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Neckarbischofsheim: Beförderung in die Bundesliga

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Von Eric Schmidt

Neckarbischofsheim. Glückwunschtelegramme gab es nicht. Aber Glückwunschnachrichten und Glückwunsch-Whatsapps von Leuten, die Andreas Dörner zur Beförderung gratulierten. Auch die TTG Neckarbischofsheim freut sich für ihren Trainer, wenngleich sein Abgang natürlich schmerzt. "Der Verein kann es verstehen. Er kann nachvollziehen, warum ich gehe", sagt Dörner.

Der Tischtennis-Trainer macht den nächsten Schritt. Nach dreieinhalb Jahren bei den Frauen der TTG Neckarbischofsheim steigt der Erfolgscoach zur neuen Saison beim TTC 1946 Weinheim ein. Es ist ein Aufstieg. Statt Badenliga trainiert Dörner künftig Bundesliga, statt nach Gamshurst und Büchig geht es gegen Böblingen, Bingen und Berlin. Der 34-Jährige spricht von einer "interessanten Herausforderung".

Was ihm wichtig ist, klarzustellen: Dass er sich nicht wegbeworben hat. Dass er nicht fluchtartig das Weite sucht. "Ich habe mich nicht ins Schaufenster gestellt. Man ist an mich herangetreten und hat mit mir gesprochen", sagt Dörner. Was der Fachmann aus "Bischesse" kann, wissen die Kenner der Branche. Der TTC Weinheim, derzeit noch Zweitligist, hat den richtigen Zeitpunkt erwischt. Dörner steckt mit seiner TTG fest. Nach zwei Meisterschaften in Folge und dem Sprung von der Verbandsklasse in die Badenliga machte Corona weiteren Aufstiegen einen Strich durch die Rechnung. 2019/20 verhinderte ein Saisonabbruch nach 14 Spieltagen das erhoffte Upgrade, in dieser Saison war bereits nach vier Spielen Schluss. Der Fünf-Jahres-Plan, bis 2022 in die Regionalliga zu klettern, war damit nicht mehr zu erfüllen.

"Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass etwas, was ich mir im Tischtennis-Bereich vorgenommen habe, nicht funktioniert. Das hört sich jetzt vielleicht wie ein Luxusproblem an. Aber diese Zeit, die wir verloren haben, kannst du nicht mehr aufholen", erklärt Dörner. Der TTG-Coach hat bis zuletzt für sein Team gekämpft. Nach dem neuerlichen Abbruch hat er alle Oberligisten kontaktiert, um herauszufinden, ob sich irgendjemand mit Rückzugsgedanken trägt. Das Ergebnis seiner persönlichen Umfrage: Es scheint kein Plätzchen frei zu werden in Baden-Württembergs oberster Spielklasse.

Als klar war, dass die Hintertüren zur Oberliga verschlossen bleiben, begannen die TTG-Spielerinnen sich umzuorientieren. Melissa Friedrich? Die Topspielerin schlägt ab kommender Saison für die zweite Mannschaft von Dörners neuem Verein auf, dem Regionalligisten TTC Weinheim II. Victoria Merz? Die Nummer zwei sucht sich in der Nähe ihrer Heimat Abstatt einen Klub – möglich, dass sie für eine Herrenmannschaft in der Verbandsklasse oder Verbandsliga schmettert. Rebecca Merz? Die jüngere Schwester wechselt zur Neckarsulmer Sport-Union II in die Oberliga. Einzig Selina Rothengass bleibt der TTG erhalten; um sie herum will der Vorstand die neue Mannschaft zusammenstellen.

"Erst als feststand, was mit der Mannschaft passiert, habe ich mich auf etwas Neues eingelassen", erklärt Andreas Dörner. Dass seine Spielerinnen nach dem Frust des erneuten Saisonabbruchs andere Aufgaben suchen/ar.628522, kann der Stützpunkttrainer gut verstehen. Zu stark war die Mannschaft für die Badenliga, zu sehr unterfordert. 15 von 18 Spielen hat sie seit dem Aufstieg gewonnen, in dieser Saison hieß es im Schnelldurchgang je zwei Mal 8:0 und 8:1. Auf Dauer macht das weder Spaß noch Sinn. "Ich hätte niemandem guten Gewissens empfehlen können, weiter zu machen. Die Gefahr ist doch, dass jemand wie Melissa Friedrich die Lust, vielleicht auch den Ehrgeiz verliert", sagt Dörner. In Weinheim, davon ist der Trainer überzeugt, wird Friedrich das nicht passieren – sie "wird gefordert, aber nicht überfordert sein". "Sie kann mithalten. Wenn sie sich schnell an das Niveau gewöhnt, ist sie gut aufgehoben. Das passt auch von der Punktzahl."

Wie die TTG sich schlägt, wird er verfolgen. Er hofft, dass es in Neckarbischofsheim weiter gutklassiges Tischtennis zu sehen gibt – vielleicht in der Badenliga, vielleicht auch ein, zwei Klassen tiefer. Jetzt den Klub zu verlassen, fällt ihm schwer. Die TTG ist sein Heimatverein, hier hat vor 24 Jahren alles angefangen für ihn. "Es war ein Kampf Kopf gegen Herz", sagt Dörner. Der Verstand hat letztlich gesiegt – und gesagt: Geh.

Dörner freut sich auf das, was kommt. Ähnlich wie die TTG Neckarbischofsheim war auch der TTC Weinheim in der Vergangenheit unterfordert. Zwei Mal wurden die Weinheimerinnen Meister der 2. Liga, zwei Mal verzichtete der Verein aus organisatorischen Gründen auf den Aufstieg. Jetzt will er es wissen. Trainer Dörner stehen Spielerinnen aus Deutschland, aus der Ukraine und aus Belgien zur Verfügung, der Klassenerhalt ist das Ziel. Was die Arbeit attraktiv macht: Weinheim ist Tischtennis-Hochburg. Heimspiele finden in der Regel vor 200, 250 Schaulustigen statt, "das scheint ein Straßenfeger zu sein", grinst Dörner. Dass er nicht in der Weltgeschichte rumfahren muss, ist zusätzlich reizvoll. Die Bundesliga ist eine Liga der eher kürzeren Wege. Zwei Mal geht es nach Hessen, zwei Mal nach Bayern, zwei Mal ist man "zu Hause" in Baden-Württemberg unterwegs. "Das Weiteste ist Berlin", sagt Dörner und ergänzt: "Ich weiß nicht, ob ich 2. Liga gemacht hätte. Wenn eine Mannschaft jahrelang zu stark ist für eine Liga, bist du als Coach fast überflüssig. In der 1. Liga ist das nicht der Fall."

Trotz dieser Zäsur: Ganz verabschieden wird er sich nicht von der TTG. Er wohnt in Neckarbischofsheim, er wird hier hin und wieder mit Melissa Friedrich trainieren. Auch sein Spielerpass bleibt beim Verein. "Ich bin also immer noch da", sagt Andreas Dörner.

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