Gehrig-Twins-Blog: EWS #3 Madeira – Vom Attackieren und schlechten Nachrichten
Auf der portugiesischen Insel Madeira bestritten wir bereits 2017 eine Enduro World Series, die spektakulären Aussichten und Trails waren uns noch in bester Erinnerung. Wir freuen uns sehr, nach dem erneuten Wintereinbruch in der Schweiz auf die warme Atlantik-Insel zu entfliehen. Mit im Gepäck haben wir gleich eine Auswahl diverser Regenjacken, denn wir haben vom Rennen vor zwei Jahren gelernt.
Auch wenn bei den Fotos immer alles nach Postkartenwetter aussieht – in Madeira kann das sehr schnell wechseln. Die verschiedenen Klimazonen auf kleinstem Raum haben es in sich und das Wetter kann sehr schnell umschlagen und die Trails in die reinste Rutschpartie verwandeln. Der Wetterbericht für die Woche schaut aber auf jeden Fall sehr optimistisch aus und zusammen mit unserem Papa machen wir uns am Dienstag Morgen in aller Frühe auf den Weg zum Flughafen. Da unser alter Herr nun seit letztem Winter frisch pensioniert ist, wird er uns etwas öfter zu den Rennen begleiten und uns etwas helfen.
Bei der Ankunft sind wir angenehm von den warmen Temperaturen überrascht, sofort werden die kurzen Hosen montiert und wir richten uns erstmal etwas in unserem Haus ein.
Zur Akklimatisierung werden wir von unserem Papa auf den Berg hoch geshuttelt und fahren ein paar kurze Trails. Da einige der Stages nahe der Straße verlaufen werfen wir noch einen kurzen Blick auf einige Sektionen der Race Stages. Um groß Trackwalk zu machen haben wir keine Zeit, denn uns ist es auch sehr wichtig, erholt ins Training zu starten.
Am Abend fängt Anita an über Unwohlsein zu klagen, in der Nacht wird es immer schlimmer und sie muss sich übergeben … Irgendetwas haben wir wohl aufgelesen, denn auch der Papa ist nicht gerade fit und auch mir fehlt die Power und vor allem der Appetit. Bei der Familie Gehrig ist das ein klares Indiz, dass etwas in der Luft liegt, denn essen können wir sonst immer sehr gut. Somit steht fest, dass am anstehenden Trainingstag so viele Energiereserven wie nur möglich gespart werden müssen. Uns kommt zu gute, dass wir mit den drei Stages zum Trainieren (und den längsten Anstieg davon geshuttelt) ein verhältnismäßig kurzer Tag ansteht.
Das Training läuft tip top und wir haben Spass auf den Trails! Im Gegensatz zum letzten Rennen auf Madeira sind die Trails um einiges weniger technisch, man kann schon fast von flowig sprechen. Die Trailbauer auf der Insel haben wohl klar die Anweisung bekommen, das Rennen müsse technisch einfacher werden im Vergleich zum letzten Mal. Denn da wurde im Schwierigkeitsgrad der Trails definitv übertrieben und teilweise war es eher schon gefährlich. Man setzt nun wohl auf mehr Fahrspass und somit auch auf glücklichere Fahrer, was wir doch sehr begrüssen!
Das Training des zweiten Tages startet mit Loic Brunis Gamble Line vom gleichnamigen Film, die großen Sprünge wurden als Tables aufgefüllt und einige Sektionen leicht angepasst. Nichtsdestotrotz eher ein Kaltstart direkt auf einige technische Sprünge los, viele Fahrer schätzen die Geschwindigkeit und die loosen Bodenverhältnisse schlecht ein und gehen zu Boden. Doch bei uns läufts und wir freuen uns, etwas Luft unter die Räder zu kriegen. Die Stage 7 „Boca do Risco“ sticht als Highlight hervor, die epischen Bilder des Trails an der Felskante sind mittlerweile weltbekannt. Die losen, steilen Switchbacks vom oberen Teil werden gegen weiter unten immer offener und schneller und man nimmt richtig Fahrt auf.
Bei unserem ersten Renntag am Samstag starten wir erst kurz vor dem Mittag, am Morgen haben wir also noch etwas Zeit für Yoga, GoPro schauen und uns für das Rennen parat zu machen. Die drei Anstiege zu den Stages werden allesamt getreten und wir fahren im Zick Zack und mit überhitzten Körpern zum Start der ersten Etappe hoch. Anita gelingt ein fulminanter Start und sie fährt die komplett zerbombte, von tiefen Sandrillen durchzogene Stage als Zweitschnellste. Was für ein Start ins Rennen!
Ich freue mich sehr auf die zweite Stage, denn diese liegt mir mit den zahlreichen Felspassagen und schnelleren Sektionen sehr gut. Mein Plan dort zu attackieren geht allerdings schief, ich lege mich noch im oberen Viertel in die Büsche und lasse Zeit liegen. Naja, immerhin nicht in einem Kaktus gelandet, hätte schlimmer kommen können. Beim seeeeeeeehr steilen Anstieg zur letzten Stage des Tages leide ich ziemlich, ich fühle mich nahe an einem Kreislaufkollaps, die tropische Hitze vertrage ich an diesem Tag einfach nicht. Auf der letzten Stage des Tages geben wir beide nochmals alles, was bei Anita mit einem dritten Platz in der Gesamtabrechnung belohnt wird. Ich bin mit Platz 14. zwar etwas zurück von da, wo ich eigentlich gerne wäre, aber die Zeiten sind allesamt sehr eng beieinander.
Tag zwei des Rennens startet bei Anita, in dem sie unserem Papa am Streckenrand erstmal vor die Füsse fliegt. Nicht ideal auf einer Highspeed Jumps- und Kurven-Stage …
Die weiteren Etappen attackiert sie und bleibt die ganze Zeit in den Overall Top 5. Auf der Queenstage „Boca do Risco“ rechnet sich Anita große Chancen aus etwas Zeit gut zu machen und zurück in die Top 3 zu finden. Ganz so will es aber nicht klappen und es schleichen sich im tiefen Staub einige Fehler ein.
Auf geht’s zur letzten Stage! Nach dem supersteilen Anstieg stehen wir am Start. Alle sind sich einig,

