Biathlon bei Olympia 2026: Ex-Star Michael Rösch glaubt an fünf Medaillen
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Michael Rösch zählte zu einer DSV-Generation, die Goldmedaille um Goldmedaille gewann. In diesem Jahr sind die Deutschen aber nicht die Topfavoriten. Warum? Michael Rösch weiß, wie es sich anfühlt, ganz oben zu stehen. Vor 20 Jahren gewann er mit Sven Fischer, Ricco Groß und Michael Greis Olympia-Gold in der Staffel. Der Triumph in Turin war aber nicht der einzige in seiner Karriere. Rösch wurde mehrfacher Junioren-Weltmeister, WM-Dritter, schaffte es im Gesamtweltcup in die Top fünf. Der heute 42-Jährige war damit einer von mehreren im deutschen Biathlon-Team. Olympia 2026 : Zeitplan, TV-Übertragung, Sportarten Wo steht Deutschland? Der Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele 2026 Olympia-Zeitplan : Alle Wettbewerbe im Überblick Vor dem Biathlon-Auftakt bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo sind die Frauen die größeren Hoffnungsträger auf deutsche Medaillen. In der Weltspitze der Herren ist Deutschland nur vereinzelt vertreten. Eurosport-Experte Michael Rösch glaubt dennoch an einige Medaillen für die DSV-Athleten, auch wenn die Konkurrenz nicht immer mit fairen Mitteln spielt. t-online: Herr Rösch, wie viele Medaillen holt Deutschlands Biathlon-Team bei den Olympischen Spielen dieses Jahr? Michael Rösch: Ich hoffe auf fünf Medaillen! Mixed-Staffel ist möglich, beim Damen-Sprint gibt es eine, beim Herren-Sprint mit etwas Glück auch. Beim Einzel kann immer etwas passieren, da sage ich mal auch, dass es eine gibt. Und bei der Staffel schafft es auch ein Geschlecht. Das wäre cool. Die Lage ist insgesamt anders als vor 20 Jahren, dafür ist die Konkurrenz mit Frankreich, Norwegen oder Schweden zu stark geworden. Aber die Chance ist da. Ist Deutschlands kleinere Rolle im Biathlon ein generelles Problem oder eine Frage der aktuellen Generation? Die Generation ist schon ein Punkt, gerade bei den Männern. Du hast nicht mehr die Masse an Talenten. Die Jungs im Weltcup sind richtig gut, aber das ist mit den Generationen davor schwer zu vergleichen. Also zum einen Doll, Peiffer, Lesser, Schempp. Davor meine Generation mit Fischer, Greis, Groß, Birnbacher. Das war in der Breite noch einmal etwas stärker. Es waren schon immer Norweger gut, auch hier und da Franzosen. Was aber aktuell offensichtlich ist: Bei den Franzosen ist das von den Frauen über die Männer bis in den Nachwuchs abartig gut. Da muss hierzulande etwas anders laufen. Eine Trendwende fängt weiter unten in der Jugendarbeit an. Biathlon ist in Deutschland schon recht elitär, es ist etwas teurer. Es ist nicht wie beim Fußball, wir hauen einen Ball in die Mitte, jeder zieht seine Schuhe an und los geht's. Das macht es etwas schwieriger. Welche Rolle spielt in all dem aber auch Doping? Der Schwede Sebastian Samuelsson sagte zuletzt, er sei sich bewusst, gegen "gedopte Athleten" anzutreten. Mich hat es nicht überrascht, dass Samuelsson so etwas sagt. Er ist bei diesen Themen rigoros und direkt. Als ich mit 20, 21 Jahren in den Weltcup kam, dachte ich, der Biathlonsport ist eine saubere Welt. Da haben uns die vergangenen Jahre etwas anderes gelehrt. Ich hätte Samuelssons Aussage wahrscheinlich dennoch nicht getätigt, auch wenn es hier und da sicher welche gibt, die nicht mit fairen Mitteln spielen. Es wird überall an allem gearbeitet. Am Material, am Training. Sei es mit Höhenmasken oder mit Höhentrainingslagern – das machen mittlerweile alle. Solange es legal ist, ist es okay. Aber du weißt es von außen eben nie. Daher gab es für mich immer nur eine Person, der ich vertraut habe: Das war ich selbst. Und ich konnte nur hoffen, dass die Person, die mich geschlagen hat, sauber war. Es wird überall in der Welt beschissen, nicht nur im Sport. Das kannst du leider nicht verhindern. Es ist ein riesengroßes Thema. Nicht nur Samuelsson Aussagen wurden hierzulande viel diskutiert, auch das Karriereende von Franziska Preuß nach dieser Saison ist ein großes Thema. Wie sehen Sie das? Mich hat der Zeitpunkt der Entscheidung etwas überrascht, die Entscheidung an sich nicht. Ich würde behaupten, dass der Gesamtweltcup ihr Lebenstraum war. Und wir sehen oft, dass das Jahr danach schwierig ist. Bei ihr war der Einstieg in diese Saison schwierig mit der Krankheit und sie brauchte etwas. Von daher hätte man auch denken können, dass das aus der Emotion war. Aber ich finde es gut, dass sie so offensiv und ehrlich damit umgeht. Jetzt steht sie vor ihren zwei wichtigsten Wochen und wenn sie mit einer Medaille heimkommt, kann sie einen Haken dran machen. Vielleicht wollte sie mit der frühen Kommunikation auch noch einmal etwas auslösen … Als ich auf einer Pressekonferenz mein Karriereende verkündet habe, war es so, als sei mir ein Rucksack abgenommen worden. Ich musste nichts mehr verstecken. Mir hat das gutgetan und ich glaube auch, dass es für sie gut war. Jetzt kann sie sich voll auf ihre letzten Spiele konzentrieren. Und sie hat auch noch eine Rechnung offen mit Olympia . Zur Krönung ihrer Karriere wünsche ich ihr nun eine Einzelmedaille in Antholz. Franzi ist für mich eigentlich die perfekte Biathletin, der leider allzu oft der Körper einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Einzig das hat sie daran gehindert, noch erfolgreicher zu sein. Schon jetzt sind die Augen neben Franziska Preuß auch auf Julia Tannheimer und Selina Grotian gerichtet. Was macht die beiden Talente so stark? Das sind zwei Riesentalente, die die Zukunft bestimmen können. Vom Potenzial her sind das absolute Granaten. Aber gerade eine Julia Tannheimer hat für mich noch Welpenschutz. Die ist erst 20 Jahre alt und Juniorin, die darf Fehler machen. Zu Selina brauchst du nicht mehr viel sagen, die hat mit 20 Jahren in der vergangenen Saison schon einen Weltcup gewonnen. Beide profitieren davon, dass Franzi Preuß noch da ist und den Fokus auf sich zieht, aber die Voraussetzungen sind da. Dennoch sind sie recht unterschiedlich. Inwiefern? Julia ist sehr ehrgeizig und extrovertiert. Sie kabbelt sich auch gerne in Interviews mit ihrem Bruder, der ebenfalls Junioren-Biathlet ist. Selina ist hingegen etwas ruhiger. Was beide aber verbindet: Läuferisch ist das top, der Motor ist da. Julia ist läuferisch, glaube ich, auf Platz sechs oder sieben in der Welt – und das mit 20 Jahren. Sie und Selina müssen am Schießstand einfach nur treffen, dann kann es eine Überraschung geben. Für Selina Grotian war nach der herausragenden letzten Saison der Start in die aktuelle eher schwierig. Sie musste auch einige Wochen krankheitsbedingt pausieren. Wie lange dauert es denn, wieder bei 100 Prozent zu sein? Da reagiert jeder anders drauf. Bei mir hat es schon auch mal drei Wochen gedauert, wenn ich richtig krank war. Bei Fieber war es bei mir komplett vorbei. Da es Selina auch komplett erwischt hatte, braucht das seine Zeit. Sie konnte aber jetzt einige Weltcups bestreiten und kennt ihren Körper. Ich bin daher fest davon überzeugt, dass sie in Antholz topfit am Start sein wird. Die Olympischen Winterspiele Milano Cortina live im TV bei Eurosport sowie jeder Moment im Streaming bei HBO Max .

