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Reformationsjubiläum in Hirschberg: Altar stand unterhalb der Basketballkörbe

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Von Stefan Zeeh

Hirschberg-Großsachsen. Der Reformationstag 2017 war ein einmalig bundesweiter Feiertag, den die Evangelischen Kirchengemeinden von Lützelsachsen bis Leutershausen mit einem außergewöhnlichen Gottesdienst an einem ungewöhnlichen Ort begingen. Die Sachsenhalle in Großsachsen hatte man dafür ausgewählt, denn keine der Kirchen hätte Platz genug für die erwartete große Zahl an Gottesdienstbesuchern aus den vier Kirchengemeinden geboten.

Dass diese Halle nicht unbedingt für einen Gottesdienst gedacht ist, zeigte sich den weit mehr als 400 Gläubigen alleine an der Position des Altars unterhalb der Basketballkörbe, mit den Reklamebannern der Firmen für die Spiele der Handballmannschaft des TV "Germania" Großsachsen im Hintergrund.

Den Verantwortlichen aus den vier Kirchengemeinden mit den Pfarrerinnen Simone Britsch (Großsachsen), Gesine von Kloeden (Hohensachsen) und Tanja Schmidt (Leutershausen) sowie Pfarrer Jan Rohland (Lützelsachsen) war es trotzdem gelungen, einen festlichen Rahmen zu schaffen. Dazu hatte man etwa drei Viertel der Halle für den Gottesdienst hergerichtet und den Altar gegenüber der Tribüne aufgestellt. Die Chöre der Kirchengemeinden belegten den größten Teil der Tribünenplätze, und etwas schräg vor ihnen saßen die Bläser der Posaunenchöre. In einer Art Halbkreis waren an den Seiten zudem mehrere Stuhlreihen platziert. Jedoch waren die Veranstalter etwas überrascht von der großen Besucherzahl, denn es mussten immer mehr Stühle herangeschafft werden. Auch die vorbereiteten 400 Blätter mit den Liedtexten reichten nicht ganz.

Mit "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben" hatte man zugleich ein Bibelwort als Motto für den Festgottesdienst gewählt, das bestens zur Lokalität passte. Schließlich gedeihen unmittelbar vor der Sachsenhalle Weinstöcke. Es ist aber auch ein Bibelwort für Jung und Alt. So brachten etwa die zehn Kinder des evangelischen Kindergartens in Großsachsen einen Weinstock mit in den Gottesdienst. Diesen hatten sie sich genauestens angeschaut und wussten, dass er einen dicken Stamm hat, "wie ein kleiner Baum". "Hört, was Jesus sagt", sangen sie gemeinsam mit ihren Erzieherinnen und verkündeten "Ich bin der Weinstock, bleibt an mir."

Das Motto des Gottesdienstes gehört zu einer Stelle im Johannes-Evangelium, die Kirchengemeinderat Uli Schulz aus Leutershausen verlas. "Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er entfernen", heißt es da an einer Stelle. Und an anderer wird damit gedroht, Reben, die nicht in dem Weinstock bleiben, zu verbrennen. Worte, die Thomas Wetter vom "Spätschicht"-Team Leutershausen nachdenklich stimmten. "Wer zeigt mir den Weg durch dieses verworrene Gleichnis", fragte er. Seine Teamkollegin Susanne Streckl fand das Gleichnis dagegen sehr schön und verwies darauf, dass es ohne Lebenssaft vom Weinstock auch keine Trauben gibt. Für Pfarrer Jan Rohland und Regina Oxenius vom Abendgottesdienst Lützelsachsen war ebenso klar: "Durch die Blätter und Trauben wird der Glaube sichtbar."

An einem Tag, an dem der Veröffentlichung der 95 Thesen Luthers im Jahr 1517 gedacht wird, die zu einer Spaltung der Kirche führten, darf auch das Thema "Ökumene" nicht fehlen. "Ein Weinstock ist ein gutes Bild für die Ökumene in unseren Dörfern, da nicht alle Reben gleich groß sind, aber alle gehören dazu", befanden Iris Jochim und Edith Drews vom Ökumenischen Gesprächskreis Hohensachsen und fuhren fort: "Verschiedene Konfessionen bereichern unseren Glauben an Jesus Christus."

Die Spaltung der Kirche thematisierte auch Pfarrer Stephan Sailer von der katholischen Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg in seinem Grußwort. "Die Spaltung der Kirche hat selbst Martin Luther erschreckt", wusste er und zeigte auf, was katholische und evangelische Kirche miteinander verbindet - nämlich die Verantwortung für den "sozialen und karitativen Auftrag". Er verwies darauf, dass Luthers Reformen ebenso in der katholischen Kirche ihre Wirkung gezeigt haben. So habe das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) dazu geführt, dass sich die Kirche darauf besonnen habe, eine Kirche der Erneuerung zu sein.

Passend dazu sangen die Chöre der Kirchengemeinden, unterstützt von den Posaunenchören, zum Abschluss gemeinsam "Menschen, singt ein Lied der Freude" zur bekannten Melodie von Beethovens Ode "An die Freude".

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