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Sportkreis Sinsheim: Barrierefreies Miteinander

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Von Eric Schmidt

Sinsheim-Hilsbach. Unüberwindbare Hindernisse? Die gab es nicht. Vom Parkplatz konnte Matthias Schilling mit dem Rollstuhl direkt zum Eingang fahren, von dort ging es bequem über eine Rampe ins Vereinsheim des SV Hilsbach, wo der Jahresempfang des Sportkreises Sinsheim stattfand. Keine Treppen, keine Stufen, keine Barrieren: Schilling, der Tischtennisspieler der TTG Neckarbischofsheim, kam problemlos an beim Sportler- und Funktionärstreffen. "Es wäre auch schlecht gewesen, bei einer solchen Veranstaltung nicht barrierefrei zu sein", erklärte Willi Ernst, der stellvertretende Sportkreis-Vorsitzende.

Inklusion hieß das Thema des Jahresempfangs. Und so passend wie der Ort, so sprechend waren die Gäste. Der Sportkreis würdige am Sonntag all jene Vereine, die sich dem "Sport für Alle", dem Sport mit und ohne Handicap, verschrieben haben. Dass viel getan wird in dieser Hinsicht, zeigte die lange Liste der Preisträger. Insgesamt sieben Klubs und Einrichtungen konnten die Verantwortlichen um Sportkreis-Chef Josef Pitz mit einer Prämie belohnen.

"Eigentlich ist das Thema nicht neu. In den 50er-Jahren mussten Kriegsversehrte in die Vereinsarbeit eingegliedert werden", erklärte Pitz in seiner Begrüßung. Doch in der Folgezeit hätten sich vor allem Jüngere mit dem Thema schwer getan. Dass es anders geht, zeigen etliche positive Beispiele, unter anderem die TTG Neckarbischofsheim. Der Tischtennis-Gemeinschaft bietet seit ihrer Gründung Sport für alle an. "Bei uns gab es Inklusion, bevor man überhaupt wusste, was Inklusion ist", sagt Holger Steuerwald, der TTG-Vorsitzende, und verweist auf die Anfänge. Gründungsmitglied Helmut Hauck habe ein Glasauge gehabt, Toni Knöbl sei beinamputiert gewesen. "Er hat die Krücke unters Bein gemacht und dann gespielt", so Steuerwald. Und dann ist da Matthias Schilling. Schilling, seit einem Arbeitsunfall vor 30 Jahren querschnittsgelähmt, nachdem er bei einem Arbeitsunfall vom Dach sechs Meter in die Tiefe stürzte, spielt seit 1993 Tischtennis in Neckarbischofsheim. Derzeit schlägt er für die vierte Mannschaft in der B-Klasse und für die "Dritte" in der A-Klasse auf - er im Rollstuhl, die anderen als "Fußgänger", wie der 53-Jährige es nennt.

Warum er in Neckarbischofsheim anfing mit dem Tischtennis? "Ich habe geschaut: Wo ist eine Halle ohne Barriere?", antwortet Schilling. Die Grundschulturnhalle bietet gute Voraussetzungen für Rollstuhlsportler, und so machen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung gemeinsame Sache - etwa am Samstag, 21. April, wenn bei der TTG ein Grümpelturnier unter dem Motto "Sport für Alle" steigt. "Inklusion ist eine Bereicherung für den Sport und für uns", erklärt Holger Steuerwald.

Ähnlich positive Erfahrungen machen der TSC Rot-Gold Sinsheim mit dem Rollstuhltanz von Petra-Alexandra Lessmann, der TV Eppingen mit seinen Inklusionsangeboten und die Schützengemeinschaft Daisbach. Die SG hat zwei Schützinnen mit geistiger Behinderung in ihren Reihen - Schützinnen, die außerdem stark sehbehindert sind. Zunächst ließ der Verein die beiden auf die größeren Zehn-Zentimeter-Pistolen-Scheiben schießen, inzwischen zielen sie auf die kleinen 5-Zentimeter-Luftgewehr-Scheiben. "Am Anfang hat ihnen kaum jemand etwas zugetraut. Jetzt kann eine sogar bei den Wettkämpfen mitmachen. Beide wollen nur noch schießen", freut sich Oberschützenmeister Detlef Bohmert. Wichtig, so Bohmert, sei es, Menschen mit Behinderung in die Vereinsarbeit einzubinden. "Da werden sie dann ganz normal behandelt."

Sport macht Spaß, Sport tut gut. Helmut Pobiruchin ist Übungsleiter bei der Lebenshilfe Sinsheim. Spazieren gehen, Schwimmen, Fußball: Jeden Donnerstag nutzen die 60- bis 83-Jährigen mit großer Begeisterung ein sportbegleitendes Angebot -- dass im Fußball-Training U23-Kicker der TSG Hoffenheim mit von der Partie sind, kommt besonders gut an. "Es ist ein Gewinn für alle", sagt Pobiruchin und bedankt sich bei der TSG für die Mithilfe. Überhaupt Hoffenheim. Ein Paradebeispiel für gelungene Inklusion ist Anpfiff Hoffenheim, vor allem im Sitzvolleyball geht es rund. "Sitzvolleyball ist ein echter Inklusionssport. Mittlerweile haben wir zwei Mannschaften", erklärt Anpfiff-Vorsitzender Dietmar Pfähler. Was reizvoll ist: "Sitzvolleyball ist ein Sport, in dem Menschen ohne Behinderung leicht benachteiligt sind gegenüber Menschen mit Behinderung."

Das Miteinander bei der Inklusion lohnt sich: Je 200 Euro Preisgeld bekamen die Vereine für ihr Engagement überreicht. Es ist nicht das letzte Wort. Der Sportkreis Sinsheim wird den "Sport für Alle" weiter forcieren, genauso wie das Förderprogramm "Neue Wege im Sport", wo der SV Sinsheim den Hauptpreis gewann (wir berichten morgen). Bei allen positiven Nachrichten: Nicht überall verläuft Inklusion harmonisch. "Spieler mit Behinderung werden bei manchen Fußballvereinen auch mal niedergemacht, wenn ein Pass nicht gerade kommt. Da muss ein Umdenken stattfinden", sagt Andreas Kaiser, der Sportmittler im Sportkreis. Auch in Sachen Sportstätten ist längst nicht alles Gold, was glänzt: "Bei 90 Prozent der Hallen in der Eingang barrierefrei. Das Problem ist der Sportlereingang", erklärt Rollstuhlsportler Matthias Schilling, der weiß: "Selbst in neuen Hallen gibt es manchmal steile Treppen, wenn man in die Kabine will."

Preisträger "Sport für Alle": SG Daisbach, TV Eppingen, TTG Neckarbischofsheim, TSC Rot-Gold Sinsheim, Lebenshilfe Sinsheim, Anpfiff Hoffenheim, SV Sinsheim

Preisträger "Neue Wege": SV Sinsheim

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