchill-Effekt überhaupt? Dies ist im Prinzip recht einfach erklärt. Dein Körper hat eine Kerntemperatur um die 36 Grad. Liegt die Umgebungstemperatur darunter, gibst du kontinuierlich Wärme ab. Um dich herum bildet sich eine kleine, warme Luftschicht, die dich isoliert und vor der Kälte schützt. Da warme Luft aber eine geringere Dichte als kalte Luft hat, steigt diese warme Luftschicht langsam auf und wird dann durch frische kalte Luft ersetzt, die dann wieder von dir erwärmt wird. Diesen Prozess, der dafür sorgt, dass du kontinuierlich auskühlst, nennt man Konvektion.
So bilderbuchartig läuft dies allerdings natürlich nur bei absolut windstillen Bedingungen und ohne Bewegung deinerseits ab. Kommt Wind zur Gleichung hinzu, egal ob herkömmlicher oder Fahrtwind, verändern sich die Gegebenheiten. Der Wind reißt die warme Luftschicht, die deinen Körper umgibt, nämlich ständig weg und ersetzt sie kontinuierlich durch kalte Luft. Diesen Prozess nennt man erzwungene Konvektion. Der Effekt: Der Wärmeverlust steigt stark an und du kühlst schnell aus.
Das Maß für diesen Wärmeverlust ist der Windchill. Dieser wird, obwohl er es eigentlich gar nicht ist, als Temperatur in Grad Celsius angegeben und lässt sich mit einer Formel verhältnismäßig einfach berechnen. Dafür benötigt man lediglich die Umgebungstemperatur in Grad Celsius und die Windgeschwindigkeit in Kilometern pro Stunde. Ob es sich dabei um Fahrtwind oder nicht handelt, ist egal. Für die Formel zählt nur die Luftgeschwindigkeit in Relation zu dir. Oft wird der Windchill-Faktor auch mit der gefühlten Temperatur gleichgesetzt, was jedoch auch nicht ganz korrekt ist, da hierfür noch weitere Faktoren wie die Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielen.
Windchill in Zahlen: So werden aus 0 °C gefühlte Minusgrade
Doch was heißt das in der Praxis? Wie stark wirkt sich dieser Effekt beim Mountainbiken tatsächlich aus? Nehmen wir an, du fährst bei bereits frostigen 0 °C eine Mountainbike-Tour mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h. Dann beträgt der berechnete Windchill laut gängiger Formel deutlich kühlere –4,4 °C. Dein Wärmeverlust ist also entsprechend höher. Noch signifikanter wird es natürlich, wenn man das Ganze mit in der Abfahrt üblichen Geschwindigkeiten durchspielt. Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h landen wir schon bei –6,5 °C und bei 50 km/h sogar bei –8,1 °C. In Anbetracht dieser Zahlen ist es also nicht verwunderlich, dass einem gerade nach langen Abfahrten auf Forstwegen oder Straßen die Hände abzufrieren scheinen. Diese Berechnungen beziehen sich natürlich auf absolut windstille Szenarien. Weht zusätzlich noch ein laues oder auch nicht ganz so laues Lüftchen, dann überlagern sich die Effekte in Abhängigkeit von der Windrichtung.
Windchill-Tabelle
| 0 km/h | 5 °C | 0 °C | −5 °C | −10 °C | −15 °C |
|---|---|---|---|---|---|
| 5 km/h | 4,1 | −1,6 | −7,3 | −12,9 | −18,6 |
| 10 km/h | 2,7 | −3,3 | −9,3 | −15,3 | −21,2 |
| 15 km/h | 1,7 | −4,4 | −10,6 | −16,7 | −22,9 |
| 20 km/h | 1,1 | −5,2 | −11,6 | −17,9 | −24,2 |
| 30 km/h | 0,1 | −6,5 | −13,0 | −19,5 | −26,0 |
| 40 km/h | −0,7 | −7,4 | −14,1 | −20,8 | −27,4 |
| 50 km/h | −1,3 | −8,1 | −15,0 | −21,8 | −28,6 |
| 60 km/h | −1,8 | −8,8 | −15,7 | −22,6 | −29,5 |
Die Tabelle zeigt entsprechende Windchill-Werte für verschiedene Luftgeschwindigkeiten in km/h und Temperaturen in Grad Celsius. Für die Berechnung wurde die gängige Windchill-Formel verwendet.
E-Bike im Winter: Mehr Tempo, weniger Eigenwärme
Noch drastischer als am Mountainbike kann sich der Windchill-Effekt auf dem E-MTB auswirken. Hier ist man vor allem im Durchschnitt und bergauf deutlich schneller unterwegs. Dabei verrichtet man gleichzeitig meist weniger körperliche Arbeit und generiert somit auch weniger Körperwärme. Sprich: Auf dem E-Bike kann der Windchill-Effekt oft stärker wirken als am Mountainbike und man kühlt noch schneller aus, wenn man sich nicht entsprechend kleidet.
Nass und kalt: Warum Feuchtigkeit den Windchill-Effekt verdoppelt
Wie wahrscheinlich jeder Mountainbiker bereits am eigenen Leib erfahren hat, wirkt sich das Ganze bei Nässe noch drastischer aus. Wasser hat nämlich eine deutlich bessere Wärmeleitfähigkeit als Luft. Ersetzt ein starker Regenschauer oder einfach nur das Spritzwasser vom Boden die normalerweise in deiner Kleidung gefangenen warmen Luftpölsterchen durch Wasser, so wird es ziemlich schnell frostig. Zusätzlich wird dem Körper dann auch noch durch die Verdunstungseffekte Wärme entzogen.
11 Winter-Tipps fürs MTB: So bleibst du trotz Windchill warm
Die Zahlen zeigen eindrucksvoll: Der Windchill-Effekt macht sich gerade beim Mountainbiken im Winter sehr deutlich bemerkbar. Doch wie kann man sich vor seiner auskühlenden Wirkung schützen? Am effektivsten dürfte sich dabei die Vorrichtung erweisen, die mein Kollege Tobi vor einiger Zeit getestet hat: Der WIP-Wetterschutz, die Frontscheibe für dein Bike! Auch wenn das System natürlich extrem cool aussieht und man damit auf der Style-Punkte-Leiter direkt mehrere Sprossen auf einmal hochspringt, ist es für den MTB-Einsatz leider nicht wirklich geeignet. Es gibt allerdings dennoch einige Hacks, die beim Kampf gegen Wind und Kälte effektiv helfen.
Handguards als Kälte-Hack: Der Windschutz für deine Finger
1. Eine sehr effektive Schutz-Variante sind Handguards. Diese vom Motocross inspirierten Handschützer erfreuen sich im Mountainbike-Bereich seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit. Dabei sind es vor allem Enduro-Racer, die sich die Handguards zum Schutz vor Büschen oder Sträuchern an den Lenker schrauben. In der breiten Mountainbike-Masse spielen Schutzschilde aktuell noch keine große Rolle. Dabei können die Handguards gerade im Winter ein echter Gamechanger sein und eure Hände vor dem Windchill-Effekt schützen.
Klar, die Hände sind nur ein kleiner Teil des Körpers, aber eben auch ein sehr exponierter, der schnell auskühlt. Außerdem haben die Hände natürlich einen signifikanten Effekt auf die Fahrperformance. Taube, gefrorene Finger bremsen deutlich unpräziser und können sich auch schlechter am Lenker festhalten als gut gewärmte. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn du auch bei frostigen Temperaturen gern mit dem Mountainbike unterwegs bist und dabei gelegentlich mit kalten Händen zu tun hast, können Handguards eine effektive Abhilfe schaffen.
2. Passend dazu sollten natürlich auch warme Winterhandschuhe nicht fehlen. Welche sich dafür besonders gut anbieten, erfährst du in unserem Winterhandschuh-Vergleichstest.
Füße warmhalten: Diese Tricks helfen wirklich gegen Eisklötze
Eine weitere Extremität, die schnell zum Auskühlen neigt, sind die Füße. Auch hier gibt es einige Varianten, um die Wärme bei dir zu behalten.
3. Die wohl kostengünstigste davon ist sicherlich, vor dem Anziehen der Schuhe in einen Gefrierbeutel zu steigen und folgendermaßen zu layern: Fuß, dünne Socke, Gefrierbeutel, Socke, Schuh. Wie man sich denken kann, gibt es durchaus atmungsaktivere Optionen, aber wohl keine, die den Geldbeutel derart wenig belasten. Die professionellere Variante mit etwas weniger Fußschweiß-Potenzial stellt die Verwendung von wasserdichten Socken dar.
4. Der nächste Tipp ist vor allem im Rennrad-Bereich verbreitet: Überschuhe schützen nicht nur eure Füße, sondern auch den Schuh effektiv vor kaltem Wind und Nässe. Besonders erwähnenswert sind dabei die komplett dichten Kautschuk-Überzüge der Marke Velotoze. Diese sind dezent, kostengünstig und effektiv. Aber Vorsicht: Die Überzüge sitzen ziemlich eng und sind für ausladendere Gravity-Mountainbike-Schuhe nur bedingt geeignet.
5. Die nächste, zugegebenermaßen nicht ganz günstige, aber durchaus sehr effektive Lösung ist der Kauf von dedizierten Mountainbike-Winterschuhen. Diese sind explizit darauf ausgelegt, Wind, Nässe und Kälte draußen und die Wärme drinnen zu halten. Entsprechende Modelle findest du in unserem Klickpedal-Winterschuhtest oder unserem Flat-Winterschuhtest.
6. Weitere Optionen wie beheizbare Sohlen oder Wärmepads wirken dem Windchill-Effekt zwar nicht entgegen, lindern seine Symptome allerdings ebenfalls effektiv. Auch dicke Einlegesohlen, beispielsweise aus Lammfell, bringen spürbare Besserung. Gerade bei Klickschuhen kann zudem auch eine Isolierungsschicht aus Alufolie unter der Einlegesohle Sinn machen, um die Kältebrücke des Cleats zu minimieren.
Kopf & Gesicht schützen: So blockst du Fahrtwind am Helm
7. Auch der Kopf steht für gewöhnlich mitten im Wind und bietet der Kälte so keine geringe Angriffsfläche. Hier bietet sich natürlich im ersten Schritt das klassische Halstuch zum Schutz ebendieses sowie des Gesichts an. Weitergehend kann auch ein Balaclava (Sturmhaube), das dann auch den restlichen Kopf bedeckt und nur einen Schlitz im Bereich von Mund und Augen freilässt, absolut Sinn machen. Ebenso helfen natürlich auch Helm-Unterziehmützen. Unterstützend sorgt eine große Brille wie etwa die Devour von Poc für Windstille im Gesicht. Auch eine Goggle wie etwa die Fox Purevue deckt einen großen Gesichtsbereich ab.
8. Zudem ist es ratsam, zu einem Helm zu greifen, der nicht ganz so gut belüftet ist. Wer jetzt zufälligerweise keine sieben verschiedenen Helme mit unterschiedlich Belüftungs-Ratings im Schrank liegen hat, legt am besten selbst Hand an. Mit einer Rolle Tape lassen sich ungewünschte Belüftungsöffnungen schnell und effektiv verschließen. Der Weg zum Hitzkopf kann so einfach sein.
Layering richtig: So nutzt du das Zwiebelschalenprinzip
Natürlich muss auch der restliche Körper vor Wind und Kälte geschützt werden. Dabei spielt natürlich das hoffentlich allseits bekannte Zwiebelschalenprinzip eine entscheidende Rolle.
9. Die Basis bildet ein eng anliegender Baselayer, der den Schweiß von der Haut wegtransportiert. Darüber sorgt eine zweite isolierende Schicht für Wärme, während die letzte Schicht, der Outer Layer, Schutz vor den Elementen wie Wind und Regen bietet. Hier findet ihr ausführliche Bekleidungstipps für Biken im Winter.
10. Darüber hinaus gibt es allerdings einige Produkte, die sich besonders gut eignen, um dem Fahrwind seinen kalten Schrecken zu rauben. Da wären zum Beispiel Funktionsshirts mit Windstopper-Funktion. Diese schützen dank einer windundurchlässigen Frontpartie effektiv vor dem Auskühlen. Dem gleichen Funktionsprinzip schließen sich winddichte Trikots wie etwa von Monserat oder Rapha an.
11. Das meiner Meinung nach allerdings überragende Bekleidungsteil für diese Belange ist nach wie vor die Weste. Hier bekommt man einen extrem variablen wie effektiven Windschutz für den Torso. Dank Reißverschluss und oft geringem Packmaß kann man schnell auf unterschiedliche Wetterverhältnisse oder Anstrengungslevel reagieren und so verhindern, dass man zur fahrenden Schwitzhütte wird. Dadurch spielt die Weste ihre Stärke gegenüber der sonst oft als Outer Layer verwendeten Regenjacke voll aus. Interessante Modelle findet ihr in unserem MTB Westen Test.
Welche Tricks helfen dir durch die kalte Jahreszeit auf dem Bike?

