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Downhill World Cup 2024 – Bielsko Biala: Rennbericht von Andreas Kolb

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2024 hat der Downhill World Cup das erste Mal überhaupt in Polen Station gemacht. Natürlich war auch Atherton-Racer Andreas Kolb mit am Start und ein heißer Kandidat für einen der Podiums-Plätze. Wie das Rennen für ihn verlaufen ist, erfahrt ihr wie immer in seinem mitreißenden Rennbericht.

Ich habe mich schon extrem auf Polen gefreut, so wie ich mich auf jeden World Cup freue. Aber es ist noch einmal besonders, einen neuen Austragungsort zu haben. Ich glaube, ich bin auf neuen Strecken immer recht gut – außerdem in der Linienwahl und in schnellem Adaptieren.

Ich war auch schon vor etwa 8 Jahren in Polen Rennen fahren, in Wisła, das ist ungefähr eine halbe Stunde von dort entfernt, und habe gute Erinnerungen daran. Es war eine mega coole Strecke, gute Fans und wenn eine gute Stimmung herrscht, dann kann das Rennenfahren nur gut werden.

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Donnerstag – Trackwalk

Von Anfang an hatte ich echt gute Eindrücke von der kleinen Stadt, beziehungsweise dem Dorf. Alles war cool, mega Essen, super freundliche Leute und auch der Trackwalk hat mich mehr als überrascht. Man hat im Internet ziemlich schlechte Kritik gelesen, dass es sehr Bikepark-mäßig sein soll und zu einfach. Was natürlich immer einfach gesagt ist, wenn es eine neue Strecke ist und neue Sprünge und Anlieger gebaut werden, dann sieht es natürlich am Anfang einfach aus, aber nach ein paar Runs ist es genau das Gegenteil.

Es wird ziemlich schnell rough. Zu den neuen Bikepark-Sektionen gab es extrem viele Waldsektionen und die waren echt cool gesteckt, glaube ich. Wir sind eigentlich gewohnt, dass jetzt alles ziemlich gerade gesteckt wird und alles sehr schnell oder immer schneller wird in den letzten Jahren. Und ich muss ehrlich sagen, Polen war da wieder mal eine Ausnahme.

Die Waldsektionen waren ein bisschen langsamer gesteckt, man musste immer schauen, dass man den Exit-Speed mitnimmt, was sehr wichtig war. Es war eine extrem coole Strecke und ich hatte nach dem Trackwalk mehr als nur Bock aufs Radfahren.

# Beim Trackwalk war Andi von der abwechslungsreichen Strecke überrascht.
# Süße Hunde gab's ebenso zu bewundern wie …
# … süße Steirer.

Freitag – Training

Setup-technisch wussten wir, dass das ein bisschen weicher wird, da es etwas langsamer ist. Ich habe weniger Luft in die Gabel gegeben, aber schon in der Vorwoche beim Testen in Schladming auf mehr Compression gesetzt. Setup-technisch war es ziemlich das Gleiche, nur eben etwas weicher am Fahrwerk und hinten etwas schneller am Rebound, da die Strecke nicht so steil war. Dann haben wir losgelegt.

# Top Secret! - Nach Fort William hat Andi Kolb noch etwas Arbeit in sein Fahrwerks-Setup gesteckt.
# Kolb-Blog-4975
# Kolb-Blog-4993

Angefangen hat alles mit extrem trockenen Bedingungen. Wir haben gleich mal einen coolen Train mit Ronan Dunne, Charlie Hatton, Tuhoto-Ariki Pene und Oisin O’Callagan dabei. Wir hatten ziemlich Spaß im Training, die Strecke ist ziemlich schnell zerbröselt, weil es extrem trocken war. Ich hatte mega Spaß, ab Run 3 dachte ich, das ist genau meins.

Nach diesem Lauf kam leider der Regen. Normalerweise bin ich ein Fan von Regenbedingungen, aber auf der Strecke waren die trockenen Bedingungen einfach mega. Regen ist auch eine meiner Lieblingsbedingungen, aber Staub ist noch besser! Typisch Val di Sole im Trockenen, das ist genau das, was ich am liebsten habe.

# Mega-Train zum Trainingsstart.

Der Regen hat die Strecke ziemlich schwierig gemacht und es war generell ein eigenartiges Training, weil wir wussten, der nächste Tag wird wieder trocken. War es wirklich wert, so viel Gas zu geben oder nicht? Die zweite Trainingssession war damit zwar nicht ganz umsonst, hat sich aber komisch angefühlt. Man hat nicht wirklich Gas gegeben, hatte ich das Gefühl. Diese Session wird auch immer gezeitet.

Allerdings mussten wir warten, bis an einem Holzabsprung der Hasendraht repariert wurde, obwohl wir schon beim Trackwalk gesagt haben, dass es sicher runtergehen wird – da wurde natürlich nichts gemacht. Es wird leider immer weniger auf uns Fahrer gehört bei solchen Sachen. Das hat das Time-Practice teilweise gestört. Trotzdem habe ich mich schon extrem auf den nächsten Tag gefreut.

# Die zweite, gezeitete Trainingssession fand unter extrem matschigen Bedingungen statt.

Samstag – Qualifikation

Am zweiten Tag, Samstag, wurde es extrem stressig, wie wir schon in Fort William gelernt haben. Man muss früh aufstehen und als Elite-Fahrer ungewohnt früh auf der Strecke sein. Es zieht sich dann lange nach hinten raus. Ich habe gute Trainingsläufe reingebracht und war sehr zuversichtlich, muss ich sagen. Aber körperlich war ich leider etwas angeschlagen. Ich habe schon auf dem Weg nach Polen gemerkt, dass ich körperlich nicht 100 % fit bin und eine Erkältung mitschleppe – schon seit Wochen. Die hatte ich in Fort William auch schon. Das hat sich leider durchgezogen.

Ich habe schon nach dem Trackwalk gespürt, dass die Beine müde sind und das Wohlbefinden generell nicht so gut war. Jeden Tag nur Tee trinken und erlaubte Mittelchen nehmen, war semi-optimal. Aber ich habe probiert, es gut wie möglich auszublenden. Die Quali war okay. Ich bin auf Platz 18 gefahren, war aber etwas zu safe und habe wieder viele Punkte liegen gelassen, was für die Gesamtwertung ärgerlich ist.

# Kolb-Blog-6878
# Kolb-Blog-8785

Danach ging es gleich hoch zum Semifinale. Hier war der Plan, wirklich zu attackieren, weil ich ein bisschen Frust im Bauch hatte und wusste, wenn ich attackiere, dann ist auch die Verkühlung mehr oder weniger egal, weil ich mehr im Moment bin und nicht darüber nachdenke. Ich bin dann echt gut ins Fahren gekommen: Bei der ersten Split war ich auf Platz 2, mit glaube ich 0,100 s Rückstand auf Luca Shaw, der erster war. Ich war extrem gut unterwegs, aber ca. 5 Sekunden nach der Zwischenzeit hätte ich fast einen Sturz gehabt und bin wieder in meine zu safe Fahrweise zurückgefallen.

So war der ganze Lauf: safe, dann wieder Gas, dann wieder safe, dann wieder Gas. Ich glaube, ich hatte das Problem, dass ich es nicht hunderprozentig laufen lassen konnte aufgrund des Fehlers. Normalerweise müsste das ja egal sein. Passiert ein Fehler, dann bleibt man trotzdem drauf und gibt nicht nach. Ich glaube, da war ich einfach nicht ganz drin. Es wurde Platz 12 mit etwas unter 3 Sekunden Rückstand, was okay ist.

# Beim Warm-up machen auch die Mechaniker mit.
# Oben Vollgas, unten dann etwas zu safe - so beschreibt Andi seinen Semi-Final-Lauf.

Danach gab es einen Trackwalk, auf dem ich noch viele Lines gefunden habe. Oisin, Ronan und Charlie waren wieder dabei und wir haben gemeinsam echt gut gearbeitet und auch viele GoPro-Videos geschaut. Das ist gerade echt ziemlich cool, was wir da für einen guten Teamvibe haben, auch wenn wir keine Teamkollegen sind.

Sonntag – Finale

Der Renntag war extrem interessant. Im Training hab ich die Linien geändert, die ich ändern wollte, und hab mich sehr gut gefühlt – nur etwas müde. Ich wusste, dass es sicher nicht einfach wird, aber wenn ich wirklich Vollgas gebe und Adrenalin dazu kommt, dann geht das. Das Training war vorbei und genau fünf Minuten später kam der Regen rein.

Das hat natürlich wieder Grübeln ausgelöst, welche Reifen wir nehmen sollen. Wir waren das ganze Wochenende auf Continental Kryptotal unterwegs, außer in zwei Runs, wo es richtig schlammig war. Jetzt haben wir überlegt: nehmen wir die Argotal oder bleiben wir bei den Kryptotal? Ich glaube, ich hatte schon die Argotal drauf, dann kam die Sonne wieder raus und wir haben wieder die Kryptotal draufgeworfen. Dann ging es schon wieder rauf zum Rennlauf.

# Vor dem Finale wurde nochmal Arbeit in die Linienwahl gesteckt. - Aus dieser Kurve brauchts viel Speed, da danach ein Tretstück folgt.
# Am Ende hat sich Andi für die Highline entschieden.
# Kolb-Blog-0026

„Ich war generell extrem nervös, was ich in Fort William vermisst habe. Ich war gierig, wieder schnell zu fahren und ich glaube, genauso bin ich dann auch gefahren.“

Das Coole ist, jetzt hat man wieder mehr Zeit bis zum Rennlauf, wenn man sich gut qualifiziert, und es fühlt sich einfach wieder richtig an wie ein Finallauf. Es ist in meinem Augen ein besseres System als letztes Jahr. Aber ich glaube immer noch, dass das Semi-Finale weggehört, damit man am Samstag ein wenig stressbefreiter ist.

Der Rennlauf hat mich gut gehypt. Ich war generell extrem nervös, was ich in Fort William vermisst habe. Ich war extrem gierig, wieder schnell zu fahren und ich glaube, genauso bin ich dann auch gefahren. Ich habe es gut stehen lassen, habe oben zwei kleine Fehler gemacht bei der ersten Zwischenzeit, vor allem durchs hektische Fahren und weil ich viel probiert habe. Im Mittelteil bin ich dann mehr in den Flow gekommen und war vielleicht ein bisschen zu safe unterwegs.

Unten raus ist mir leider die Kraft ausgegangen. Da musste man extrem viel raustreten. Die Sektion, die ich noch im letzten Training extrem trainiert und Feinschliff rausgeholt habe, war leider nicht viel wert, weil ich einfach nicht mehr die Kraft dafür hatte. Ich habe auf den Pedalen gemerkt, dass nicht mehr viel weitergeht und musste dann auch husten während meines Laufs. Unten raus war es leider wirklich nicht optimal.

# Im oberen Teil war Andi wieder voll auf der Pace und auf Podiumskurs.

Nichtsdestotrotz, bis zur dritten Zwischenzeit war ich auf Rang 4 unterwegs und habs dann unten raus beim Pedalieren verloren. Ein Fehler war noch dabei, als ich eine Kurve nicht optimal erwischt habe. Ich wurde leider auf Platz 8 durchgereicht, was natürlich okay ist, aber 0,6 s hinter dem Podium ist natürlich bitter und schmerzt etwas. In dem Moment war jedoch einfach nicht mehr drin und das muss man akzeptieren.

# Kolb-Blog-1833
# Unten raus hat er dann wertvolle Zehntel verloren und musste sich mit Rang 8 begnügen.

Jetzt heißt es, weiterarbeiten und schauen, dass ich wieder fit werde. Es wird immer besser – die Gesundheit ist zwar immer noch nicht bei 100 %, aber es wird. Außerdem machen wir weiter Fortschritte beim Fahrwerk und ich denke, dass wir da noch besser werden können. Das stimmt mich definitiv positiv für die nächsten Runden!

Jetzt sind die eher flacheren Strecken vorbei und es geht auf die steilen Strecken: Leogang, Val di Sole, Les Gets – alle Strecken eben, die mir gut liegen. Auf die habe ich mich schon den ganzen Winter über gefreut! Leogang ist ohnehin ein Highlight – da brauchen wir nicht drüber sprechen.

# Mit dem Wissen, dass seine Lieblingsstrecken in den nächsten Wochen auf dem Programm stehen, hat Andi gut lachen!

Ich kann es kaum erwarten, wieder Rennen zu fahren. Nun gibt’s erst einmal eine kleine Pause, die werde ich genießen. Zudem werde ich die Red Bull Hardline auf Deutsch kommentieren und bin schon gespannt, ob das was wird. Ein großes Danke an euch alle!

Was sagst du zum wechselhaften Rennwochenende für Andreas Kolb in Polen?


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