Der vierte Weltcuplauf in der Cross-Country-Disziplin wurde zum Schauplatz der maximalen Gegensätze: Während Nino Schurter zum 35. Mal über einen Sieg im Weltcup jubelte und das Herrenfeld weiterhin im Griff zu haben scheint, startet im Feld der Damen Puck Pieterse eine neue Zeitenwende. Was beide Erfolge eint, sind die beeindruckenden Leistungen, die unter anderem auch die beiden Sieger*innen der U23-Klasse Sofie Pedersen und Carter Woods zeigten. Der Weltcuplauf in Val di Sole hatte einiges zu bieten: Grund genug also, die Highlights der Cross-Country-Rennen mit den besten Bildern des Tages Revue passieren zu lassen.
Nicht erst seit gestern fasziniert der Kampf jung gegen alt die Massen im Sport wie kaum andere Konstellationen: Junge Athletinnen und Athleten streben nach Ruhm und Ehre, den Sportlerinnen und Sportler älterer Generationen sich über Jahre hinweg hart erarbeiten konnten. Gleichzeitig geben letztgenannte erfahrenere Sportlerinnen und Sportler ihre Ausnahmestellung in ihrer Sportart nur ungern ab, schwindender Erfolg ist in gewisser Weise auch mit weniger Ansehen, weniger Aufmerksamkeit verbunden.
Jung gegen alt, alt gegen jung: Das ist auch im Mountainbikesport kein neues Phänomen – viele spannende Duelle haben das in der Vergangenheit gezeigt. Man denke nur an die epischen Duelle zwischen Julien Absalon und Nino Schurter oder an den Konkurrenzkampf im Feld der Damen zwischen Größen wie Sabine Spitz, Gunn-Rita Dahle-Flesjå gegen jüngere Fahrerinnen wie Jolanda Neff und Pauline Ferrand-Prévot. Und spätestens, seitdem Radsport-Multitalente wie Mathieu van der Poel und Tom Pidcock den Mountainbikesport in Aufruhr versetzen, kennt der Konkurrenzkampf sogenannter „etablierter Kräfte“ gegen neue frische Gesichter in der Cross-Country-Disziplin keine Grenzen mehr.
#Im Kampf der Generationen setzt Puck Pieterse als Vertreterin der jungen wilden Fahrerinnen aktuell ein Ausrufezeichen nach dem anderen - Zum dritten Mal in diesem Jahr fuhr die Niederländerin zum Weltcuperfolg.
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Wie stark diese Thematik die aktuelle Mountainbike-Weltcup-Szene beeinflusst, konnte man sehr eindrucksvoll beim vierten Weltcuplauf dieser Saison in der Cross-Country-Disziplin in Val di Sole beobachten – und das auch ohne die Anwesenheit der genannten Radsport-Superstars Pidcock und van der Poel: Auf der einen Seite die junge Puck Pieterse, die nunmehr zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen in einem Rennen der Cross-Country-Disziplin die Konkurrenz demontierte und zum anderen der erfolgreichste männliche Mountainbiker aller Zeiten, Nino Schurter, der seine Vormachtstellung im Cross-Country-Sport weiterhin aufrechterhalten kann.
Beide Erfolge wurden derart dominant herausgefahren, dass eine angemessene Würdigung nur schwer möglich ist. Sowohl Pieterse und Schurter führen nunmehr auch die Weltcupgesamtwertung in ihren Kategorien an, was eindrucksvoll zeigt, dass sie eben nicht nur in Val di Sole eine Klasse für sich waren. Die Gemeinsamkeiten der beiden Triumphfahrten sind also nicht zu übersehen, einzig großer Unterschied ist genau jener angesprochene Kampf der Generationen: Während Pieterse erst am Anfang einer womöglich äußerst erfolgreichen Karriere steht und gerade den Größen der Damenszene wie Pauline Ferrand-Prévot, Jolanda Neff und Co. große Sorgenfalten auf die Stirn treibt, stellt Schurter den absoluten Gegenpol im Herrenfeld dar.
Mit seinem nunmehr 35. Weltcupsieg treibt der Schweizer seinen Legendenstatus weiterhin in Rekordhöhen und zeigt, dass sich die ältere Generation keineswegs so einfach von den jüngeren Fahrern sich das Zepter aus der Hand nehmen lässt. Dass sich derartige Kräfteverhältnisse äußerst schnell verschieben können, dürfte allen Beteiligten klar sein: Wir sind gespannt, was die kommenden Rennen bringen werden. Insbesondere die Weltmeisterschaften in gut einem Monat dürfte ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl sein, in welche Richtung es im Kampf der Generationen geht: Jung oder Alt?
Apropos junge Generation: Diese lieferte in Val di Sole wohl die traurigste Geschichte des Rennwochenendes, primär den Name Luca Martin gilt es hier zu nennen. Kurz vor seinem ersten Weltcuperfolg in der U23-Klasse wurde der Franzose durch einen doppelten Plattfuß um all seine Träume gebracht – das mitunter schlimmste Szenario, was man einem Sportler im Renngeschehen wünscht. Auf der anderen Seite durfte sich der Kanadier Carter Woods über den Doppelerfolg im Short Track und Cross-Country-Disziplin freuen – und das nach einer langen Durststrecke ohne Weltcuperfolg. 2019 war der Kanadier zuletzt zu einem Sieg in der U23-Klasse gefahren. Genauso wie die Siegerin der U23-Klasse der Damen, Sofie Pedersen, die Woche für Woche aufzeigt, dass sie aktuell die stärkste Fahrerin in der Nachwuchskategorie ist.
#Die Short Track-Siegerin im Fokus - Laura Stigger konnte bei den vergangenen Rennen ihre konstante Form unter Beweis stellen und wollte auch in Val di Sole im Cross-Country-Rennen möglichst aufs Podest fahren.
#Rebecca Henderson trat bis dato in dieser Saison noch nicht so stark in Erscheinung als noch im Vorjahr - Dies sollte sich in Val di Sole ändern.
#Die Weltmeisterin konnte in dieser Saison auch noch nicht gänzlich an ihre stärksten Phasen des letzten Saisondrittels im Vorjahr anknüpfen. - Dennoch galt Pauline Ferrand-Prévot ohne Frage als mögliche Sieganwärterin vor dem Rennen in Val di Sole.
#Die Frau der Stunde - Puck Pieterse gewann bereits die Weltcuprennen in Nove Mesto und Leogang und fuhr zudem eine Woche vor dem Rennen in Val di Sole zum Europameistertitel. Dementsprechend war sie die klare Favoritin auf den Sieg in Val di Sole.
#Der Favoritenrolle wurde Puck Pieterse absolut gerecht - Vom Start weg zog die Niederländerin einmal mehr einsam ihre Kreise an der Spitze.
#Die große Überraschung folgte dahinter - Martina Berta fuhr vor heimischem Publikum ein bemerkenswertes Rennen, das sie bis auf Rang zwei brachte.
#Lange Zeit wurde die Italienerin im Kampf um Rang zwei von Pauline Ferrand-Prévot begleitet - Die Französin machte jedoch unliebsam Bekanntschaft mit dem staubigen Untergrund von Val di Sole und fiel zurück.
#Viva l'Italia! - Ekstase pur an der Rennstrecke aufgrund des famosen Auftretens von Martina Berta.
#Auf Rang drei schob sich nach dem Sturz von Pauline Ferrand-Prévot die Australierin Rebecca Henderson.
#Im Verfolgerinnenfeld startete einmal mehr die Österreicherin Mona Mitterwallner eine famose Aufholjagd - Dieses Mal endete diese auf dem fünften Rang für die junge Österreicherin.
#Anne Terpstra fährt eine weiterhin äußerst konstante Rennsaison - Rang zehn für die niederländische Meisterin in Val di Sole.
#Laura Stigger kämpfte anfangs mit Pauline Ferrand-Prévot und Martina Berta um die Podiumsplätze - Sie musste jedoch ihre beiden Kontrahentinnen ziehen lassen, am Ende zog auch noch Rebecca Henderson vorbei. Durch den Sturz von Pauline Ferrand-Prévot bedeutete dies letztlich Rang vier für die Österreicherin.
#Die Olympiasiegerin ist weiterhin eine feste Größe in der Weltelite - Jolanda Neff fuhr ein couragiertes Rennen in Val di Sole und kletterte auf Rang sechs.
#Ti amo, Val di Sole! - Die Fans, die Stimmung, das Wetter: Der Weltcup in Val di Sole war ein Fest für alle Fans des MTB-Sports!
#Neues Gewand für Vlad Dascalu - Der Rumäne stand erstmals mit seinem frisch erworbenen Europameistertrikot an der Startlinie in Val di Sole.
#Während Dascalu bei den Europameisterschaften zum großen Coup fuhr, regenerierte Mathias Flückiger sich für die anstehenden Aufgaben. - Klares Ziel: Zurück aufs Podium in Val di Sole.
#Nach seinem Erfolg in Leogang in den Farben des Gesamtweltcupführenden unterwegs - Jordan Sarroum musste das rot-weiße Führungstrikot jedoch direkt wieder abgeben.
#Max Brandl voller Zuversicht vor dem Start - Beim deutschen Meister war zuletzt stets der Wurm drin. In Val di Sole sollte die Kehrtwende starten...
#Die Konstanz in Person: Alan Hatherly fuhr bei den Weltcuprennen in Lenzerheide und Leogang jeweils aufs erweiterte Podest der Top 5
#In Nove Mesto knapp am Sieg gescheitert und seitdem nicht mehr ganz zu alter Stärke zurückgefunden - Joshua Dubau wollte in Val di Sole zurück aufs Podest.
#The G.O.A.T in der zweiten Reihe - Für den Weltmeister Nino Schurter gab es nach Rang zehn im Short Track keinen Platz in der ersten Startreihe. Sollte das den Eidgenossen daran hindern, vorne anzugreifen? Wohl eher nicht...
#Alan Hatherly führt das Herrenfeld in der ersten Runde an. - Anfangs reihten sich die Fahrer noch eng wie an einer Perlenschnur auf.
#Das sollte sich schnell ändern - Denn der Weltmeister drückte aufs Tempo und brachte die Konkurrenz ins Schwitzen.
#Schurter drehte den Gashahn derart auf, dass ihm ab Runde drei kein Fahrer mehr folgen konnte. - Freie Fahrt zu Weltcupsieg Nummer 35 also!
#Nimmermüde rast der Eidgenosse von Sieg zu Sieg: Wer soll Schurter auf der Jagd nach seinen eigenen Rekorden stoppen?
#Der Kampf um die weiteren Podestplätze wurde fast zur Randnotiz - Mathias Flückiger revanchierte sich für sein Defektpech vor zwei Wochen in Leogang und fuhr zu Rang zwei.
#Der Knoten scheint geplatzt! - Vlad Dascalu fuhr eine Woche nach seinem Erfolg bei den Europameisterschaften erneut sehr stark, Rang drei für ihn am Ende.
#Joshua Dubau scheint allmählich an seine Form aus dem Frühjahr heranzukommen, die ihm fast einen Weltcupsieg in Nove Mesto beschert hätte. - In Val di Sole fuhr der Franzose auf den vierten Rang.
#Der spanische Meister auf der Jagd nach Schurter und Co. - Für die Podiumsplätze reichte es für David Valero in Val di Sole nicht ganz, Rang sieben für ihn.
#Max Brandl startete gut und schob sich anfangs unter Spitzenfahrer - Kreislaufprobleme ab der zweiten Runde sorgten jedoch für ein abruptes Ende aller Hoffnungen beim Wahl-Freiburger: Er musste das Rennen vorzeitig aufgeben.
#Der Belgier Jens Schuermans fuhrt auf den 15. Rang.
#Leogang-Sieger Lars Forster landete auf Position neun.
#Ein alt bekanntes Gesicht mal wieder in den Top Ten - Maxime Marotte, ehemaliger Stammgast auf den Weltcuppodien dieser Welt, fuhr zum ersten Mal in dieser Saison wieder ganz vorne mit: Rang sechs für den Franzosen.
#Sein Landsmann Jordan Sarrou erwischte nicht den besten Tag und musste aufgrund des Sieges von Nino Schurter das Führungstrikot in der Weltcupwertung wieder abgeben. - Sarrou wurde in Val di Sole Achter.
#In knapp einem Monat knallen die Korken erneut, dann bei den Weltmeisterschaften in Glasgow - Titelverteidiger Nino Schurter manövriert sich nach seinem Erfolg in die Favoritenrolle für den erneuten Sieg. Das wäre dann WM-Titel Nummer 11!
Fotostory U23-Damen
#Einmal mehr eröffneten die U23-Damen den langen Renntag in der Cross-Country-Disziplin - Besonders im Fokus: Sofie Pedersen, die bis dato alle drei Weltcuprennen für sich entscheiden konnte.
#Die neuseeländische Meisterin Samara Maxwell landete in Leogang hinter Pedersen auf dem zweiten Rang. - Das galt es für Maxwell idealerweise in Val di Sole zu wiederholen.
#Die Schweizerin Ronja Blöchlinger nimmt es eher entspannt vor dem Start.
#Über weite Strecken des Rennens der U23-Damen schien der Kampf um den Sieg so offen wie selten zuvor in diesem Jahr. - Ronja Blöchlinger bot Sofie Pedersen bis zur Rennhälfte an der Spitze ordentlich Paroli, fiel dann jedoch zurück auf bis auf Rang drei.
#Somit war der Weg frei für einen erneuten Triumph von Sofie Pedersen. - Die Dänin zog solo auf und davon an der Spitze und siegte letztlich souverän.
#Das gelang ihnen auch - Woods war anfangs Teil einer Spitzengruppe, die unter dem Tempodiktat des Franzosen Luca Martin entstand. Der Franzose konnte sich dann solo absetzen, alles schien auf Rang zwei für Woods hinauszulaufen...
#Leogang-Sieger Adrien Boichis konnte zwar nicht gänzlich an seine Leistung aus dem Rennen vor zwei Wochen anknüpfen, doch letztlich scheiterte er nur knapp am erneuten Sieg. - Rang zwei am Ende für ihn.
#Riley Amos fuhr ebenfalls ganz vorne mit und landete auf dem dritten Rang.
#Jubel bei Carter Woods, der sich über seinen ersten Weltcupsieg seit dem Jahr 2019 freuen durfte.
#Ob Woods, Boichis oder Amos, allesamt profitierten sie vom Missgeschick des Franzosen Luca Martin - Er erlitt in Führung liegend in der letzten Runde einen doppelten Plattfuß und verlor so den sicher geglaubten Sieg. Bitter!