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„Operation Aderlass“ – MTB-Fahrerin Kollmann-Forstner: Doping sei „Gang und Gäbe“

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Sitzungssaal 1/2 in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Elfter Verhandlungstag im Prozess gegen den Erfurter Mediziner Mark Schmidt. Die geladene Zeugin heißt Christina Kollmann-Forstner, ehemalige Vize-Weltmeisterin im MTB-Marathon, Europameisterin, zweimalige österreichische Meisterin. Ihre Aussagen vor Gericht verdeutlichen einerseits die kriminellen Machenschaften des Sportarztes Mark Schmidt, andererseits erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die MTB-Weltspitze im Marathon.

Am vergangenen Dienstag wurde Christina Kollmann-Forstner als Zeugin im Prozess gegen Mark Schmidt gehört, der unter dem Titel „Operation Aderlass“ seit geraumer Zeit in den Medien thematisiert wird. Die Praktiken von Schmidt waren bizarr und zugleich auch pervers. Der Mediziner hat inzwischen gestanden über mehrere Jahre ein Dopingnetzwerk um sich herum aufgebaut zu haben – aus „Liebe zum Sport“, wie unter anderem der Bayrische Rundfunk berichtete.

Nun kam also Kollmann-Forstner zu Wort und bestätigte die Praktiken des Arztes, dessen Intention es war, den Sportlern ein „Angebot hoher Qualität“ zu bieten, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Kollmann-Forstner war dem Bericht zufolge seit 2016 Kundin bei Schmidt. 5.000 bis 7.000 Euro zahlte sie jährlich dafür, der Spiegel berichtet von 12.000 bis 15.000 Euro insgesamt. Am 13. September 2017 bot Schmidt an ein neues Präparat an ihr zu testen. Die Rede ist von Erythrozyten – rote Blutkörperchen in getrockneter Form. Informationen zu diesem Präparat gab es wenige, es sollte die Blutentnahmen und Zufuhren ersetzen, berichtete Kollmann-Forstner vor Gericht. Die Österreicherin habe dem Arzt vertraut, der ihr gegenüber bestätigte, dass das Produkt aus Amerika komme und „schon an anderen Sportlern getestet wurde“. Passieren könne ihr nichts, versicherte der Mediziner, der laut Spiegel das Präparat mit Natriumchlorid mischte und mit einer Spritze der Sportlerin zuführte.

Kollmann-Forstners Körper reagierte jedoch deutlich auf dieses Produkt. Nach 20 Minuten sei ihr kalt geworden und die Finger und Zehen seien weiß angelaufen. Ihr Urin war anschließend rot eingefärbt gewesen. Als eine „allergische Reaktion“ bezeichnete die ehemalige Mountainbikerin dies vor der Richterin. Unter anderem aufgrund dieser Erkenntnisse wirft die Münchner Staatsanwaltschaft Mark Schmidt auch gefährliche Körperverletzung vor.

Nichtdestotrotz führte die Österreicherin die Zusammenarbeit mit Schmidt weiter, ohne auf die getrockneten Blutblättchen zurückzugreifen. Mit Wachstumshormonen und Eigenblutdoping steigerte die Europameisterin von 2017 (Titel inzwischen aberkannt) ihre Leistung. Rund 20 Watt mehr konnte sie durch diese unerlaubte Leistungssteigerung treten, erklärte sie vor Gericht.

Dopingkontrollen fürchtete Kollmann-Forstner hingegen nicht. In zwei Jahren musste sie nur zweimal zum Test antreten und das lediglich bei den Großereignissen WM und EM. „Da haben sie natürlich nichts gefunden“, sagte die 32-Jährige aus, da lediglich Urinproben entnommen wurden und keine Blutproben. „Nur Urintests. Die Chance, dabei irgendwas zu finden, ist gleich null“, wird sie vom Spiegel zitiert. Aufgeflogen ist Kollmann-Forstner Mitte 2019, als sie von Schmidt als Kundin genannt wurde, worauf das BKA Wien entsprechende Ermittlungen einleitete. Die Österreicherin wurde rückwirkend für vier Jahre bis zum 27. Mai 2023 gesperrt, ihre gewonnen Titel seit November 2016 wurden aberkannt und das Preisgeld in Höhe von 42.000 Euro muss sie zurückzahlen. Außerdem wurde von der österreichischen Justiz eine Bewährungsstrafe gegen sie verhängt.

Anschuldigungen gegen die Marathon-Weltspitze

Die Österreicherin tätigte jedoch weitere brisante Aussagen vor Gericht und erhob dabei schwere Anschuldigungen gegen die Weltspitze im Marathon. Wenn man ganz vorne dabei sein wolle, habe man keine andere Chance als zu dopen, werden Aussagen der Österreicherin im Spiegel wiedergegeben. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, seien laut Kollmann-Forstner neun von zehn der Top-Athletinnen bzw. Athleten schon gesperrt gewesen oder säßen noch eine Sperre ab – zu dem Zeitpunkt als sie in die Weltspitze vordrang. Eine Behauptung, die auf ihre aktive Zeit jedoch wohl nicht zutrifft. Vereinzelte positive Dopingfälle, die im Nachhinein mit unterschiedlichen Urteilen geahndet wurden wie beispielsweise der von der Slowenin Blaza Pintaric, die 2015 überführt wurde, die der Südafrikaner Max Knox (2018) und Kevin Evans (2016) oder der des ehemaligen Marathon-Europameisters Alexej Medvedev (2017) gibt es im MTB-Sport zu verzeichnen. Nichtdestotrotz ist entgegen der Behauptungen Kollmann-Forstners eine derartige Vielzahl von potentiellen Top 10-Fahrerinnen oder -Fahrern auf der Liste der gesperrten Athleten der UCI aktuell und auch in der Vergangenheit nicht zu finden bzw. zu finden gewesen.

Quellen: Spiegel Online | Süddeutsche Zeitung

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