The Great Canadian Adventure Teil 3: Ins Paradies und darüber hinaus
Im zweiten Teil berichtete unser bloggendes Pärchen über ihre Ankunft und die ersten Ausfahrten in Kanada, dem „heiligen Land“ der Mountainbiker. Im dritten Teil von „The Great Canadian Adventure“ geht es weiter in Richtung Mountainbiker-Traum: Whistler steht auf dem Plan! Was Jessie und Max dort erlebt haben und was Sun Peaks so hergibt, erfahrt ihr im dritten Teil des Great Canadian Adventure. Viel Spaß damit!
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir nach einer genialen Zeit nun also Sechelt und die Sunshine Coast. Entlang des in der Sonne glitzernden Pazifiks machen wir uns auf in Richtung neuer Abenteuer und unserem nächsten Ziel: Whistler. Mit frischem Kaffee und Blueberry Muffins bewaffnet, führt uns unsere Route als erstes erneut auf eine Fähre. In diesem Fall zurück nach Horseshoe Bay, wo unser Roadtrip vor knapp zwei Wochen begann. Diesmal leider ohne Wale, aber dafür mit der Aussicht auf die wunderschöne Küste.
Ab in die Berge!
In Horseshoe Bay angekommen biegen wir auf den Sea-to-Sky Highway, von dem uns schon einige Leute, die wir unterwegs getroffen haben, vorgeschwärmt haben. Den Ozean zu unserer Linken, die Berge zu unserer Rechten schlängeln wir uns also einen Fjord entlang bis nach Squamish in Richtung Mountainbikers Paradise. Ab Squamish ändert sich die Landschaft und wir müssen erstmals seit unserer Ankunft in Kanada auf die Aussicht aufs Wasser verzichten, werden jedoch mit schneebedeckten Berggipfeln getröstet. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr Mountainbike liegt in der Luft – die Anzahl der Autos, die uns begleiten und Bikes auf Fahrradträgern oder Laderampen haben, steigt exponentiell an.
Da es verboten ist, auf den Parkplätzen des Whistler Village am Fuße des Bikeparks zu campen, haben wir uns für einige Tage einen Stellplatz im Whistler RV & Campground, der eine Viertelstunde Fahrt außerhalb von Whistler liegt, reserviert. Nachdem wir die steile Straße zum Campground erklommen und unser Lager aufgeschlagen haben, halten wir es dann auch schon nicht mehr aus: wir wollen das Geschehen mit eigenen Augen sehen und darin eintauchen – wenn auch an diesem Abend erstmal ohne zweirädrigen Untersatz.
Whistler Bike Park
Also geht es ab ins Village, um dem Treiben eine Zeit lang zuzuschauen und um einmal durch die zahlreichen Bikeshops zu stromern. Anschließend gönnen wir uns eine extra große Portion Nachos und extra teures Bier (10$ (!!??!)) in der legendären Longhorn Bar, in der ja schon die ein oder andere Crankworx-Party stattgefunden haben muss. Langsam wird uns klar, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Wir sind in Whistler. Jetzt bleibt nur noch die Frage: Ist der ganze Hype gerechtfertigt oder ist es einfach „nur“ ein ganz normaler Bikepark?
Am nächsten Morgen erkämpfen wir uns dann endlich einen Parkplatz auf den zwar großen, aber auch sehr begehrten Parkplätzen (10 CAD pro Tag für normale Fahrzeuge oder, viel besser, aber leider erst zu spät gecheckt: 50 CAD für einen ganzen Monat) im Village, schnappen unsere Bikes und gesellen uns zu der überraschenderweise doch recht überschaubaren Liftschlange, in der man auch gleich einige bekannte Gesichter aus der Szene trifft.
Auf den Trick, die Single Line zu nehmen, um sich einiges an kostbarer Nicht-Bikezeit zu sparen, sind wir erst im Laufe unseres Aufenthaltes gekommen. Dann geht es auch schon rein in den Fitzsimmons Express und hinweg über Heckler´s Rock zum Start der Fitzsimmons Zone. Doch wo fängt man an, bei über 70 Trails? Wir entscheiden uns für die B-Line als Start und Max setzt direkt in der dritten Kurve erstmal gekonnt sein Vorderrad über den Anlieger und den Kopf in den Staub.
Aber hey … es ist der Staub von Whistler. Trotz der Bodenprobe macht der erste Run mächtig Spaß und schürt kräftig Lust auf mehr. Also auf zu Crank it up, der uns mit weitläufigen Berms und kickigen Tables empfängt. Nachdem Max in Run 1 den Boden schon ausgiebiger als eigentlich notwendig untersucht hat, legt er sich im zweiten Run des Tages nach einer überschossenen Landung auch gleich noch mit einem Baum an. Der Baum gewann, die Laune war trotzdem gut. Einen derart langen und flowig gebauten Trail mit derart vielen perfekt geshapten Tables ist uns noch nie unter die Reifen gekommen. Nachdem es Max im dritten Run endlich geschafft hatte, eine Abfahrt in Whistler ohne Sturz zu überstehen, wurde uns klar, dass wir unsere Kraft und Energie an diesem ersten Tag hauptsächlich auf die Kombination Crank it up und dessen Variante CMore (schneller, größere Lips, längere Tables) legen würden, um mit dem Park warm zu werden und schon an diesem Tag mächtig an unserer Airtime arbeiten zu können.
Angefixt von einem genialen ersten Tag im Park, verbrachten wir den zweiten Tag … auf dem Campingplatz. Auf Grund des Whistler Iron Man waren die Straßen in und um Whistler umständlich gesperrt. Immerhin hatten wir eine Antwort auf das Rätsel, warum wir am vorherigen Tag so viele lycrabekleidete Rennradfahrer am Fuße des Bikeparks und auf den Straßen gesehen hatten. Aber egal, so verbrachten wir den Tag auf dem Campingplatz und beim Frisbee Golf spielen auf dem hauseigenen Kurs. Am Abend freundeten wir uns mit unserem Campingnachbarn, einem der teilnehmenden Triathleten an, und überredeten ihn sogleich mal zu einem spontanen Biketausch. So saßen wir zum ersten Mal in unserem Leben auf einem ultraleichten Aero-Triathlonbike und Micha weiß seitdem, was Scheibenbremsen und Fullsuspension bedeuten.
Nachdem wir beide durch die Jumptrails im Coast Gravity Park und Crank-it-Up/CMore zu unserem eigenen Erstaunen plötzlich richtig Gefallen am Springen gefunden hatten, dauerte es an Tag Zwei im Bikepark auch nicht lange, bis wir am Start der A-Line standen. Die A-Line mag zwar der wohl meistbefahrene Trail der Welt sein, doch Sprünge in dieser Größenordnung sind wir beide noch nie gefahren. Erstaunlicherweise gibt der Trail den Speed (sehr viel Speed!) allerdings so perfekt vor, dass wir auf Anhieb relativ case-frei durchkamen.
Rückblickend ist es ziemlich krass, wie schnell man lernt und über die eigenen Erwartungen herauswächst, wenn ein Jumptrail gut, sicher, fehlerverzeihend (relativ) und gut einsehbar gebaut ist. Nach Lap drei auf A-Line saßen bis auf den ominös betitelten „Moonbooter“ (ist zwar rollbar, aber der zum Springen benötigte Speed und die Größe der Lip sind wirklich beängstigend) alle Sprünge. Zwischenfazit von Whistler: Was Flow/Jumptrails angeht, spielt Whistler in einer anderen Liga als alle anderen Bikeparks, die wir je besucht haben – der Hype ist mehr als gerechtfertigt. Doch wie sieht es mit der technischen Seite aus?

