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The Great Canadian Adventure – Teil 4: Silverstar, Crankworx und Big White

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Im vierten Teil des Kanada-Abenteuers von Jessie und Max geht es nach Silverstar, zum Crankworx Whistler und nach Big White. Neben besten Trails, großartiger Mountainbike-Action und dem wohl schönsten Campingspot der Welt gilt es, auch mit einigen Fahrzeug-Problemen klarzukommen. Viel Spaß bei Wort und Bild!

Mit dem Coast Gravity Park, Whistler und Sun Peaks haben wir inzwischen drei doch sehr unterschiedliche Ansätze in auch landschaftlich sehr unterschiedlichen Gegenden kennengelernt. Neugierig und hungrig nach mehr verlassen wir nun Sun Peaks und fahren durch Kamloops hindurch weiter nach Süden, denn das nächste Kapitel führt uns zu den beiden großen Resorts im Okanagan Valley – Silverstar und Big White, unterbrochen von Crankworx Whistler.

Doch bevor wir wieder zum Biken kommen, steht erstmal eine laaange Dusche an. Die aufmerksamen Leser des letzten Teils unserer Story erinnern sich, dass wir in Sun Peaks die Möglichkeit genutzt haben, direkt am Fuße des Bikeparks zu campen (super!). Dort gab es zwar sehr große und saubere Waschräume (auch super!) aber eben keine Duschen. An sich erstmal kein Problem – aber nach vier Tagen des Bikens bei hochsommerlichen Temperaturen riecht der Pineapple Express nach allem außer Ananas (nicht so super!). Außerdem steht „Arbeit“ an – die Storys, die ihr hier lest, schreiben sich natürlich nicht von selbst und auch die Bilder wollen sortiert und bearbeitet werden, und langsam müssen wir auch daran denken, unseren geliebten Van wieder zu verkaufen.

Zu diesem Zweck legen wir einige Tage „Pause“ ein und machen es uns auf einem kleinen Campingplatz am Swan Lake, etwas außerhalb von Vernon, gemütlich. Frisch geduscht und mit einer Grundreinigung unseres Vans (Dinge, die man bei #VanLife komischerweise nie sieht) schreibt es sich auch gleich viel besser. Praktischerweise eignet sich der See zudem perfekt als Hintergrund für ein Fotoshooting mit unserer alten Lady zwecks Verkaufsanzeige (unsere Logik: je besser die Bilder, desto höher die Bereitschaft des potentiellen Käufers, mehr zu zahlen).

# Auf dem Weg von Sun Peaks nach Vernon haben wir auch Old MacDonald’s berühmte Farm gefunden!
# Peter Fox träumt vom Haus am See, wir finden einen Van am See allerdings auch nicht schlecht.
# Unsere Lady in voller Pracht beim Verkaufsanzeigen-Fotoshoot.
# Wie sich herausstellt, braucht man gar nicht mehr Platz für ein gechilltes Leben.

Nach zwei Tagen reicht es uns allerdings auch wieder und wir lechzen nach mehr Bike-Zeit. Vorher geht’s aber noch schnell auf Grocery-Shoppingtour nach Vernon, denn Silverstar ist, wie Sun Peaks und Big White, ein für europäische Verhältnisse sehr abgelegenes Resort mit limitierten, aber dafür teuren Einkaufsmöglichkeiten. Mit vollem Kühlschrank und viel Vorfreude geht es dann 40 Minuten den Berg hinauf zum vierten Bikepark unseres Roadtrips.

Silverstar

Da in der Gegend um Silverstar in früheren Zeiten Bergbau betrieben wurde, erwartet uns am Ende der Fahrt, im Gegensatz zu Whistler und Sun Peaks, kein Village im Faux-Alpen-Stil, sondern in einem Faux-Western/Goldgräber-Stil. Wie in Sun Peaks besteht auch in Silverstar die praktische Möglichkeit, direkt auf dem großen Parkplatz neben dem Resort zu campen. Waschräume (und Duschen!) teilt sich die Camping-Area dabei mit dem direkt danebengelegenen Fitnessstudio.

# Mit den Bikes im Van ist es etwas eng, aber wenigstens hat man einen zusätzlichen Flaschenhalter.
# In Silverstar herrscht zur Abwechslung ein Faux-Westernstil.
# Faux-Western oder Faux-Alpen, wir wissen nicht, was besser ist. Silverstar ist jedoch zumindest anders.
# An sich eigentlich nichts anderes als eine funktionale Filmkulisse ...

Also schnell den Van geparkt, Plane gespannt, Vorderräder eingebaut, Ketten geölt und ab geht es in Richtung Bikepark. Im Village selbst schauen wir uns jedoch erstmal verdutzt um. Zwar sehen wir mehrere Lifte, aber keiner davon läuft. Ein Blick auf die Schildtafel bringt des Rätsels Lösung: In Silverstar liegt das Village nicht am Fuße des Berges, sondern in der Mitte. Zum Einstieg in den Bikepark muss man erstmal einen von zwei Trails oder eine breite Forststraße hinab zum Lift fahren. Wir entscheiden uns für die blaue Variante „Blast Off“, die sich mit zahlreichen Berms und einigen kleinen Rollern durch den Wald in Richtung Lift schlängelt.

Schön aufgewärmt am Lift angekommen, finden wir auch hier, trotz Wochenende, keine Liftschlange vor, und sind, dank des schnellen Lifts, in wenigen Minuten an der Spitze des Bikeparks angelangt. Dort herrscht dann erstmal erneut allgemeine Verwirrung, denn man wird von ganzen sieben Trailhubs empfangen. Was wohl dazu gedacht ist, den Verkehr am Gipfel sinnvoll zu verteilen, funktioniert in der Praxis allerdings eher schlecht als recht. Die Trailhubs 2 bis 5 (heißen zwar Trailhubs, sind aber kurze „Zubringer“-Trails) führen alle nach wenigen Metern am Hub 1 (nicht Trailhub 1, der ist wieder ganz wo anders) zusammen. Ignoriert man dieses etwas seltsame System, stellt man auf der Trailmap allerdings fest, dass sich Silverstar mit seinen knapp 20 Downhill-Trails mit über 60 km Länge (plus 70 km XC-Trails, die wir als Tretfaule gepflegt ignorieren) definitiv vor niemandem verstecken muss. Aber taugen die Trails auch?

Nach den eher techlastigen Trails in Sun Peaks sehnen wir uns wieder nach etwas Airtime und finden diese hier auch zuhauf. Mit den blauen Trails „Superstar“, „Jedi Mind Trick“ und „Shazam“ hat Silverstar gleich drei sehr gute Flow-/Jumptrails, die aufsteigend immer etwas schwieriger werden. Mit den Autobahnen, die sich als Flow-Trail getarnt in vielen Parks Europas finden, haben die Trails in Silverstar allerdings nur wenig gemein. Vergleichsweise eng und mit unzähligen Berms muss man ordentlich arbeiten, um den Trailspeed zu finden und zu halten. Wer allerdings gern pusht, findet einen sehr guten Flow und vor allem sehr abwechslungsreiche Trails. Eine Stufe darüber findet sich mit „Rockstar“ ein schwarzer Flow-/Jumptrail, bei dem man hart arbeiten muss (im positiven Sinne), um den Speed für die größeren Tabletops zu packen. Wer noch höher und weiter hinaus will, der wird bei den großen Gaps und Features auf „Walk the Line“ (Double Black) fündig.

# In Silverstar gibt es unglaublich viele Berms ...
# ... und Tables

Auf der technischen Seite der Progression Matrix finden sich mit „L.T.G.„ und „Snake Pit“ nur zwei blaue Trails, wobei Ersterer nichts besonderes und Letzterer der wohl schlechteste Bikeparktrail ist, den wir je gefahren sind. Mit höchstens drei Wurzeln gespickt ist das Technischste auf Snake Pit, vor den flachen und sehr engen Kurven runter zu schalten, um die auf jede Kurve folgenden, kurzen Uphill-Passagen im richtigen Gang zu meistern. Flow oder Spaß kommen da bei uns nicht wirklich auf.

Auf dem schwarzen „World Cup“ sieht das Ganze allerdings schon wieder anders aus. Als Tech-Flow angepriesen, liefert „World Cup“ genau das. Auf jede technische, verblockte Passage folgt (wie in fast jeder Kurve in Silverstar) ein großer, gut gebauter Anlieger, der einen mit Highspeed in den nächsten Sprung oder die nächste technische Passage schickt. Insgesamt war „World Cup“ einer unserer Lieblingstrails – nicht nur in Kanada. Wie generell in den bisherigen Bikeparks in B. C. haben es auch die restlichen schwarzen Tech-Trails in Silverstar ziemlich in sich, sind allerdings auch so gebaut, dass man auch blind immer gut einschätzen kann, was auf einen zukommt. So muss das sein.

# Ein Gewitter und ein platter Reifen am entferntesten Ende des Bikeparks haben uns viel Zeit am letzen Tag (dem Foto-Tag) geraubt
# Haben wir die vielen Anlieger schon erwähnt?

Insgesamt hat uns Silverstar sehr gut gefallen. Im direkten Vergleich zu Sun Peaks treten die verschiedenen Charaktere und Philosophien der Parks gerade bei den blauen Trails recht deutlich hervor. Wo es in Sun Peaks eher anspruchsvoll und kurvenbefreit in der Falllinie bergab geht, findet sich in Silverstar immer ein Anlieger oder Sprung (laut Webseite hat Silverstar tatsächlich über 870!!! gebaute Anlieger und 400 Sprünge). Wer es also eher technisch mag, ist in Sun Peaks besser aufgehoben. Wer auf mehr Airtime und Flow steht, in Silverstar. Am besten nimmt man sich Zeit für beide Parks, denn es lohnt sich wirklich.

Crankworx Whistler

Unser nächstes Bike-Ziel nach Silverstar ist zwar eigentlich Big White, das „nur“ etwas unter zwei Stunden weiter südlich liegt, allerdings können wir uns Crankworx Whistler schlecht bis gar nicht entgehen lassen. So fahren wir zurück nach Whistler, um das ganze Spektakel zur Abwechslung mal real und in Farbe statt am Bildschirm zu erleben. Wieder in Whistler angekommen entschließen wir uns angesichts der seeehr langen Liftschlange dazu, das Geld für die Lifttickets zu sparen und die Atmosphäre und die Wettkämpfe einfach nur als Zuschauer zu genießen, um dafür am Ende unseres Roadtrips nochmal einen längeren Stop in Whistler einzulegen.

In Whistler hat man schon an normalen Sommertagen das Gefühl, dass es bei allem und allen eigentlich nur ums Biken geht. Was dort allerdings während Crankworx los ist, ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Gefühlt ist jeder einzelne (Gravity-)Mountainbiker der Welt in Whistler (bzw. wenn derart viele in Whistler sind, wieviele gibt es dann eigentlich auf der Welt?). Zu sehen, wie groß und divers die Szene unseres geliebten Sports eigentlich ist, ist schon beeindruckend und beschert uns noch im Nachhinein eine wohlige Gänsehaut.

# Whip-Offs.
# Pumptrack.
# Sessellift.
# Joyride.

Weniger beeindruckend sind dafür die Möglichkeiten, die DH-Rennen wie das FOX Air DH die A-Line runter oder das Canadian Open DH zu verfolgen. Was das angeht, sind die Weltcups sowohl vor dem Bildschirm als auch vor Ort um einiges besser. Die kleineren Formate wie Dual Slalom, Pumptrack oder Speed & Style machen hingegen vor Ort richtig Spaß. Und an Joyride kommt eh nichts ran. In einer Menge von über 30.000 anderen Menschen (es gibt wirklich keinen Flecken, an dem niemand steht) Emil Johanssons Siegesrun zu verfolgen, gehört definitiv zu unseren absoluten Sport-Highlights aller Zeiten.

Nach knapp einer Woche, die wir damit verbrachten, anderen beim Biken zuzusehen, ist es dann allerdings auch wieder an der Zeit, selbst das Bein über’s Oberrohr zu schwingen. Deshalb packten wir unsere sieben Sachen wieder in den Pineapple Express und machen uns auf zum jüngsten Bikepark B. C.s: Big White. Da wir allerdings keine sonderlich große Lust darauf haben, fast sechs Stunden durchzufahren, suchen wir auf gut Glück über die WikiCamps-App (gut investierte € 2,50) einen Campingplatz auf halbem Weg in der Nähe von Harrison Hot Springs. Bei dem Namen „Sasquatch Provincial Park“ blieben wir – wie kann es auch anders sein – hängen und folgen der Route unseres Navis brav bis an jenes Ziel.

# Schön war’s in Whistler.
# Über den (immer noch schönen) Sea-to-Sky-Highway ...
# ... durch Vancouver ...
# ... nach Harrison Hot Springs.

Sasquatch Provincial Park

In Harrison Hot Springs angekommen stellen wir dann zu unserer Überraschung fest, dass die asphaltierte Straße zwar endet, der Camping Platz aber noch gut 15 km entfernt ist. Und zwar 15 km auf einer sehr steilen und außerordentlich rauen Dirt Road entfernt. Mit einem Pickup oder 4×4 gar kein Problem, mit einem 35-Jahre alten Van, der uns schon nach der Dirtroad zum Coast Gravity Park liegen geblieben ist, allerdings eher gewagt. Aber egal – wir sind schon so weit gekommen und so folgen wir der steilen Straße am Hang entlang knapp 150 Meter über einem unglaublich schönen See. Nach einer halben Stunde krassen Gehoppses im Schneckentempo auf der schlechten Straße sind wir aber offensichtlich noch immer nicht am Ziel, haben bis jetzt weder Menschen- noch Bärennase gesehen und werden langsam unruhig.

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