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Mountainbiken im hohen Norden Europas: Bike-Trip durch Schweden und Norwegen mit Anjuna, Marco und Anton

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Mountainbiken im hohen Norden Europas mit Anjuna, Marco und Anton zu den schönsten Ecken Skandinaviens. Mit Rädern, Film- und Foto-Equipment ausgestattet, erkunden die drei jegliche Gipfel der Westküste sowie die Wälder Schwedens und Norwegens. Hier gibt’s den spannenden Reisebericht von Anton und ein cooles Video.

Dänemark: Offroad Action, Windräder und die erste Nacht am Meer

Von Mainz beziehungsweise Frankfurt aus geht es für Anjuna und Marco los in Richtung Norden. In Randers in Dänemark, unserem ersten Ziel, stoße ich zu den beiden. Bevor wir uns jedoch auf den weiteren Weg Richtung Schweden begeben, führt uns Jeppe Bob, ein Freund Antons, noch durch die lokale Kiesgrube. Unser Gefährt ist dabei einer der vielen Land Rovers der Familie – definitiv das erste Highlight, mit dem wir absolut nicht gerechnet hätten. Nach der ersten Portion Adrenalin packen wir also auch Sachen in unseren Camping-Bus und machen uns langsam auf den Weg nach Fredrikshavn, von wo aus wir die erste von zahlreichen Fährfahrten antreten wollen. Erst aber brauchen wir noch eine Mütze Schlaf. Ein kurzer Blick auf die Landkarte reicht, um zu sehen, dass wir die erste Nacht am Wasser verbringen werden. Gesagt, getan, parken wir nur wenige Meter entfernt vom Meer, fahren das Faltdach hoch, drehen die Kocher auf und genießen unsere erste gemeinsame Mahlzeit in unserem neuen, temporären Zuhause. Erschöpft von den vielen Eindrücken und der langen Fahrt auf stressigen deutschen Autobahnen fallen wir schnell ins Bett.

Am nächsten Morgen stehen wir bereits um acht Uhr am Fährterminal und unserer Reise geht zum ersten Mal in Richtung Osten. Gefrühstückt wird in der Warteschlange, die Kameras von Anjuna und Marco sind ausgepackt, ich mache für alle was zu essen und bereits nach dem Frühstück sind die zwei schon fleißig am Fotografieren, die Fähre beginnt sich langsam zu füllen. Nach circa vier Stunden Fahrt über die Ostsee kommen wir schließlich in Göteborg an.

# Mit der Fähre geht es nach Göteborg, wo die Reise so richtig beginnt.
Diashow: Mountainbiken im hohen Norden Europas - Bike-Trip durch Schweden und Norwegen mit Anjuna, Marco und Anton
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Schweden: Enduro fahren in der Stadt, Menschenleere Seen und endlose Straßen

Göteborg liegt an der „Westküste“ Schwedens, ähnlich wie im größten Teils Schwedens gibt es auch hier nur minimale Erhebungen. Zufälligerweise hat ein Freund von mir gerade sein Auslandssemester in Göteborg begonnen und so zeigt er uns die von ihm bereits erkundeten Trails, welche übrigens nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt sind. Trotz des maximalen Höhenunterschieds von ungefähr 50 Metern überzeugten die verschiedenen Trails, welche von sehr anspruchsvoll und steil bis flowig und angenehm flach variieren. Es ist also für jeden etwas dabei. Der Eiscremewagen macht sich schon den ganzen Tag über bemerkbar. Ein „Postride-Eis“ ist für uns also unumgänglich und der provisorische Mittagsschlaf in der Hängematte darf auch nicht fehlen.

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Am Abend soll es dann weiter gehen, der Bikepark in Gesunda steht auf der Liste. Aufgrund der frühen Fährfahrt und der ausgedehnten Runde in Göteborg entscheiden wir uns jedoch dafür, die Fahrt zu halbieren und unterwegs einen Zwischenstopp einzulegen. Ohne zu wissen, wie gut die Straßenverhältnisse sind, suche ich einen See auf der Landkarte heraus und nach ein paar hundert Kilometern biegen wir auf eine erstaunlich gut gepflegte Schotterstraße ein – im Laufe des Trips sollten wir feststellen, dass, außer den Hauptverkehrsadern alle Straßen lediglich aus feinem Schotter bestehen und gut gepflegt sind. Die 15-minütige Fahrt führt uns zu einem See, dessen Wasser spiegelglatt ist, ein für uns nie vorher gehörtes Echo besitzt und zu unserem Erstaunen keine einzige Menschenseele aufweist. Wir bleiben also noch den folgenden Tag, Baden in dem angenehm warmen Wasser, beobachten Vögel, Fische und hin und wieder ruft einer von uns irgendeinen Unsinn in den Wald, um das Echo zu hören – zum Glück sind wir alleine.

# An diesem spiegelglatten See schlugen wir unser Lager auf.

Enduro-Rennen in Gesunda… oder auch nicht

Als wir schließlich nachts bei unserem eigentlichen Ziel für die zweite Etappe in Gesunda angekommen sind, verwunderten uns bereits die vielen Autos und Vorzelte auf dem Parkplatz des Bikeparks. Insgeheim habe ich schon geahnt, dass hier eine Veranstaltung am Laufen ist. Jetzt sitzen wir also hier beim Frühstück, sehen bereits lauter Startnummern an den Rädern und in der Tat verrät mir ein Local, dass wir bei einem Stopp der schwedischen Enduro Serie angekommen sind. Für mich heißt das: 1. Rennbüro finden, 2. Bike fertig machen und 3. Rennen fahren. Anjuna und Marco scheinen zwar nicht so überzeugt – aber so eine Gelegenheit sollte man sich erfahrungsgemäß nicht entgehen lassen. Aus dem Rennbüro komme ich dann leider ernüchtert wieder. Das Rennen ist ausgebucht, keiner von uns kann teilnehmen und noch dazu ist das Befahren des Bikeparks während des Rennens untersagt. Etwas geknickt setzen wir uns wieder ins Auto und entscheiden uns, die Fahrt nach Järvsö fortzusetzen.

# Nach der Enttäuschung in Gesunda gehts weiter nach Järvsö.

Järvsö – „Nur noch eine Abfahrt“

Järvsö ist ein winziger Ort zirka zwei Autostunden nördlich von Stockholm. Die rund 1.400 Einwohner verfügen allerdings über einen der besten Bikeparks, die wir drei bisher besucht haben. Vor allem die Varietät der Trails und die wunderschöne Natur überzeugen uns auf ganzer Linie. Also fahren wir bis wir nicht mehr können, wortwörtlich. Denn als wir alle drei wieder zusammentreffen, erzählt Anjuna, dass sie gestürzt ist, ihr Handgelenk schmerzt und auch den Helm hat es ordentlich erwischt. Die Nacht verbringen wir erneut an einem See nicht weit außerhalb von Järvsö. Ein am Steg liegendes Boot verführt uns zu einer kleinen Runde, auch wenn wir keine Ruder finden können, ein langer Stock tut es auch. Und während der Grill am Ufer langsam vor sich hin glüht, verschaffen wir uns einen Überblick über unseren heutigen Campingspot. Der nächste Tag startet für Anjuna mit einem Besuch im lokalen Krankenhaus, um ihr Handgelenk zu checken. Marco und ich ziehen noch eine Halbtageskarte im Bikepark, während Juna den Vormittag in Wartezimmern verbringt. Die anfänglich positive Diagnose des Arztes bewahrheitet sich leider nicht und so hat sich Anjuna tatsächlich ihr Handgelenk gebrochen.

# In Järvsö konnten wir uns über ausgezeichnete Trails und eine faszinierend schöne Natur freuen.
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Åre – Skiweltcup, Tourismus-Hochburg und mittelmäßige Trails

Als Austragungsort des Skiweltcups ist Åre ein bekannter Name – aber auch der umfangreichen Bikepark ist dem ein oder anderen sicherlich bekannt. Jedenfalls wurde uns in der Planungsphase mehrfach nahegelegt, wir sollten doch diesen Ort, der relativ weit im Norden liegt, unbedingt ansteuern. Angekommen in Åre fühlt es sich an, als hätten wir die falsche Richtung eingeschlagen, ein klassischer Skiort wie man ihn aus den Alpen kennt, aufgeblasen mit Luxushütten, Ski- und Bikeshops, aber dennoch relativ menschenleer während der Sommermonate. Selbst die Berge, die das Tal einschließen, erscheinen ziemlich imposant und erreichen eine Höhe von bis zu 1420 m über dem Meeresspiegel.

Unserer üblichen Routine folgend suchen wir erst einmal einen möglichst schönen Standort, um unser Lager für die nächsten drei Tage aufzuschlagen. Der Fluss, der das Tal durchströmt, bietet sich dazu an und nach ein paar wahllosen Runden durch den Ort finden wir dann auch einen coolen Spot. Jetzt erstmal die Sonne genießen und im Fluss baden, keiner von uns hat das Verlangen heute große Sprünge zu machen und letztendlich verbringen wir den ganzen Tag am Wasser, machen Pfannkuchen, spielen Dominion, servicen unsere Bikes und planen schon mal grob, was wir die nächsten Tage so anstellen wollen.

# Auch in Åre konnten wir einen schönen Campingplatz finden.

Die nächsten zwei Tage verbringen wir dann im Bikepark. Wir, das sind leider nur noch Marco und ich. Anjuna geht mit ihrem gebrochenen Handgelenk stattdessen wandern. Als erstes heißt es, sich einen Überblick zu verschaffen, wir fahren also jeden Trail einmal und müssen mit Erstaunen feststellen, dass es gar nicht so viele Trails gibt und diese noch dazu nicht besonders gut sind. Also beschränken wir uns hauptsächlich auf zwei bis drei Trails. Am Nachmittag treffen wir dann noch Juna auf dem 1.400 m hohen Gipfel des Berges, machen ein paar Bilder im Nebel und, so gut es geht, nehme ich sie auf meinem Rad wieder mit bergab. Das ist zwar „sketchy as fuck“ aber wir haben alle gut lachen, trotz des nass-kalten Windes. Am Abend packen wir unsere Sachen und verabschieden uns von Åre, um in hoffentlich weniger touristische Gefilde vorzustoßen.

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# Die Trails in Åre konnten den vielen Vorschuss-Lorbeeren nicht ganz gerecht werden.

Norwegen: Farstad – Krumme Brücken und „Kann man da runterfahren?“

Nächster Tag, nächster Stopp. Wir landen also in Farstad, einem kleinen Ort an der Westküste Norwegens, gelegen am Atlantic Highway. Farstad ist und unter anderem bekannt durch ein Cluster an Inseln, die durch imposante Brücken verbunden sind, die nicht immer geradeaus verlaufen – ganz im Gegenteil. Hier steht unter anderem eine sehr markante Brücke, die „Storseisundet“ auf der vor nicht allzu langer Zeit der neue James Bond-Streifen gedreht wurde. Wir lassen die Brücke allerdings relativ fix links liegen und widmen uns den wirklich schönen Ecken, die Farstad zu bieten hat: Dem Meer, inklusive der wunderbaren weißen Sandstrände, dem glasklaren türkisen Wasser und den Bergen, die im Hintergrund des Ortes emporsteigen.

Inzwischen könnte man fast sagen, wir sind eingespielt und das Einrichten unseres Gefährts funktioniert immer schneller. Am darauffolgenden Tag folgen wir unserer üblichen Routine: Pfannkuchen am Strand frühstücken, Luftdruck checken, Kette ölen und die umliegenden Trails und Wanderwege erkunden. Der Berg, der sich im Hintergrund befindet, heißt „Melen“. Er erhebt sich über 768 m über den Meeresspiegel und ist in alle Richtungen verdammt steil. Marco und ich schultern unsere Räder für rund 30 Prozent des Weges und legen auf dem Gipfel eine entsprechend lange Pause ein.

Es dauert etwa fünf Minuten, bis wir die erste deutsche „Bergsteiger“-Familie mit quengelnden Kindern wahrnehmen. Kurz darauf beginnt die klassische Gipfelunterhaltung mit der Frage: „Kann man hier runterfahren?“, „Ja, das ist unter anderem der Grund, weshalb wir hier hochgekommen sind“, antworte ich. Man muss dazu sagen, dass es scheint, als wäre der Part des „mountain“ in Mountainbiking bei den Deutschen noch nicht so ganz angekommen, denn ähnliche Unterhaltungen mit den Norwegern über unsere Aktivität verliefen wesentlich weniger überrascht. Nach einer relativ langen und spaßigen Abfahrt über steiniges und offenes Gelände kommen wir wieder am Strand an. Dort treffen wir Juna, die den benachbarten Berg erklommen hat. Und der letzte Abend am türkisblauen Meer bricht an.

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