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Downhill World Cup 2019 – Snowshoe: Almost Heaven – Fotostory vom Finale

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Almost Heaven, West Virginia –  ob John Denver beim Schreiben seines Hits „Country Roads“ wohl Marine Cabirou und Amaury Pierron im Kopf hatte? Wohl kaum, doch beim an Dramatik kaum zu überbietenden Downhill World Cup-Finale waren die beiden der Nummer 1 ganz nah. Doch am Ende kam es anders – almost heaven eben. 

Wenn die patriotischen Bewohner des kleinen US-Bundesstaates die Country-Hymne von John Denver anstimmen, dann wird zunächst die fast schon himmlische Schönheit der Blueridge Mountains besungen. Auch für Amaury Pierron und Marine Cabirou hätte das World Cup-Finale kurz vor Schluss beinahe noch eine himmlisch schöne Wendung genommen, doch am Ende konnten sich die Favoriten im Rennen um die Gesamtwertung durchsetzen. Mit Loïc Bruni und Tracey Hannah stehen zum Ende der Saison zwei Fahrer ganz oben, die trotz großer Erfolge bislang noch nie eine Saison als Nummer 1 abschließen konnten.

Doch der Reihe nach: Den Auftakt machten wie immer die Juniorinnen. Diese Kategorie wurde in den letzten zwei Jahren stark geprägt von Vali Höll, die sage und schreibe 15 World Cups, 2 WMs und zwei Gesamttitel gewinnen konnte. In Snowshoe setzte sie sich souverän gegen ihre beiden ärgsten Konkurrentinnen Anna Newkirk und Mille Johnset durch. In dieser Reihenfolge ist das schnelle Trio auch in der Gesamtwertung gelandet. Alle drei Fahrerinnen wechseln in der nächsten Saison in die Elite-Kategorie – kaum denkbar, dass es bei den Juniorinnen zukünftig so hochklassig zur Sache gehen wird. Vali wäre mit ihrer Zeit knapp hinter Tahnée Seagrave auf dem Podium der Frauen gelandet, auch Anna Newkirk und Mille Johnset zaubern schon regelmäßig Top 10-Zeiten auf das Wurzelparkett. Die Zukunft des weiblichen Downhill-Sports sieht jedenfalls hervorragend aus – wir hoffen, dass diese extrem erfreuliche Entwicklung von nachhaltiger Natur ist!

# Für Vali Höll war Snowshoe der letzte World Cup als Juniorin - nächstes Jahr wird die Österreicherin in der Elite-Klasse an den Start gehen.
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Ähnlich dominant wie Vali Höll hat auch Thibaut Daprela sein finales Rennen als Junior bestritten. Mit seiner Zeit von 3:11.898 ließ er seinen Konkurrenten nicht den Hauch einer Chance – am Ende setzte er sich vor dem Australier Luke-Meier Smith und dem Kanadier Lucas Cruz durch. Einen bitteren Beigeschmack hatte das letzte Training vorm Finale. Hier stürzte der frisch gebackene Weltmeister und Quali-Sieger Kye A’Hearn schwer und brach sich das Handgelenk, sodass er im Finale nicht starten konnte. In der Gesamtwertung reichte es für ihn dennoch zu Platz 2 hinter Thibaut Daprela. Statt den Pokal für den Gesamtsieg entgegenzunehmen war Thibaut Daprela auf dem Podium zunächst damit beschäftigt, seinem lädierten Rivalen das Weltmeister-Trikot überzustreifen. Trotz aller Konkurrenz auf der Strecke ging es in diesem Jahr in der sehr starken Junioren-Kategorie immer sehr fair und freundschaftlich zur Sache; in Snowshoe waren die schnellen Nachwuchsfahrer teilweise in internationalen Trains von sechs oder sieben Fahrern unterwegs. Ähnlich wie bei den Juniorinnen gilt auch hier: von diesen Jungs werden wir in den nächsten Jahren noch viel hören!

# Thibaut Daprela hatte insgesamt eine eher durchwachsene Saison - der Franzose gewann zwar viel, aber nicht so viel, wie möglich gewesen wäre. Zum Saisonabschluss ließ er allerdings nichts anbrennen.

Im Finale der Frauen musste Tracey Hannah nach der schnellsten Zeit in der Qualifikation lediglich einen sicheren Lauf ins Ziel bringen, um erstmals in ihrer Karriere die Gesamtwertung zu gewinnen – der sechste Platz hätte hierfür ausgereicht. Doch nachdem sich Marine Cabirou, die schon die beiden vorherigen World Cups gewinnen konnte, mit einer sehr beherzten Fahrt in den Hot Seat katapultierte und die Anzeigetafel bei Tracey Hannahs finaler Fahrt rot leuchtete, ging das große Zittern los. Würde es die Australierin auf den letzten Metern ihrer starken Saison noch verspielen? Immer mehr Zeit verlor sie im unteren Teil der Strecke, immer weiter fiel sie in der virtuellen Wertung zurück. Doch als am Ende der fünfte Platz auf der Anzeigetafel leuchtete war es geschafft – Tracey Hannah gewinnt die Gesamtwertung! In einer Saison, die von den Verletzungen von Rachel Atherton, Tahnée Seagrave, Myriam Nicole und Nina Hoffmann geprägt war, war es die Australierin, die die größte Konstanz an den Tag gelegt hat. Doch mit Marine Cabirou konnte eine aufstrebende Fahrerin die letzten drei World Cups in Folge gewinnen, dazu fährt Vali Höll 2020 in dieser Kategorie mit. Es wird also mehr als spannend! Sehr erfreulich aus deutscher Sicht ist der vierte Platz von Nina Hoffmann in der Gesamtwertung, die trotz ihrer Schulterverletzung und dem Verpassen des finalen Finales also insgesamt in den Top 5 gelandet ist. Für die Italienerin Veronika Widmann hat die Saison ebenfalls ein erfreuliches Ende genommen: Mit Platz 3 und damit ihrem besten World Cup-Ergebnis überhaupt konnte sie sich auch in der Gesamtwertung auf den dritten Rang katapultieren. Komplettiert wurde das Podium in West Virginia von der neuen Weltmeisterin Myriam Nicole und Tahnée Seagrave.

# Marine Cabirou machte es nochmal richtig spannend - sie setzte Tracey Hannah mit einer sehr starken Zeit unter Druck und sicherte sich neben dem Tagessieg FAST auch den Saisonsieg!

Das Finale der Männer sollte dann an Dramatik kaum zu überbieten werden. Die Vorzeichen im Kampf um die Gesamtwertung waren klar: Amaury Pierron muss das Rennen gewinnen und gleichzeitig hoffen, dass Loïc Bruni nicht in den Top 3 landet, wenn er den Weltmeister noch daran hindern will, erstmals in seiner Karriere auch die Overall-Wertung zu gewinnen. Der Commençal-Fahrer ging nach einer verpatzten Qualifikation früh auf die von vielen begeisterten Zuschauern gesäumte Strecke und ließ keinen Zweifel daran, dass er alles geben würde. Mit einem unfassbaren Lauf und über 5 Sekunden Vorsprung katapultierte er sich in den Hot Seat, aus dem er seinen bis dato führenden Freund Thomas Estaque verdrängte. Nun lag der Druck also voll und ganz bei Loïc Bruni.

Fahrer um Fahrer sollte sich die Zähne an der Zeit von Amaury Pierron ausbeißen. Greg Williamson und Greg Minnaar kamen nah dran, doch vor allem im letzten Abschnitt der Strecke konnte niemand mit den PS Pierrons mithalten. Lauter Jubel ertönte dann, als der Amerikaner Charlie Harrison als drittletzter Fahrer auf die Strecke ging. Schon in der Quali und im Timed Training war der Trek-Fahrer sehr flott unterwegs, im Finale setzte er noch einen drauf: Mit Platz 3 konnte Charlie Harrison das beste Ergebnis seiner Karriere einfahren und brachte die US-Masse zum Jubeln.

Dann war Loïc Bruni an der Reihe. Würde es dem Serienweltmeister gelingen, erstmals und endlich den Titel einzufahren, der ihm nach eigener Aussage wichtiger ist? Normalerweise kann der Franzose mit Druck umgehen wie kein Zweiter, doch in Snowshoe war er etwas defensiver als gewohnt unterwegs. Im Ziel leuchtete die Anzeigetafel rot, daneben eine weiße 3. Nun lag es also an Danny Hart, dem Schnellsten aus der Quali, über den Ausgang dieser unfassbaren Saison zu entscheiden.

# Dieser Sieg war lange herbeigesehnt - Danny Hart war im Ziel sichtlich glücklich darüber, endlich wieder ganz oben auf einem World Cup-Podest stehen zu dürfen!

Klar war: Wenn Danny Hart gewinnt, ist Loïc Bruni Gesamtsieger. Wenn Danny Hart hinter Loïc Bruni landet, ist Loïc Bruni Gesamtsieger. Aber: Wenn Danny Hart zwischen Loïc Bruni und Amaury Pierron landet, sichert sich Amaury Pierron auf den letzten Metern dieser Saison doch noch den zweiten Gesamttitel in Folge. Was wohl in Loïc Brunis Kopf vorging, als der Brite kurz vor Schluss tatsächlich auf Platz 2 und damit genau zwischen den beiden so dominanten Franzosen lag? Alle Blicke waren gespannt auf den Zielsprint gerichtet – und mit einem famosen Ritt durch die Steine konnte Danny Hart tatsächlich fast zwei Sekunden auf die Konkurrenz rausfahren! Im Ziel leuchtete die Anzeigetafel grün, selten – oder gar noch nie? – freute sich ein Fahrer über den Sieg eines Konkurrenten so sehr. Mit Tränen in den Augen fiel Loïc Bruni dem Gewinner von Snowshoe um den Hals, bedankte sich immer wieder für dieses Geschenk. Amaury Pierron musste sich mit Platz 2 begnügen und war kurz geknickt, um dann wie so oft in diesem packenden Jahr gemeinsam mit seinem guten Freund Loïc und dem Rest des Fahrerlagers zu feiern.

# Zum Finaltag zeigten sich die sonst eher feuchtfröhlichen Appalachen von ihrer besten Seite.
# Das Timing-Equipment stand bereit …
# … und dieser freundlich aussehende Herr sorgte für Sicherheit!
# Für die Zuschauer sollte weniger die Steilheit, als eher die Rutschigkeit der vielen, vielen Steine auf und neben der Strecke zur Gefahr werden.
# Patriotismus wird in Amerika groß geschrieben - wirklich sehr groß! Unübersehbar quasi.
# Für gute Stimmung war schon im morgendlichen Training gesorgt.
# Diese Hund ist ganz eindeutig Jack „Shark Attack“ Moir-Fan!

Juniorinnen

1 – Valentina Höll – 3:46.865 min

2 – Anna Newkirk – 3:58.771 min

3 – Mille Johnset – 3:59.499 min

# Auch für Mille Johnset und Anna Newkirk war dies der letzte Juniorinnen-World Cup - Mille musste sich diesmal mit Rang drei zufriedengeben.
# Knapp schneller war Anna Newkirk - auch wenn Vali Höll viel im Rampenlicht steht, brennen ihre beiden Haupt-Konkurrentinnen ebenfalls Zeiten in den Boden, mit denen sie in der Frauen-Klasse in den Top 10 landen könnten.
# Doch an Vali war diesmal kein Rankommen - sie sicherte sich den Sieg mit über 11 Sekunden Vorsprung.
# Vali Höll gewann in Snowshoe vor Anna Newkirk und Mille Johnset …

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