Shimano SH-XC903 XC-Schuhe im Test: Das blaue Wunder?
Vor nun über einem Jahr, im Frühjahr 2024, hat Shimano den neuen SH-XC903 präsentiert. Der Performance-MTB-Schuh ist seit Jahren ein beliebtes Modell unter den Profis. Mit seinem ikonischen Shimano-Blau sticht er regelmäßig in diversen World Cups hervor, ob im Cross-Country, Cyclocross oder Gravel. Warum der Schuh so omnipräsent ist und was er drauf hat, haben wir für euch ausführlich getestet. Hier gibt’s alle Infos!
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Shimano SH-XC903 – Infos und Preise
Shimano ist bei weitem kein Neuling, was das Thema Schuhe im Radsport anbelangt. Schon seit Jahrzehnten gilt das SPD-Pedal als eines der bewährtesten Pedale im Radsport. Früh fing Shimano an, dafür passende Schuhe zu entwickeln, und so soll auch der SH-XC903, wie seine Vorgänger, perfekt zugeschnitten sein auf die Anbindung in Kombination mit den SPD-Pedalen. Selbstverständlich ist er dennoch mit anderen Klicksystemen kompatibel.
Der Schriftzug „S-Phyre“ lässt schnell darauf schließen: der XC9 markiert das oberste Ende der Fahnenstange im Portfolio der Japaner. Er ist mit allerlei Features ausgestattet, die ihn als reinrassigen Race-Schuh kennzeichnen: Eine Carbonsohle, eine Fersenkappe und ein fein einstellbarer Boa-Verschluss sollen für besonderen Halt und Steifigkeit sorgen, die zur optimalen Kraftübertragung nötig sind.
Damit ist der XC9 von Shimano seit Jahren ein beliebter Schuh unter den Racern, ob im Gravel, Cyclocross oder Cross-Country. Profis wie Puck Pieterse, Mathieu van der Poel oder das Team Bulls vertrauen auf das Modell aus Japan. Mit dem SH-XC903 ist der Schuh nun in der vierten Generation und bringt neue Features mit sich, wie etwa den neuesten Boa-Li2-Drehverschluss oder eine verbesserte Passform. Shimano bietet das Modell in Größen zwischen 36 und 48 an, wobei von jeder Größe eine zweite Version für breite Füße angeboten wird. Farblich stehen drei Varianten zur Auswahl, der Kunde kann zwischen Schwarz, Weiß und Blau wählen, wobei es je nach Modelljahr noch eine vierte Farbe gibt – 2025 kommt die vierte Option in Camouflage. Preislich liegt der Schuh bei einer UVP von 379,95 €.
- Schuhtyp XC-Offroad-Schuhe
- Verschlusssystem Boa Li2-Drehverschluss
- Sohle Shimano Ultread XC Gummiaußensohle
- besondere Features Fersenkappe mit Verdrehschutz, Boa-Li2-Drehverschlüsse, Stollen für den Cyclocross-Einsatz, carbonverstärkte Sohle
- Farben Schwarz, Weiß, Blau, Camouflage
- Größen 36–48 | halbe Größen 38,5 und 39,5 | alle Größen auch in breit erhältlich
- Getestete Größe 46
- Gewicht 699 g (nachgewogen, Größe 46)
- www.bike.shimano.com
Preis: 379,95 € (UVP) | Bikemarkt: Shimano SH XC-903 kaufen
Im Detail
Auf Customfit wie damals beim SH-XC90 muss man bei den neuen SH-XC903 leider verzichten, doch auch bei den Vorgängern SH-XC901 und SH-XC902 hat man bereits von dem aufwändigen Prinzip abgesehen. In Zeiten, wo viele Radsportler eigene Einlegesohlen haben, mag das vielleicht auch bereits überholt sein. Zudem bieten die Boa-Verschlüsse eine noch präzisere Schnürung als das alte Verschlusssystem. Komplett auf Individualisierung muss man dennoch nicht verzichten. Die Sohle des XC9 bietet drei verschiedene Einstelloptionen für verschiedenen Support an der Fußinnensohle, was den Fuß stabilisiert und ein Wegknicken des Knöchels verhindern kann. Damit kann Fehlbelastungen entgegengewirkt werden.
Neben den Individualisierungsmöglichkeiten kann man als Kunde zwischen zwei Optionen je Größe wählen, je nachdem, ob man eher schmale oder breite Füße hat. Dabei umfasst das Größenspektrum Schuhgrößen von 36 bis 48. So soll der Großteil der Kundinnen und Kunden einen passenden Schuh für seinen Fuß finden.
Als performanceorientierter Schuh unterscheidet sich der XC9 natürlich von Modellen wie dem XC7 oder XC5. Der Fokus liegt hier besonders bei Gewicht, Passform und Steifigkeit. Der XC9 verfügt über eine spezielle Fersenkappe, die den Halt im Schuh erheblich verbessern möchte und dem Rausschlupfen aktiv entgegenwirkt. Außerdem gibt es eine Carbonsohle, der Shimano auf seiner eigenen Steifigkeitsskala den Wert 11 von 12 zuordnet. Damit der Fuß optimal vom Schuh umschlossen wird, hat der XC903 wie sein Vorgänger zwei geschickt platzierte Boa-Verschlüsse, die sich schnell und unkompliziert anpassen lassen, auch während der Fahrt. Die neuen Boa-Li2-Verschlüsse lassen sich nicht nur in verschiedenen Rastpunkten festzurren, sondern können auch schrittweise in Rastpunkten wieder gelöst werden, sollte der Schuh mal etwas drücken.
Das Obermaterial ist über den ganzen Schuh einheitlich und glatt, sodass Schmutz nicht allzu gut haften bleiben kann. Zur Belüftung gibt es an verschiedenen Stellen Löcher im Material, die für Luftaustausch sorgen möchten – es soll kontinuierlich ein Luftzug durch den Schuh gehen können. Um vor Einschlägen, etwa durch Steine oder Sonstiges, zu schützen, hat man auch an einen leichten Zehenschutz gedacht.
Die Carbonsohle ist nach außen mit der Shimano-Ultread-Sohle überzogen, die für optimalen Halt unter allen Bedingungen sorgen soll. Wer doch mehr Halt, etwa beim Cyclocross, benötigt, kann zu den mitgelieferten Krallen greifen, die sich einfach mit zwei Gewinden im Schuh befestigen lassen. Wem die Krallen nicht zusagen, kann auch zu Stollen greifen, die hier für das gewisse Extra in puncto Halt sorgen. Im Bereich der Cleats ist ein feines Raster aufgezeichnet, das die Positionierung der Cleats erleichtert. So können kleine Feinjustierungen kinderleicht vorgenommen werden.
Auf dem Trail
Wie schlägt sich der Schuh denn nun in der Praxis? Was unterscheidet ihn von den günstigeren Shimano-Modellen? Fangen wir mit der Passform an: Die richtige Größe zu finden ist beim Radschuh wie überall nicht leicht. Aus Erfahrung wähle ich eine Größe größer als normal und werde damit nicht enttäuscht. Anstatt meiner üblichen 45 teste ich den XC9 in Größe 46. Zugegeben, auch privat bin ich mit Shimano-Schuhen unterwegs, wodurch die Größenwahl kein großes Thema für mich ist. In meinem Umfeld haben ebenfalls einige die Erfahrung gemacht, bei den Shimano-Modellen lieber zur nächstgrößeren Größe zu greifen, doch wie immer gilt: Probieren geht über Studieren, und am besten probiert man den Schuh einfach vor Ort an.
Mit meinen schmalen Füßen schließe ich die breite Variante von vornherein aus und treffe damit die richtige Wahl. Die normalen Größen fallen verhältnismäßig schmal aus. Somit kann das breite Modell, das für jede Größe angeboten wird, für viele eine interessante Option sein. Persönlich fahre ich seit Jahren mit Einlagen aufgrund von Kniebeschwerden. Diese sind für meine privaten XC7 angepasst und passen auch perfekt in den XC9. Die Größe und Ergonomie ist bei allen Shimano-Modellen nahezu gleich, lediglich über die anpassbare Einlegesohle darf man sich exklusiv im Topmodell freuen. Damit lässt sich ein ähnlicher Support einstellen, wie ihn auch meine Sohle bietet, dennoch ist er für mich etwas zu gering. Damit kommt die Originalsohle für mich nicht in Frage.
Beim ersten Reinschlüpfen fühle ich mich gleich sehr wohl. Die Boa-Verschlüsse sind passend platziert, sodass der Schuh den Fuß optimal umgreift. Egal wie fest man die Schuhe bindet, die Lasche ist angenehm weich und drückt nicht in den Fuß. Außerdem lässt sich der Verschluss kinderleicht während der Fahrt anpassen, ganz egal, ob der Schuh zu locker oder zu fest sitzt. Besonders die Fersenkappe fällt positiv auf. Sie umgreift die Ferse sicher und ein Rausrutschen wird nahezu unmöglich. Somit sitzt der XC9 wie eine zweite Haut um den Fuß und lässt sich angenehm und ohne Druck tragen. Leider bildet sich beim Festzurren des Verschlusses manchmal eine Wulst im Obermaterial des Schuhs. Dadurch muss die Lasche ab und zu über diese Wulst gehoben werden, damit sie sich auflöst und die Schnürung optimal ist.
Auf den ersten Blick ähnelt der XC9 dem XC7 sehr, bei genauerem Hinsehen unterscheiden sie sich doch deutlich: Neben der schmaleren Silhouette sind es besonders die Fersenkappe und die Carbonsohle, die den XC9 vom XC7 absetzt, aber auch der hochwertigere Boa-Verschluss weiß zu gefallen. Bei den ersten Pedalumdrehungen spürt man, wie der Fuß noch mal besser mit dem Fahrrad verbunden ist. Das sorgt für ein sportlicheres Fahrgefühl, da Bewegungen direkt auf das Rad übertragen werden, seien es Pedalumdrehungen oder eine Gewichtsverlagerung bei der Kurvenfahrt. Das Handling wird noch reaktiver und überzeugt auf allen Ebenen. Der Schuh als Kontaktpunkt ist schließlich eine wichtige Schraube, an der man drehen kann, um das Gefühl auf dem Rad zu verbessern.
Natürlich bekommt man dadurch auch wesentlich mehr Feedback vom Fahrrad, denn Erschütterungen und Schläge werden direkt vom Schuh in den Fuß weitergeleitet und nicht in einem dicken Polster oder einer weichen Sohle aufgefangen. Im Antritt spürt man die Carbonsohle deutlicher als erwartet und die Sohle bietet eine große Fläche zur Kraftübertragung ins Pedal. Doch auch hier muss noch mal erwähnt werden, dass die Fersenkappe einen großen Teil zum Fahrgefühl und der Kraftübertragung beiträgt. Einziger Nachteil: Beim Laufen in den Schuhen bekommt man schnell Blasen. Das könnte für Cyclocross relevant sein, wobei gesagt sein muss, dass im gesamten Testverlauf mit den Einlegesohlen getestet wurde. Diese sind etwas dicker als die Originalsohle. Mit den Originalsohlen sitzt der Fuß tiefer im Schuh und die Fersenkappe greift etwas weiter oben über die Ferse. Das kann unter Umständen angenehmer beim Laufen sein.
Apropos Laufen: die Ultread-Sohle bietet genügend Grip im Gelände und ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Wunsch nach mehr Halt, sodass ich während des gesamten Testzeitraums nicht zu den Krallen greifen musste. Die Belüftung der Schuhe ist ebenfalls auffällig, besonders in der Übergangszeit zieht es schnell mal in der Abfahrt. Das sorgt gleichzeitig aber für eine angenehme Belüftung bei höheren Temperaturen. Was die Verarbeitung angeht, gibt es nichts zu bemängeln. Über den ganzen Testzeitraum von über einem halben Jahr hat sich nichts gelöst und es sind keine Schwächen beim Material aufgetreten. Einzig das Raster zum Einstellen der Cleats wurde leicht abgekratzt und der Zehenschutz dürfte gerne etwas großzügiger ausfallen. Das Obermaterial muss positiv erwähnt werden, denn es lässt sich leicht abwaschen und sammelt keinen Schmutz. Sobald man mit einem Lappen drübergewischt hat, glänzt der Schuh wie am ersten Tag.
Fazit – Shimano SH-XC903
Der Shimano SH-XC903 ist berechtigterweise ein beliebter Schuh unter Racern und leistet sich kaum Schwächen: Von der Passform über die Performance im Renneinsatz bis hin zur Verarbeitung schneidet er super ab. Der Schuh trägt sich wie eine zweite Haut und sorgt für optimale Kraftübertragung in jeder Situation. Kein unangenehmer Druck von der Lasche – und sollte er doch zu fest sitzen, kann er kinderleicht mit den Boa-Verschlüssen angepasst werden. Auch die Belüftung überzeugt an heißen Trainingstagen. Zusammengefasst ist der Shimano XC9 ein zuverlässiger und sorgloser Begleiter im Renn- und Trainingseinsatz, mit dem man auch an langen Tagen im Sattel Spaß haben kann.
Shimano SH-XC903 – Pro / Contra
Stärken
- geringes Gewicht
- Steifigkeit
- Passform
Schwächen
- Preis
- wenig Komfort beim Laufen (für CX relevant)
Was sagt ihr zu den Shimano SH-XC903-Schuhen?
Testablauf
Die Shimano SH-XC903 Schuhe wurden uns von Shimano zur Verfügung gestellt und über mehrere Monate auf dem Gravelbike und Cross-Country-Mountainbike ausgiebig getestet. Dabei kamen sie unter den verschiedensten Bedingungen zum Einsatz und konnten auch im Renneinsatz ihr Potenzial unter Beweis stellen.
| Körpergröße | 186 cm |
| Schrittlänge | 94 cm |
| Oberkörperlänge | 58 cm |
| Armlänge | 65 cm |
| Gewicht | 67 kg |
- Fahrstil
- schnell und sauber bergab, spritzig bergauf
- Ich fahre hauptsächlich
- Cross-Country, Gravel, Trailbike
- Vorlieben beim Fahrwerk
- eher soft, schnelle Zugstufe
- Vorlieben bei der Geometrie
- sportlich und agil, tiefes Cockpit

