Eberbach: Am "Runden Tisch Jugend" geht’s kaum voran
Von Christofer Menges
Eberbach. Vorige Woche hat nach der Corona-Pause der runde Tisch zur Jugendbeteiligung wieder getagt. Ergebnis: keins. Informationen zur Arbeit des runden Tischs gibt es immerhin seit einem Jahr online über den Instagram-Account jugend.ebb. Nur geht kaum etwas voran – und das liegt nicht nur an Corona.
Neubau eines Jugendzentrums, neuer Skaterpark, Wiederbelebung der kleinen Radcrossanlage, des sogenannten Dirtparks am Handballerheim. Party im Depot, Sportgeräteparcours: Seit im Januar 2017 die Eberbacher Jugend zu mehr Mitsprache und Teilhabe an der Politik aufgefordert wurde, wurden schon etliche Themen diskutiert. Von damals 956 13- bis 18-Jährigen in Eberbach hatten sich bei einer Umfrage 46 bereit erklärt, Ideen einzubringen und 29 ihre Absicht bekundet, in einem Jugendgemeinderat oder einem anderen Gremium mitzuarbeiten.
Seither tagt im Drei-Monats-Turnus der "runde Tisch für Jugendbeteiligung", eine Runde zwar mit Tagesordnung, aber ohne feste Regeln, in der sich junge Eberbacher, Verwaltungsleute und Stadträte austauschen können. Nur redet meistens die Verwaltung – so auch am vorigen Montag mit in Reihen aufgestellten Tischen in der wegen Corona zum Gemeinderatssaal umfunktionierten Stadthalle.
Ein Dutzend junge Leute, Bürgermeister, Hauptamtsleiterin, Bauamtsleiter, Jugendsachbearbeiter, dazu sechs Stadträte, die das Durchschnittsalter in die Höhe heben. Es geht um den Instagram-Account jugend.ebb: Der wird von Johanna Walz quasi als Alleinunterhalterin gefüttert. Ihr zufolge liegt die Reichweite zwischen 110 und 300 Leuten. Über den Instagram-Account sollen parallel zu klassischen Medien vor allem die Jüngeren angesprochen werden. Walz hat dazu schon Werbung in den Schulen gemacht. Vor den Sitzungen des runden Tischs stellt sie die Themen online.
Wie lange sie das noch macht, ist ungewiss: "Ich werde dann jetzt auch 18 und gehe vielleicht woanders hin studieren", sagt sie. Es mangele bei der Jugendarbeit an "Nachschub". In Corona-Zeiten sei es nicht einfacher geworden, junge Leute für die Mitarbeit zu gewinnen. Und es gehe "schon langsam voran", sagt sie: "Es passiert schon was, aber es gibt sehr viele Hürden", etwa wenn es um die Finanzierung oder Bauprojekte gehe.
Das wird an neuem Jugendzentrum, Skaterpark, Dirtpark, Pumptrack deutlich. Darüber wird seit Jahren diskutiert. Der Pumptrack – eine Skaterpark-ähnliche BMX-Radstrecke, auf der nicht in die Pedale getreten, sondern über Buckel, Rampen und Schanzen Schwung geholt wird – ist eine relativ neue Idee.
Der kommissarische Bauamtsleiter Karl Emig sieht das Sanierungsgebiet Güterbahnhofstraße als geeigneten Ort für eine neues JuZ und den Skaterpark, direkt neben dem Kulturzentrum Depot 15/7. Das ist aber auch Bestandteil der derzeit unter www.eberbach.de laufenden Umfrage zur Stadtentwicklung, mit der die Wüstenrot GmbH beauftragt wurde. Das Stadtentwicklungskonzept soll zum Jahresende fertig sein. Bis dann ein neuer Skaterpark oder ein neues JuZ steht, kann es noch dauern. Wo ein Pumptrack besser aufgehoben ist – am Skaterpark oder am Dirtpark – darüber scheint sich die Verwaltung noch uneins.
Das Konzept für ein neues JuZ dürfte Emig zufolge kaum vorm neuen Jahr offengelegt werden. "Wir sind ab Mitte März von Corona abgeschossen worden", begründet der kommissarische Bauamtsleiter, warum das Verfahren noch nicht wesentlich vorangekommen zu sein scheint. In den Gemeinderat muss das Thema selbstverständlich auch noch.
Bürgermeister Peter Reichert bringt als weiteres Thema die Sauberkeit am Bahnhof ins Spiel und bittet darum, "Themen für die Sitzungen zu melden".
Der geplante Bericht der am runden Tisch beteiligten jungen Leute im Gemeinderat wird verschoben. Sommerpause, Septembersitzung voll, Oktober Bürgermeisterwahl, November voll. "Dezember" schlägt Hauptamtsleiterin Anke Steck vor. Stadtrat Udo Geilsdörfer (Freie Wähler) hätte diesen Bericht gerne zusammen mit dem Bericht des von der Stadt mit der Jugendarbeit beauftragten Postillion-Vereins, der auch das Jugendzentrum im Dr.-Weiß-Schulkeller betreibt.
"Die Jugend möchte jetzt mal was sehen", hatte SPD-Stadtrat Klaus Eiermann schon im September vorigen Jahres gefordert. Nach mehr als drei Jahren ist außer dem Depot, das aber eher kulturellen Zwecken als der Jugendförderung dient und schon viel länger geplant war, kaum etwas zu sehen. Wer vor drei Jahren eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten begonnen hätte, wäre noch vor Corona seit Anfang dieses Jahres damit fertig.

