Skilanglauf bei Olympia: Gleiche Strecke für Männer und Frauen – "dumm"
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Der Skilanglauf zählt zu den traditionsreichsten Sportarten bei den Olympischen Winterspielen. In diesem Jahr laufen Männer und Frauen die gleiche Distanz. Eine gute Idee? Von den Olympischen Spielen berichtet Benjamin Zurmühl Die erste Woche der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo ist vorbei, die zweite steht an. Und die bietet noch einige Höhepunkte, darunter das Olympia-Debüt der Sportart Skibergsteigen. Zum ersten Mal in der Geschichte werden hierfür Gold, Silber und Bronze verliehen. Der Skilanglauf zählt hingegen zu den Sportarten, die schon bei den ersten Olympischen Winterspielen 1924 dabei waren. In diesem Jahr aber gibt es eine entscheidende Veränderung: Männer und Frauen absolvieren im Skilanglauf die gleiche Distanz. In Peking liefen vor vier Jahren die Frauen noch 10, 15 und 30 Kilometer über die längeren Distanzen, die Männer 15, 30 und 50 Kilometer. Im italienischen Tesero sind es nun für beide Geschlechter 10, 20 und 50 Kilometer. In der Staffel waren es zuvor 5 Kilometer (Frauen) oder 10 Kilometer (Männer), nun müssen alle Athletinnen und Athleten 7,5 Kilometer hinter sich bringen. Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vor wenigen Jahren wurde als Schritt in Richtung Gleichstellung gewertet, gleichzeitig aber auch mit Skepsis beäugt. Die deutsche Skilangläuferin Victoria Carl, die in Italien wegen eines positiven Dopingtests gesperrt ist, war zwiegespalten. "Im Grunde genommen finde ich die Änderung nicht schlecht. Ich finde es vor allem im Skiathlon richtig gut", sagte sie auf der einen Seite. Der Skiathlon ist die 20-Kilometer-Distanz, die zuvor noch 15 Kilometer hatte. "Aber was ich mich frage, wie lang wir dann bei einem 50 Kilometern brauchen, weil wenn da die Jungs, wenn schlechte Bedingungen sind, schon bis zu drei Stunden brauchen, dann sind wir bis zu vier Stunden unterwegs. Da frage ich mich, welcher Zuschauer guckt sich das an?", zitiert "xc-ski.de" die deutsche Olympiasiegerin. Schon bei den 30-Kilometer-Rennen seien regelmäßig Athletinnen im Ziel zusammengebrochen. Nun müssen sie im großen Finale am letzten Tag der Spiele 20 Kilometer mehr absolvieren. Der Trainer der Norwegerin Kristine Stavås Skistad, Lage Sofienlund, war sogar noch weitaus kritischer. Dem norwegischen TV-Sender NRK sagte er vor dem Start der Spiele: "Ich finde es einfach Unsinn, dass Frauen und Männer die gleiche Strecke laufen sollen." Sein Argument: Nicht die Strecken sollten gleich sein, sondern die Rennzeiten. Das wäre das Fairste, um auch den physischen Voraussetzungen gerecht zu werden. Bloß keine Veränderung im Biathlon Die Biathletin Karoline Knotten hält von der Entscheidung für ihre olympischen Kolleginnen im Langlauf nichts. "Das ist dumm. Man sieht, dass die Frauen im Sprint nun mehr als vier Minuten brauchen. Für die 50 Kilometer brauchen die Frauen über eine Stunde mehr als Männer", sagte sie nach dem Biathlon-Einzel der Damen in der Mixed Zone in Antholz. "Wenn du das auf die Saison hochrechnest, laufen die Frauen sehr viel länger als die Männer. Die Sportart verliert meiner Meinung nach an Wert. Vorher war es besser", fügte die Norwegerin an. Was wäre aber mit einer Anpassung im Biathlon? "Davon halte ich gar nichts", stellte Dorothea Wierer klar. "Für uns ist es okay, wie es ist. Wir haben auch noch eine Waffe auf dem Rücken", so die Italienerin. Im Skilanglauf gebe es zudem Spezialisten für Sprint und Langdistanzen, die nicht bei allen Rennen an den Start gehen. Das gibt es beim Biathlon nicht. Gleiche Distanzen im Biathlon? Davon hält auch Olli Hiidensalo nichts. "Im Biathlon wurde früh genug entschieden, es für Männer und Frauen fair zu machen. Mir gefällt es, dass wir die Sportart in dieser Form bewahren und nicht die Frauen zehn Kilometer sprinten lassen oder unsere Strecke verkürzen", sagte der finnische Biathlet im Gespräch mit t-online in Antholz und ergänzte: "Ich meine, warum müssen die Frauen im Skilanglauf jetzt 50 Kilometer laufen? Das ergibt keinen Sinn." Eklat bei Olympia : "Fehler, der nicht passieren darf" Wo steht Deutschland? Der Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele 2026 Felix Bitterling, Sportdirektor für Biathlon des DSV, würde an seiner Sportart ebenfalls nichts verändern. "Im Biathlon sind die Geschlechter sehr ausgewogen. Sei es mit Quoten, sei es mit der Zahl der Wettkämpfe, sei es mit Preisgeld. Ich glaube, dass es gut so ist, wie es ist", erklärte der 48-Jährige t-online. "Ich glaube auch, dass niemand in irgendeiner Form im Biathlon benachteiligt wird." Und weiter: Wenn wir eine Umfrage im Biathlon machen würden, dann würde es die starken Läuferinnen geben, die würden es natürlich gut finden, weil sie ihre Stärke weiter ausspielen könnten. Aber wir sind im Biathlon, und das Schießen sollte schon eine zentrale Rolle spielen." Bisher gibt es ohnehin keine solchen Gedankenspiele, die Distanzen anzupassen. Und die Meinungen unter den Biathletinnen und Biathleten wirken zumindest nach einigen Gesprächen ziemlich einhellig – und sollten vor allem Langlauftrainer Lage Sofienlund gefallen: Die gleichen Rennzeiten sind fair, nicht die gleichen Distanzen.

