Canyon Lux im Test: The Fast & the Furious
Canyon Lux im Test: Ein Rad mit Erfolgsgarantie? Die Bilanz des vor zwei Jahren vorgestellten, vollgefederten Rennboliden aus Koblenz kann sich sehen lassen: Zwei Weltmeistertitel durch die Französin Pauline Ferrand-Prevot, ein Europameistertitel durch den niederländischen Superstar Mathieu van der Poel und eine ganze Reihe an World Cup-Erfolgen unter anderem durch das deutsche Nachwuchstalent Ronja Eibl stehen für eine der erfolgreichsten Bilanzen eines Racefullies im Rennzirkus. Was macht das Canyon Lux so erfolgreich?
Steckbrief: Canyon Lux
| Einsatzbereich | Cross Country |
|---|---|
| Federweg | 100 mm/100 mm |
| Laufradgröße | 29ʺ |
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Gewicht (o. Pedale) | 10,3 kg |
| Rahmengrößen | S, M, L, XL (im Test: L) |
| Website | www.canyon.com |
Mit der Vorstellung des Canyon Lux vor zwei Jahren begann zunehmend der Stern von Mathieu van der Poel im MTB-Bereich aufzugehen. War das niederländische Allround-Talent zuvor nur wenig im World Cup-Zirkus unterwegs, arbeitete sich van der Poel Stück für Stück näher an die Dominanz des mehrfachen Weltmeisters Nino Schurter heran, um ihn dann im vergangenen Jahr mehrfach eindrucksvoll zu entthronen.
Dauerhafter Begleiter bei den Erfolgen des Niederländers war stets das Canyon Lux: Trotz oder gerade aufgrund einer tendenziell konservativ ausgerichteten Geometrie scheint das Bike mit 100 mm Federweg eines der schnellsten Racefullies auf dem Markt zu sein. Der Canyon-typische Ansatz eines Drei-Phasen-Federverhaltens des Fahrwerks, welcher auch bei anderen Modellen des Versenders aus Koblenz wiederzufinden ist, soll dabei eine entscheidende Rolle spielen. Darüber hinaus ist das Canyon Lux eines der wenigen Cross-Country-Racebikes auf dem Markt, welches in der Austattungsversion von Mathieu van der Poel, Ronja Eibl und ihren Teamkollegen vom Alpecin-Fenix-Team standardmäßig mit einer absenkbaren Sattelstütze ausgeliefert wird. Ein Streitpunkt in der XC-Szene, der unter Rennfahrern sowohl Befürworter als auch Gegner besitzt.
Geometrie
Bereits seit 2019 verfügbar, zählt das Lux auf dem Markt der Racefullies zu den „erfahrenen und erprobten“ Renngeräten: So verwundert es auch kaum, dass die Geometrie-Daten des Racebikes im Vergleich zu jüngeren und progessiver anmutenden Rädern als klassisches Konzept mit dem Fokus auf ein spritziges und wendiges Fahrverhalten bezeichnet werden können. Konkret bedeutet dies, dass das Canyon mit einem Wert von 70° einen recht steilen Lenkwinkel besitzt und der Stack bei einem moderaten Reach (455 mm in Größe L) verhältnismäßig hoch ist. Dadurch besitzt das Lux in der Rahmengröße L einen kürzeren Radstand als viele vergleichbare Räder auf dem Markt.
Nichtsdestotrotz sollte die Rennfeile keineswegs als antiquiert eingestuft werden: Moderne Werte bei der Länge der Kettenstreben (435 mm) und beim Sitzwinkel (74,5°) könnten für ein ausgesprochen agiles und antrittsfreudiges Verhalten des Fullies sorgen. Zudem spricht die Erfahrung der Canyon-Athleten, die bei der Entwicklung des Rades maßgeblich beteiligt waren, und deren Erfolgsgeschichten für sich: Immer wieder überzeugen Bikes in der Test-Praxis, die auf dem Papier nicht so modern erscheinen – so auch das Canyon Lux?
| Rahmengröße | S | M | L | XL |
|---|---|---|---|---|
| Laufradgröße | 29″ | 29″ | 29″ | 29″ |
| Federweg (hinten) | 100 mm | 100 mm | 100 mm | 100 mm |
| Federweg (vorn) | 100 mm | 100 mm | 100 mm | 100 mm |
| Sitzrohr | 425 mm | 465 mm | 505 mm | 545 mm |
| Überstandshöhe | 786 mm | 789 mm | 796 mm | 811 mm |
| Radstand | 1.102 mm | 1.126 mm | 1.151 mm | 1.179 mm |
| Lenkwinkel | 70° | 70° | 70° | 70° |
| Tretlagerabsenkung | 38 mm | 38 mm | 38 mm | 38 mm |
| Sitzwinkel, effektiv | 74,5° | 74,5° | 74,5° | 74,5° |
| Steuerrohr | 90 mm | 100 mm | 115 mm | 140 mm |
| Einbauhöhe Gabel | 504 mm | 504 mm | 504 mm | 504 mm |
| Gabel-Offset | 44 mm | 44 mm | 44 mm | 44 mm |
| Kettenstreben | 435 mm | 435 mm | 435 mm | 435 mm |
| Oberrohr | 576 mm | 599 mm | 623 mm | 649 mm |
| Reach | 415 mm | 435 mm | 455 mm | 475 mm |
| Stack | 582 mm | 591 mm | 605 mm | 629 mm |
| STR | 1,40 | 1,36 | 1,33 | 1,32 |
Ausstattung
Was Mathieu van der Poel, Ronja Eibl und Co. schnell macht, hilft auch Hobbyfahrern bei der Jagd nach Bestzeiten? Wenn es nach den Produktmanagern von Canyon geht, dann ist dies der Fall: Denn die Team-Replika-Version, das Canyon Lux CF SLX 9.0 Team, entspricht fast komplett dem Rad, mit dem das Alpecin-Fenix-Team stets im Gelände unterwegs ist. Da Canyon inzwischen die Modelle für das kommende Jahr vorgestellt hat, ist das getestete Bike nicht mehr in der exakt selben Variante erhältlich und die Profis sind dementsprechend auf den upgedateten Rädern unterwegs. Nichtsdestotrotz ähnelt unser Canyon Lux CF SLX 9.0 Team in Bezug auf die Ausstattung in weiten Teilen dem Modell für das Jahr 2021 und bietet daher eine gute Referenz zu dem Rad, mit dem die Pros im kommenden Jahr auf Podiumsjagd gehen.
Dementsprechend orientiert sich die Ausstattung des Testrads in vielen Bereichen an den Sponsoren des Alpecin-Fenix-Teams: Antriebskomponenten und Bremsen stammen mit Ausnahme der Kurbel von Shimanos Top-Gruppe XTR. Dämpfer und Federgabel kommen aus dem Hause Fox. Wie bei fast allen Rädern im Cross-Country-Rennsport kann beim Lux lediglich ein Kettenblatt montiert werden, das standardmäßig 34 Zähne umfasst und mit einer 10–51-Übersetzung der Kassette harmonieren soll.
Lenker und Vorbau entspringen der eigenen Koblenzer Entwicklung – leichte DT Swiss XRC 1200-Carbon-Läufräder sollen zudem das Gewicht drücken. Bei den Reifen setzt Canyon einmal mehr auf einen Sponsor der Alpecin-Fenix-Equipe – das Lux CF SLX 9.0 Team rollt auf den schnellen Maxxis Aspen-Pneus. Weiteres Feature am Lux: Eine absenkbare Sattelstütze! Immer wieder werden in der Szene Vor- und Nachteile von Variostützen diskutiert. Auch hier spielt dieses Anbauteil eine entscheidende Rolle, die an späterer Stelle ausführlich erörtert wird. Konkret wurde am getesteten Lux CF SLX 9.0 Team das Modell Lev CI von Kind Shock mit 100 mm Hub verbaut – die 2021er Räder sind alle mit den neuen DT Swiss-Sattelstützen mit 60 mm Hub ausgestattet.
- Federgabel Fox 32 Stepcast Factory Remote (100 mm)
- Dämpfer Fox Float DPS Factory Remote (100 mm)
- Antrieb Shimano XTR
- Bremsen Shimano XTR
- Laufräder DT Swiss XRC 1200
- Reifen Maxxis Aspen 2,25″
- Cockpit Canyon H20 Carbon Flatbar (720 mm) / Canyon V14 (80 mm)
- Sattelstütze Kind Shock Lev CI (100 mm)
| Lux CF SLX 9.0 Team | |
|---|---|
| Rahmen | Lux CF SLX |
| Federgabel | FOX 32 SC Factory 100 |
| Dämpfer | FOX Float DPS Factory RMT |
| Antrieb | Shimano XTR |
| Bremse | Shimano XTR |
| Laufräder | DT Swiss XRC1200 |
| Innenweite Felge | 22,5 mm |
| Reifen | Maxxis Aspen TR + EXO (vorne), Maxxis Aspen TR + EXO (hinten) |
| Übersetzung | 34 | 10-51 |
| Cockpit | Canyon V14 | Canyon H20 Flatbar Carbon |
| Sattel | Selle Italia SLR Lite |
| Sattelstütze | KindShocks LEV Carbon 100 |
| Farben | Team Replica |
| Größen | S, M, L, XL |
| Gewicht (Größe M) | 10,2 kg |
| Preis | 6.339 Euro (damalige UVP) |
Mit der Bitte um Beachtung: Angesichts der Mehrwertsteuersenkung im Jahr 2020 in Deutschland können die aufgeführten Preise von zukünftigen Preisen abweichen.
| Lux CF SLX 9 | Lux CF SLX 9 Team | Lux CF SLX 9 LTD | |
|---|---|---|---|
| Rahmen | Lux CF SLX | Lux CF SLX | Lux CF SLX |
| Antrieb | SRAM XX1 Eagle (10-52) | Shimano XTR (10-51) | SRAM XX1 Eagle eTap AXS (10-52) |
| Federgabel | RockShox SID SL Select+ 100 | Fox 32 SC Factory 100 | RockShox SID SL Ultimate 100 |
| Dämpfer | RockShox SID Luxe Select RMT | Fox Float DPS Factory RMT | RockShox SID Luxe Ultimate RMT |
| Bremse | SRAM Level TLM FM | Shimano XTR FM | SRAM Level Ultimate FM |
| Laufräder | DT Swiss XRC1501 (30mm) | DT Swiss XRC1200 (30mm) | Reynolds Black Label (30/28mm) |
| Reifen | Vorne: Maxxis Ikon 2.35 TR+EXO; Hinten: Maxxis Aspen 2.25 TR+EXO | Vorne: Maxxis Ikon 2.35 TR+EXO; Hinten: Maxxis Aspen 2.25 TR+EXO | Vorne: Maxxis Ikon 2.35 TR+EXO; Hinten: Maxxis Aspen 2.25 TR+EXO |
| Kurbel | SRAM XX1 Eagle DUB DM (34T) | Race Face Next SL G5 (34T) | SRAM XX1 Eagle DUB DM (34T) |
| Cockpit | CP0008 XC Cockpit (740mm) | CP0008 XC Cockpit (740mm) | CP0008 XC Cockpit (740mm) |
| Sattel | Selle Italia SLR BOOST | Selle Italia SLR BOOST Kit Carbonio | Selle Italia SLR BOOST Kit Carbonio |
| Sattelstütze | DT Swiss D232 | DT Swiss D232 One | DT Swiss D232 One |
| Farben | Stealth, Rapid Red | Team | Eclipse White |
| Größen | XS ‑ XL | XS ‑ XL | XS ‑ XL |
| Gewicht | 10,71 kg (Größe M, Herstellerangabe) | 10,22 kg (Größe M, Herstellerangabe) | 10,13 kg (Größe M, Herstellerangabe) |
| Preis | 4.869 € | 6.039 € | 6.819 € |
Mit der Bitte um Beachtung: Angesichts der Mehrwertsteuersenkung im Jahr 2020 in Deutschland können die aufgeführten Preise von zukünftigen Preisen abweichen.
| Lux CF 6 | Lux CF 7 | Lux CF 7 WMN | Lux CF 8 | |
|---|---|---|---|---|
| Rahmen | Lux CF SL | Lux CF SL | Lux CF SL | Lux CF SL |
| Antrieb | SRAM NX Eagle (10-50) | Shimano XT (SLX 10-51) | Shimano XT (SLX 10-51) | SRAM X01 Eagle (10-52) |
| Federgabel | RockShox SID Select 110 | Fox 34 SC Perf. Elite 110 | Fox 34 SC Perf. Elite 110 | RockShox SID Select+ 110 |
| Dämpfer | RockShox SID Luxe Select RMT | Fox Float DPS Perf. Elite RMT | Fox Float DPS Perf. Elite RMT | RockShox SID Luxe Select RMT |
| Bremse | SRAM Level TL | Shimano XT FM | Shimano XT FM | SRAM Level TLM FM |
| Laufräder | DT Swiss X1900 (25mm) | DT Swiss XR1700 (25mm) | DT Swiss XR1700 (25mm) | Reynolds TR289/309c XC (30/28mm) |
| Reifen | Vorne: Maxxis Ikon 2.35 TR+EXO; Hinten: Maxxis Aspen 2.25 TR+EXO | Vorne: Maxxis Ikon 2.35 TR+EXO; Hinten: Maxxis Aspen 2.25 TR+EXO | Vorne: Schwalbe Racing Ray 2.25 SpdGrp Tanwall; Hinten: Schwalbe Racing Ralph 2.25 Spd Tanwall | Vorne: Maxxis Ikon 2.35 TR+EXO; Hinten: Maxxis Aspen 2.25 TR+EXO |
| Kurbel | SRAM Stylo 6k DM (34T) | Shimano XT (34T) | Shimano XT (32T) | SRAM Stylo Carbon DUB DM (34T) |
| Cockpit | Race Face Ride (740mm) | Race Face Ride (740mm) | Race Face Ride (720mm) | Race Face Ride (740mm) |
| Sattel | Selle Italia Model X BOOST | Selle Italia Model X BOOST | Selle Italia SLS Lady Flow | Selle Italia Model SLR BOOST |
| Sattelstütze | DT Swiss D232 | DT Swiss D232 | DT Swiss D232 | DT Swiss D232 |
| Farben | Race Black, Rapid Red | Race Black, Team | Unicorn White | Race Black, Rapid Red |
| Größen | XS ‑ XL | XS ‑ XL | XS ‑ XL | XS ‑ XL |
| Gewicht | 12,11 kg (Größe M, Herstellerangabe) | 11,94 kg (Größe M, Herstellerangabe) | 11,78 kg (Größe M, Herstellerangabe) | 11,64 kg (Größe M, Herstellerangabe) |
| Preis | 2.919 € | 3.509 € | 3.509 € | 3.899 € |
Im Detail
Ein unbekanntes Bike ist das Canyon Lux, das in der heutigen Form erstmals 2018 vorgestellt wurde, keineswegs mehr. Die charakteristische Rahmenform des Koblenzer Erfolgsgaranten dürfte sich inzwischen fast jedem ambitionierten XC-Fan ins Gedächtnis eingeprägt haben. Doch was macht das Lux so speziell?
Im Vergleich zum Vorgängermodell haben die Ingenieure im Hause Canyon vor allem den Hinterbau einmal komplett auf links gedreht. Eine horizontale Anordnung des Dämpfers ermöglicht die Unterbringung von zwei großen Trinkflaschen im Rahmendreieck sowie eine neue Rahmenkinematik. Durch das „Triple Phase Suspension“-Konzept soll das Fahrwerk auf maximale Effizienz getrimmt worden sein, was sich vereinfacht wie folgt vorstellen lässt: Während eines Kompressionsvorgangs durchläuft der Hinterbau drei Phasen – eine sensible, eine lineare und eine progressive. In der ersten Phase arbeitet der Hinterbau sehr feinfühlig und soll Unebenheiten gekonnt wegbügeln, bevor die Kennlinie im mittleren Teil des Federwegs eine lineare Form annimmt. Zu guter Letzt geht der Hinterbau in eine progressive Phase über, die selbst äußerst harte Schläge abfangen sollte, ehe der Dämpfer im Worst-Case-Szenario durchschlägt – aber selbst in diesem Fall ließe sich durch einen größeren Volumenspacer noch mehr Endprogression aus dem Federbein kitzeln.
Laut Canyon gehen weitere positive Nebeneffekte durch das überarbeitete Konzept einher: Aufgrund der horizontalen Anordnung des Dämpfers und einer nahezu geradlinigen Krafteinleitung von den Sitzstreben ins Federbein werden die Lager geringer belastet, welche somit langlebiger und wartungsärmer sein sollen. Reibungsverluste können durch die liegende Position des Dämpfers zudem stark reduziert werden, weshalb der Federweg in Kombination mit dem „Triple Phase Suspension“-Konzept effizienter genutzt werden soll.
Ein Blick aufs Gewicht verrät, dass das Lux mit seinen 1.676 g Rahmengewicht (Größe M, ohne Dämpfer, Herstellerangabe) im Vergleich zu ähnlichen Bikes dieser Preisklasse absolut konkurrenzfähig daherkommt und zudem deutlich weniger Gewicht auf die Waage bringt als der Vorgänger. Umgesetzt wurde dies von den Koblenzer Ingenieuren durch die Konstruktion des Hinterbaus, die weniger Material erfordert als das Lux aus dem Jahr 2013, sowie cleveren Detaillösungen, wie zum Beispiel der leichten und zugleich robusten Wippe. Der Rahmen wird 2021 auch weiterhin als CF SLX-, beziehungsweise CF SL-Variante verfügbar sein. Beim Hardtail Exceed präsentierte Canyon vor geraumer Zeit die CFR-Carbon-Technologie, die mit „Einhornhaar“-Fasern auftrumpft und das Gesamtgewicht des Racehardtails noch weiter drücken konnte. Ob diese Technologie in absehbarer Zeit auch beim Lux zu sehen sein wird, ist seitens des Herstellers bislang noch nicht bestätigt. Es würde allerdings verwundern, wenn Canyon diese Entwicklungsarbeit nicht auf ein zukünftiges Lux ummünzen würde.
Eine Reihe Canyon-typischer Detaillösungen sind selbstverständlich auch an unserem Testrad zu finden. Die praktische Quixle-Steckachse, eine minimalistische Kettenführung, ein leichter Kettenstrebenschutz sowie die Impact Protection Unit (IPU) sind praktische Parts, die in jeglicher Hinsicht auf dem Trail überzeugen dürften. Die Leitungen sind zudem branchenüblich im Rahmen verlegt. Auf ein Gelenk zwischen Ketten- und Sitzstrebe wurde ebenso verzichtet.

