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ATU goes Bike: „Unsere Mission: Eine bundesweite ATU-Werkstattkette für Fahrräder“

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ATU kennt in Deutschland vermutlich jeder, der ein Auto besitzt – die Werkstattkette verfügt über 531 Standorte in Deutschland und war bislang in erster Linie für die Reparaturen an vierrädrigen, motorisierten Fahrzeugen bekannt. Das soll sich ändern: Florian Kulike und Rüdiger Dehlfing sind verantwortlich für die Planung einer bundesweiten Werkstattkette für Fahrräder – von ATU. Was genau die Pläne sind, erfahrt ihr im Interview.

Stellt Euch doch kurz noch mal vor. 

Florian Kulike: Ich fahre seit 15 Jahren Downhill- und Enduro-Rennen, habe nach dem Abitur bei Cube gearbeitet und war dort Werkstattleiter, zudem manage ich ein World Cup-Team und organisiere die Chili Enduro Series zusammen mit Henry Heitmüller. Mitte 2022 habe ich etwas über die Pläne von ATU gelesen und es hörte sich für mich sofort nach einem spannenden und sinnvollen Projekt an. Die Jungs und Mädels von ATU fanden mich wohl auch gut, daher durfte ich nach ein paar Meetings die Projektleitung Technik übernehmen, habe den Aufbau der Pilotwerkstatt in München Moosach betreut und entwickle das Thema mit Rüdiger ständig weiter.

Rüdiger Dehlfing: Hi, ich bin Rüdiger, bin schon in meiner Jugend stets mit dem Rad in die Schule gefahren und seitdem dem Rad treu geblieben. Ich bin seit 2015 bei ATU und wohne am schönen Ammersee. Meine Lieblingsstrecke geht einmal rund um den See, landschaftlich ist das phänomenal. Als im vergangenen Jahr bei uns das Thema Bikeservice aufkam, hat mich das direkt angesprochen.

# Rüdiger Dehlfing und Florian Kulike

Ich habe im Bereich Corporate Development die Verantwortung für die Fahrradwerkstattsparte übernommen. Unsere Mission lautet: Aufbau der bundesweiten ATU-Werkstattkette für Fahrräder. In dem Zusammenhang sind wir dann auch mit Flo in Kontakt gekommen, mit dem wir das Konzept zusammen weiterentwickelt haben. Mittlerweile wird alles sehr konkret, wir sind mitten in der Umsetzung. Es ist einfach unglaublich spannend aktuell!

Fast jeder kennt ja ATU als Werkstattkette für Autos. Wie kommt ATU zum Thema Fahrrad?

ATU ist selbstverständlich als Werkstattkette für Autos bekannt, das ergibt sich ja schon aus dem Namen. Doch den gibt es schon lange, die Zeiten ändern sich und damit auch die Mobilitätsbedürfnisse. Heute sind Innenstädte überfüllt und der Megatrend Fahrrad ist allgegenwärtig. ATU passt sich dem permanent an und sieht sich heute vielmehr als Mobilitätsdienstleister. Wir haben z. B. bereits 1.200 Hochvolt-Fachkräfte S2 für E-Mobilität, bieten eine mobile Werkstatt mit Service-Vans in Nürnberg und München, sodass der Kunde gar nicht erst zu uns kommen muss, und ein weiteres Zukunfts-Thema ist ganz klar der Bikeservice.

Hier sehen wir immenses Potenzial. Als Mountainbiker bringt man ATU bisher nicht sofort mit hochwertigen Fahrrädern in Verbindung und auch nicht mit dem dafür notwendigen, hochwertigen Service. Das ändert sich jetzt, denn wir positionieren uns komplett neu – auch als Servicepartner für Top-Marken. Wir machen das nur mit gut ausgebildetem Personal, welches regelmäßig weiter geschult wird. Da haben wir hohe Anforderungen an uns selbst.

# In den ATU-Fahrradwerkstätten kümmern sich ausgebildete Fahrradmechanikerinnen und -mechaniker um die Räder.

Interessant, aber wie möchtet ihr gegen die etablierten Fachhändler ankommen?

Das müssen wir gar nicht. Wir sehen uns nicht als Wettbewerber zur Fahrradwerkstatt, sondern vielmehr als Ergänzung. Zunächst haben wir den Markt detailliert untersucht, mit vielen Marktteilnehmern über Probleme und Potenziale gesprochen und bestätigt bekommen, dass die Endverbraucher eigentlich immer das Gleiche beklagen: Die Wartezeiten sind insbesondere zum Start der Saison lang und der Kunde muss sich gedulden. Leasingkunden zahlen dabei weiter ihre Leasingraten, obwohl das Rad nicht fahrbereit ist.

Es werden meist nur die Räder angenommen, die vor Ort gekauft wurden. Wer sich online ein Rad kauft, selbst wenn es von Canyon, Propain und Co. ist, wird also als Kunde 2. Klasse abgewiesen und findet im schlimmsten Fall keinen Händler, der ihm hilft, sein Problem zu lösen. Vielleicht auch ein Grund, das nächste Mal nicht mehr das favorisierte Rad online zu kaufen, sondern sicherheitshalber zum Händler zu gehen.

Traditionelle Werkstätten arbeiten oft ineffizient, das Rad steht häufig tagelang herum, bis mit der Arbeit angefangen wird und die benötigten Ersatzteile da sind. Die Terminbuchung ist nur vor Ort oder per Telefon möglich. Das nervt einfach. Der Kunde erwartet es, sein Rad vormittags zu bringen und nachmittags abholen zu können oder zumindest einen exakten Termin zu erhalten, wann das Rad fertig ist.

Gut, das Thema kennt ja jeder, der nicht alles selbst am Fahrrad reparieren kann oder möchte. Wie plant ATU das anzugehen?

ATU hat 40 Jahre Werkstatterfahrung und unglaublich effiziente Abläufe im Hintergrund. Das nutzen wir, um ohne Scheuklappen ein ganz neues Level beim Serviceniveau anzubieten.

Du buchst deine Reparatur einfach und schnell online. Dabei wählst du den Reparaturslot und weißt direkt, wann das Rad wieder abholbereit ist. Wir haben klare Vorgaben zur Ausführung der Inspektion. Der Mechaniker wird nicht abgelenkt durch Kundengespräche oder Telefonate und kann sich voll und ganz deinem Rad widmen. Das ist auch ein wichtiges Sicherheits-Plus für den Kunden.

Speziell für E-Bikes haben wir eine Kompetenz, die ein normaler Händler nicht haben kann. Wir servicen die 7 großen Motorenhersteller und zwar markenunabhängig. Die Mitarbeiter werden dafür gesondert geschult und verfügen über spezielles Equipment, z. B. zum Auslesen der Motoren, das in gewöhnlichen Werkstätten oft fehlt oder veraltet ist.

Grundsätzlich wird jedes Rad natürlich in einer Dialogannahme untersucht, bei der Verschleißteile geprüft und auf Kundenwünsche eingegangen werden kann. Das minimiert die Gefahr, dass wir mit dem Kunden während der Reparatur noch mal Rücksprache halten müssen und den Abholtermin nicht halten können. Alle Reparaturen werden so im Vorfeld für den Kunden transparent und nachvollziehbar besprochen, dadurch gibt es bei der Abholung keine bösen Überraschungen.

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Machen das jetzt die Kfz-Mechaniker, wenn Sie nicht ausgelastet sind oder wie muss man sich das vorstellen?

Bei uns schrauben keine Kfz-Mechaniker an Fahrrädern. Nicht umsonst dauert die Ausbildung zum Zweiradmechaniker 3,5 Jahre! Wir arbeiten nur mit voll ausgebildeten Zweirad-Fachkräften und jede Werkstatt wird von einem Zweiradmechanikermeister geleitet. Das Konzept wird auch zunächst nur an bestimmten Standorten umgesetzt. An diesen Locations bauen wir das qualifizierte Zweirad-Team auf, bilden es weiter und optimieren fortlaufend alle Prozesse.

Wie muss ich mir so einen Standort vorstellen?

Wir verfügen bei ATU mit 531 Filialen in Deutschland über die notwendige Infrastruktur, ein deutschlandweites Netz zu etablieren, es sind jedoch nicht alle Standorte für eine Fahrradwerkstatt geeignet. Viele liegen aber in Städten mit hohem Anteil an Radfahrern und dementsprechender Nachfrage, sind einfach mit dem Rad, dem ÖPNV und dem Auto zu erreichen und haben auch die räumlichen Möglichkeiten.

In München läuft die Pilotwerkstatt gut an. Wir haben den Werkstattraum mit einem neuen Kautschukboden ausgelegt, haben natürlich eine komplett neue Werkstatteinrichtung, modernste elektrische Montageständer und jedes Spezialwerkzeug, das man braucht. Es wurde vieles ausprobiert, was Equipment und Betriebsstoffe angeht und ein ideales Setup definiert.

Schließlich haben wir als Team auch stark an den Prozessen gearbeitet, um für den Kunden schneller und besser zu sein als die konventionelle Werkstatt. Denn hier steckt mit ATU ein Werkstatt-Profi dahinter, der weiß, wie man so etwas angeht und wir bringen das Fahrrad-spezifische Know-how ein.

# Flo1 RD

Also, der Pilot in Moosach läuft bereits. Wie erreicht ihr eure Kunden?

Wir gehen das Thema von 2 Seiten an. Zum einen machen wir lokal Werbung am Standort, um Kunden direkt anzusprechen. Wir bieten zum anderen aber auch bestimmten Online-Shops und Direktversendern strategische Servicepartnerschaften an. Deren Kunden können sich ihr Rad endmontiert bei uns abholen – und bekommen dazu noch eine qualifizierte Einweisung.

Der Kunde hat den vorteilhaften Online-Preis, muss das Rad nicht selbst annehmen und aufbauen und hat außerdem noch eine verlässliche Werkstatt, an die er sich mit allen Problemen wenden kann. Und der Online-Verkäufer muss sich nicht sorgen, dass ihm der stationäre Handel den Kunden abspenstig macht.

Das bedeutet, selber verkauft ihr gar keine Räder mehr?

Aktuell nicht – aber man soll niemals nie sagen ;). Unser Schwerpunkt liegt schon immer im Service und deswegen haben wir mit unseren Partnern ein hybrides Modell erarbeitet, das es erlaubt, das Traumrad im Online-Shop zu bestellen, aber mit Übergabe und Einweisung durch unser Fachpersonal. Die Resonanz von potenziellen Partnern ist bereits sehr positiv.

Wir sind mit fahrrad.de gestartet und freuen uns sehr, dass wir jetzt Fahrrad-XXL für eine Servicepartnerschaft gewinnen konnten. Zudem sind wir aktuell in Verhandlungen mit diversen großen Direktversendern sowie einigen kleineren, vielversprechenden Brands. Wir arbeiten aber auch sehr konstruktiv mit nahezu allen Anbietern von Rad-Leasing zusammen.

# BS Werkstatt
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Klingt alles sehr durchdacht. Das heißt, ihr werdet kurzfristig in ganz Deutschland Fuß fassen?

Ganz so schnell geht es nicht. Wir erarbeiten aktuell noch ein Netz von strategischen Punkten in Deutschland, an denen wir Werkstätten eröffnen. Unsere größte Herausforderung ist es jedoch, geeignetes Personal zu finden. Wir sind permanent auf der Suche nach engagierten Zweiradmeistern, Zweiradmechanikern und Zweiradmechatronikern. Selbstverständlich weiblich, männlich und divers. Wir bieten die Start-up-Mentalität mit Möglichkeiten zur Mitgestaltung und gleichzeitig die Professionalität und Sicherheit eines großen Unternehmens.

Es gibt extrem flexible Arbeitszeitmodelle, pünktliche Gehaltszahlungen und moderne Arbeitsumgebungen mit einer Ausstattung, bei der jeder Fahrradschrauber ins Schwärmen kommt. Wer bei uns schraubt, kann sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren, ohne ständige Unterbrechungen durch Kundengespräche. Wer sich hier gut anstellt, kann übrigens auch Karriere machen und mit uns zusammen wachsen.

In der Tat ist es uns wichtig, dass sich der Mitarbeiter weiter entwickeln kann und wir bieten ihm eine Menge Benefits, die im traditionellen Fahrradfachhandel eher ungewöhnlich sind. Zum Beispiel haben wir extrem flexible Arbeitszeitmodelle, ziemlich coole Arbeitskleidung, die ATU auch wäscht und bieten neben einem Jobrad auch spezielle Rabatte auf Rad- und PKW-Services sowie zusätzliche Benefits wie Rabatte im Fitnessstudio oder beim Handyvertrag.

Und wo sucht ihr genau Personal?

Rüdiger: Aktuell bauen wir Teams auf für die Standorte Stuttgart Wangen, Dortmund Fredenbaum und Leipzig Großzschocher. Für 2024 stehen zuerst die Städte Hamburg, Berlin, Freiburg, Hannover, Köln, Düsseldorf und Nürnberg auf der Agenda.

Wer sich also angesprochen fühlt und Lust hat, mit uns was Großes aufzubauen, gerne unter karriere.atu.de bewerben oder einfach Flo eine Instagram-Nachricht schicken.

Flo: Meine Inbox wird explodieren!

Rüdiger: Na hoffentlich.

Rüdiger, Flo, das klingt alles super interessant und wir sind gespannt darauf, wie sich ATU in der Fahrrad-Branche etablieren wird. Vielen Dank für das Gespräch und euch viel Erfolg.

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