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Ladenburg: Alles ein ganz großes Spiel

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Von Axel Sturm

Ladenburg. Jürgen Platz ist seit vielen Jahren ein Stützpfeiler im Organisationsteam des Ladenburger Triathlonfestivals. Daneben hat er noch ein weiteres, ganz außergewöhnliches Hobby. Er sammelt und erforscht nämlich Spielkarten.

Der pensionierte Lehrer, der an der Johannes-Gutenberg-Schule in Heidelberg unter anderem Fotografen auf die Gesellen- oder Meisterprüfung vorbereitete, ist ein akribischer Mensch. In seinem Kartenzimmer stehen zahlreiche Ordner, in denen die Spielkarten archiviert sind. Man merkt sofort die Leidenschaft für das Kartensammeln, wenn Platz über seine Schätze spricht. Jedes einzelne Kartenspiel hat seine eigene Geschichte, die der Sammler im Gedächtnis abgespeichert hat.

Ihren Ursprung haben Spielkarten in Ostasien. Die frühesten sind in Korea und China des zwölften Jahrhunderts nachweisbar. Von China aus gelangten die Spielkarten nach Indien und Persien und von dort nach Europa. Von den älteren Spielkarten sind vor allem dem Adel vorbehaltene handbemalte Karten erhalten.

Einst wurden auf Spielkarten Steuern erhoben

Kartenmacher gibt es in Deutschland etwa seit dem Jahr 1400. Sie gingen in den großen Reichsstädten Nürnberg, Ulm und Augsburg ihrem Gewerbe nach. In der Kurpfalz wurde im 18. Jahrhundert mit Karten gespielt, die importiert wurden. Doch auch in Mannheim gab es mit Unterbrechungen bis 1932 eine Reihe von Kartenfabrikanten. Die letzte Spielkartenfabrik war die Firma ReoRex, die von 1929 bis 1932 ausschließlich Spielkarten aus Zelluloid herstellte.

Für die Kurpfälzische Regierung waren die Spielkarten als Einnahmequelle interessant, denn es wurden, wie in anderen Ländern auch, Steuern darauf erhoben. "In der Kurpfalz hatte die Spielkartensteuer einen ganz besonderen Zweck. Die Einnahmen kamen nicht in die Staatskasse, sondern flossen in den Hospital- und Waisenhausfond", erzählt Platz.

Mit 14 Jahren kam er bei der sonntäglichen Skatrunde der Familie erstmals mit Spielkarten in Berührung. "Neben dem Spiel, bei dem ich so manches Zehnerle verlor, weckte die Art der Spielkarten mein Interesse", erinnert er sich. Die Skatblätter sahen bei oberflächlicher Betrachtung zwar gleich aus, aber beim genauen Hinschauen konnte Platz durchaus Unterschiede erkennen.

Richtig ernst wurde es mit seiner Leidenschaft im Jahr 1994 bei einem Verwandtschaftsbesuch in der Nähe von Leipzig. Dabei stand auch ein Ausflug ins Spielkartenmuseum im Altenburger Schloss an und mit dem Kauf einiger Kartenspiele legte Platz hier den Grundstock für seine beachtliche Sammlung. "Das Sammeln wurde plötzlich zur Leidenschaft und ich machte alle Fehler, die man als Anfänger nur machen konnte", sagt Platz. Die wahllos gesammelten Bildkarten klebte er ohne rechtes System auf Kartons. "Das Ganze musste in einer Katastrophe enden."

1989 wurde er Mitglied der deutschen Vereinigung von Spielkartensammlern und -forschern "BubeDameKönig". Der Wendepunkt war der Besuch einer Messe 1995 in London, an der Kartensammler aus der ganzen Welt teilnahmen. Viele Gespräche gaben hier den Anstoß zur Spezialisierung, weil sich die Preise des Spielkartenmarktes auf einem sehr hohen Niveau eingependelt hatten.

Platz konzentrierte sich auf das Sammeln von Karten des Internationalen, angloamerikanischen Bildes, zu dem zum Beispiel Poker- und Bridge-Karten gehören. Auch sein Archivierungs-System änderte sich. "Da ich inzwischen knapp 2000 Spiele besitze, war eine systematische Archivierung natürlich zwingend erforderlich." Platz ist längst ein gefragter Experte für das Internationale Bild geworden. Seine regelmäßigen Publikationen sind fundiert und seine Vorträge werden von den Kartensammlern bei den Jahrestagungen der "BubeDameKönig"-Vereinigung gerne besucht.

Schon 1995 in London hatten die Kartensammler Platz nahe gelegt, eine Ausstellung mit Spielkarten aus der Kurpfalz zu konzipieren. Er fand die Idee interessant und befasste sich danach zumindest gedanklich damit. Es sollte allerdings noch 24 Jahre dauern, bis die Ausstellung "Spielkarten und Kartenmacher in Mannheim und der Kurpfalz" im Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen (rem) eröffnet wurde.

Die rem sind bekannt dafür, dass sie nur erstklassige Ausstellungen zeigen. Daher waren Peter Endebrock, Sigmar Radau und Jürgen Platz zurecht stolz über die Zusage, die Kartenausstellung vom 1. bis 30. Juni im Zeughaus zeigen zu können. Das Trio durchstöberte Bücher, las unzählige Ratsprotokolle und durchforste Stadt-, Landes- und Firmenarchive in der Kurpfalz. Es wurden Kartensammler kontaktiert und andere Museen gebeten, Leihstücke für die Ausstellung bereitzustellen. Von besonderer Qualität ist der Ausstellungskatalog.

Nachdenklich wird Platz, wenn er an die Zukunft der Kartensammlervereinigungen denkt. Junge Menschen interessierten sich kaum noch dafür. Die Vereinigung "BubeDameKönig" hat derzeit noch 90 Mitglieder, Nachwuchs sei nicht in Sicht. Platz’ Wunsch ist es daher, einen Teil der rem-Kartenausstellung auch einmal in Ladenburg zu zeigen. Die Ausstellungsräume des Lobdengau-Museums wären dafür sicher geeignet.

Jürgen Platz wäre sogar in der Lage, ein eigenes Spielkarten-Museum zu bestücken. Er sammelt nämlich nicht nur Spielkarten, sondern auch allerlei Kurioses rund um den Spielkartenbereich: Sammeltassen mit Spielkartenabbildungen, Krawatten, Kleidungsstücke, Aschenbecher oder Wandteller. Immer wieder besucht er Flohmärkte und Ausstellungen, um weitere Raritäten zu entdecken. Schnäppchen sind heute bei Spielkarten kaum noch zu machen. Bis zu 18.000 Euro zahlen Sammler für besondere Kartensätze. Bei solchen Summen muss Platz dann aber passen.

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