Bammental: Warum der Öffnungstermin der neuen Kita nicht zu halten ist
Von Benjamin Miltner
Bammental. Wenn es der Terminkalender als Bürgermeister zulässt, dann ist der passionierte Tischtennisspieler Holger Karl ab und an an der Platte zu finden. Eher ungewöhnlich ist es, dass er inmitten einer Gemeinderatssitzung ein "Ping-Pong-Spiel" startet. So beschrieb der Rathauschef selbst in der vergangenen Zusammenkunft das Wechselspiel zwischen ihm und Bauamtsleiter Oliver Busch, als es um die Vergabe von gleich sechs Gewerken für den Neubau der Kindertagesstätte im Sportzentrum ging. Die RNZ gibt eine Übersicht über die insgesamt rund 1,365 Millionen Euro schweren Aufträge sowie den aktuellen Zeitplan.
> Diese Gewerke sind unproblematisch: Jeweils zwei Angebote gingen für die Gerüstbauarbeiten und den Lüftungsanlagenbau ein. Die Firma Climatec aus Hockenheim übernimmt für rund 293.000 Euro die Lüftungsanlage, die Firma Burkart aus Rheinstetten für knapp 23.000 Euro den Gerüstbau. Keine Auswahl gab es für die Vergabe der Dach- und Abdichtungsarbeiten, der Putz- und Dämmarbeiten sowie den Einbau der Wärmeversorgungsanlagen. Hier hatten zwar mehrere Unternehmen die Ausschreibungen angefordert, aber nur jeweils eine Firma ein gültiges Angebot abgegeben. Die Firma Isobau aus Neuhofen kümmert sich für rund 227.000 Euro um das Dach und die Abdichtung, die Firma Stefan Jacobs aus Ottersheim für rund 25.000 Euro um den Putz und die Dämmung, die Firma Schuppler Heizungsbau aus Waghäusel für gut 488.000 Euro um die Wärmeversorgungsanlagen. Über das hierfür separat geplante Technikgebäude wird auch das gerade ebenfalls im Bau befindliche neue Vereinsheim des FC Bammental mitversorgt. Die Versorgung erfolgt per Erdwärme mit Sonde, wie Bauamtsleiter Busch auf Nachfrage von Ulf Höppner (Grüne) erklärte. Ab wann die Heizung vom FC genutzt werden könnte, konnte Busch Friedbert Ohlheiser (CDU/BV), Vorstandsmitglied des FC, nicht mit einem Termin beantworten. Alle fünf Gewerke vergab der Gemeinderat einstimmig.
> Diese Gewerke bergen Zündstoff: Gar kein Angebot erhalten hat die Gemeindeverwaltung für die von ihr ausgeschriebenen Arbeiten für Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen). Dies sei nicht dramatisch, wie Oliver Busch beruhigte. "Das Gewerk Sanitär ist erst ganz zum Schluss dran, da verlieren wir jetzt noch keine Zeit". Dringender war dagegen die Vergabe der Fensterbauarbeiten. "Hier sind wir zeitlich extrem angespannt", meinte der Bauamtsleiter. Da passte es gar nicht ins Bild, dass die Gemeinderäte ausgerechnet bei diesem Gewerk Unmut äußerten. Der Knackpunkt: Die Fenster sollen laut Ausschreibung komplett aus Holz sein. Klingt bei einem Holzbau zunächst einmal nicht erstaunlich, wurde aber von Ulf Höppner (Grüne) und Rainer Stetzelberger (CDU/BV) stark kritisiert. Sie befürchten hohe Wartungskosten, die im Vergleich zu einem Fenster mit Aluminium- oder Kunststoffrahmen langfristig weit teurer kommen könnten. "Ich bin natürlich für Holz – aber außen ist das Quatsch", sprach Dachdeckermeister und Holzfachmann Stetzelberger Klartext. Wie später auch Sara Murswieck (Grüne) kritisierte er, dass die Verwaltung die Gemeinderäte wieder einmal vor vollendete Tatsachen stelle. "Wir können nicht A ausschreiben und dann B machen", schloss Albrecht Schütte (CDU/BV) eine Änderung der Fensterrahmen aus. Mangels Alternativen beschloss eine Mehrheit – bei zwei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen – die Arbeiten für knapp 309.000 Euro an die Firma VHB-Memmingen zu vergeben.
> Dieser Termin wird für die Eröffnung angepeilt: Die Einweihung der neuen Kita für zunächst 30 Kinder unter und 45 Kinder über drei Jahren war für Beginn des kommenden Schuljahres – also September 2020 – geplant. War, weil dieser Termin nicht mehr haltbar ist. Auch nicht November, wie die Planer noch in den vergangenen Monaten hofften. "Der neue Bauzeitenplan sieht April 2021 für die Fertigstellung vor", erklärte Bürgermeister Holger Karl gestern auf RNZ-Nachfrage. Der Bauamtsleiter betont: "Wir versuchen natürlich dennoch eine Betreuung so schnell es geht möglich zu machen." Da kommt das evangelische Gemeindehaus ins Spiel. Dort sind aktuell 20 Kinder aus der Kita des Familienzentrums untergebracht – zum zweiten Mal in diesem Jahr nach dem zweiten Wasserschaden. Läuft alles nach Plan, dann sollten diese beiden Gruppen nach den Schulferien wieder ins frisch sanierte Familienzentrum zurückkehren – und das Gemeindehaus zur Notunterkunft für die nächsten Kinder werden. Dort soll laut Bürgermeister Karl der im Familienzentrum tätige Verein Kinderreich ab Oktober ein oder zwei weitere Kita-Gruppen eröffnen und diese bis zur Fertigstellung der Kita im Sportzentrum betreuen.

