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Olympia: Sven Hannawald über Nachwuchsproblem im Skispringen

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Österreich hat viele Nachwuchstalente. Auch der Pole Kacper Tomasiak stach zuletzt heraus. Doch wie steht es um den deutschen Nachwuchs abseits von Philipp Raimund? Aus Predazzo berichtet Melanie Muschong Philipp Raimund ist mit seinen 25 Jahren der jüngste Athlet im A-Kader der deutschen Skispringer. In Predazzo hat sich der DSV-Adler bereits zum Olympiasieger von der Normalschanze gekürt und könnte am Samstagabend auch von der Großschanze noch Edelmetall gewinnen. Raimund sticht mit seinen Leistungen heraus und wird Deutschland in den kommenden Jahren sicher noch viel Freude bereiten. Doch wie sieht es abseits von ihm eigentlich im deutschen Skisprung-Nachwuchs aus? Es gibt aktuell keinen Namen, der sich aufdrängt wie beispielsweise bei den Österreichern, die mit dem 20-jährigen Stephan Embacher und dem 23-jährigen Daniel Tschofenig bereits Springer haben, die sich mit den ganz Großen duellieren und auch Erfolge liefern. Auch Polen hat mit dem 19-jährigen Silbermedaillengewinner von der Normalschanze, Kacper Tomasiak, ein sehr vielversprechendes Nachwuchstalent in den Startlöchern für die Zukunft. Müssen sich die Deutschen Sorgen machen? "Einfach unglaublich": Der Held der Olympischen Spiele Sportart vor dem Aus? Olympia-Stars kämpfen um ihre Existenz "Chaotisch" und "magisch": Die Eindrücke der Fans bei den Olympischen Spielen "Österreich ist da schon die große Ausnahme" Beim Blick auf den Saisonverlauf fällt auf, dass sich zwar Felix Hoffmann bei den Besten etablieren konnte. Allerdings ist Hoffmann mit seinen 28 Jahren älter als Raimund. Mit Ben Bayer war kurz ein Nachwuchstalent dabei und durfte in Engelberg sein Weltcup-Debüt feiern. So richtig nutzte der 21-Jährige seine Chance jedoch nicht. Bayer landete auf dem 38. Rang und war dann noch einmal bei der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen dabei, wurde 43. In Sapporo Ende Januar durfte Bayer sich erneut im Weltcup präsentieren und landete auf dem 47. Rang. Auch der 19-jährige Max Unglaube kam bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen in der Qualifikation nicht über Platz 60 und 65 hinaus. Der 21-jährige Adrian Tittel hatte zuletzt im Continental Cup, der zweithöchsten Klasse, seine Probleme. Deutschland hat zwar Nachwuchstalente, doch andere Nationen sind dem DSV-Team beim Thema Nachwuchs voraus. Das Problem ist bekannt. DSV-Sportdirektor Horst Hüttel sagte im Januar im Rahmen der Tournee: "Das beschäftigt uns enorm, das kann uns nicht zufriedenstellen, definitiv. Deswegen ist es auch so, dass ein paar Dinge bei uns intern hinterfragt werden müssen. Warum ist es uns nicht gelungen, in den letzten Jahren jüngere Leute so in eine Ausgangsposition zu bringen wie den Felix im Moment?" Das Problem müsse analysiert und in den nächsten Jahren verbessert werden. Dass das gelingen kann, glaubt Martin Schmitt . Der Eurosport-Experte bei den Olympischen Spielen sieht die Nachwuchsprobleme nicht nur in Deutschland. "Jeder hat die Schwierigkeiten – Österreich ist da schon die große Ausnahme. Österreich kann aus dem Vollen schöpfen und bestimmt das Geschehen im Continental Cup und Fis Cup (dritthöchste internationale Klasse, Anm. d. Red.). Es ist schon beeindruckend, was Österreich für eine Breite aufgebaut hat", so der 48-Jährige zu t-online. Er fügt an: "Ich bin für Deutschland gar nicht so negativ. Wir hatten wieder eine Siegleistung im Alpencup, das muss man auch sehen. Es entwickelt sich schon was, aber das braucht einfach ein bisschen Zeit." Prozess auf die nächsten Jahre ausgelegt Beim Alpencup handelt es sich um eine internationale Nachwuchsserie. Eine ähnliche Meinung wie Schmitt hat der Vierschanzentourneesieger der Saison 2001/02, Sven Hannawald . Der 51-Jährige sagt im Interview mit t-online: "Es gibt sicher noch Talente im Sport und ich sehe das erst einmal positiv, was die Zukunft angeht." Er erklärt: "Man hat nun von Verbandsseite ein klares Reglement, das den Weg des Reinwachsens erleichtert. Nationen haben unterschiedliche Voraussetzungen, aber in Gesprächen ist es auch zum Beispiel in Österreich so, dass man Nachwuchstalente hat, aber es trotzdem auch weniger werden." Schmitt meint zudem, dass die deutsche B-Mannschaft auf "einem ganz guten Weg für den Weltcup" sei, das habe man gesehen. Der Prozess sei auf die nächsten Jahre ausgerichtet. Es fällt jedoch auf, dass Springer wie Bayer, Unglaube oder auch Tittel – der in der Saison 2024/25 mehrere Weltcup-Einsätze hatte – sich schwertun, wenn es darauf ankommt. "Wenige dabei, die noch dahin wollen, wo es auch schmerzt" Für Hannawald könne das auch daran liegen, dass die jungen Springer schneller zufrieden seien, wenn sie in der ersten Mannschaft sind: "Es sind wenige dabei, die noch dahin wollen, wo es auch schmerzt. Du bist in Deutschland aktuell auch mal zügig in der ersten Mannschaft und im Weltcup." Doch die Skisprung-Ikone betont: "Der Weg von der ersten Mannschaft in die Weltspitze nach vorne tut weh, und das ist ein Generationenthema. Man merkt, dass den Aufwachsenden viel abgenommen wird und sie daher von vornherein nicht lernen, was Durchsetzungsvermögen bedeutet." Für Hannawald fange dies bereits mit dem Sportsystem in Schulen an. Der Ex-Skispringer hält es nicht für den richtigen Weg, dass Kinder und auch Jugendliche erfolgsunabhängig belohnt werden. Er sehe die Entwicklung auch anhand seiner eigenen Kinder und erzählt: "Bei den Bundesjugendspielen bekommt jeder eine Urkunde und eine Medaille, das geht mir schon auf den Zeiger." Beim Schulwettbewerb gibt es Teilnehmer-, Sieger- und Ehrenurkunden. "Das kann es nicht sein" Hannawald meint weiter: "Wenn wir mit meinem Kleinen auf einem Fußballturnier sind, dann steht von Beginn an fest, dass es eine Medaille gibt." Es sei zwar schön, dass jeder etwas bekomme. Er habe allerdings das Gefühl, dass man für die Medaille zum Teil nicht einmal anreisen müsse und sie auch zugeschickt bekommen würde. "Das kann es nicht sein. Die Kinder lernen nicht mehr, was verlieren bedeutet", so der Team-Olympiasieger von 2002. Er selbst habe früher zwar auch nicht gerne verloren. "Aber ich habe auch fürs höhere Alter gelernt, wie man mit Niederlagen umgeht. Heute geht man jeder Niederlage aus dem Weg", was dazu führe, "dass man eigentlich nichts macht", so Hannawald. Er könne und wolle jedoch keinem Trainerteam einen Vorwurf machen und glaubt, dass er selbst davon genauso betroffen wäre, wäre er heute aktiver Skispringer. "Ich denke langsam, dass es eine Generationsfrage ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Nachwuchsspringer noch weiterwollen. Sie sind da, sie schwimmen mit, sie geben ihre Interviews, aber abseits von Philipp Raimund habe ich bei der aktuellen Generation nicht den Eindruck, dass sie nach vorne will." Die Generation darunter würde einen zufriedenen Eindruck machen. "Es ist eine Art Weckruf" Hannawald ist der Meinung, dass das System geändert werden müsse. "Ein Trainer darf ruhig auch mal sagen, dass es scheiße war. Natürlich ist Lob immer wichtig, aber am Ende muss man mit Feingefühl mitgeben, dass gewisse Sachen einfach nicht gehen", so der zweifache Weltmeister. Wenn er selbst einen Springer kritisiere, sei das auch nichts Persönliches. "Es ist eine Art Weckruf für denjenigen, dass die Zeit nicht stehen bleibt", meint Hannawald und erklärt: "Kritik ist nicht das, was ich gerne entgegennehme, aber auch zu unserer Zeit gab es viel Kritik. Man muss sich dem stellen. Man muss aber auch gelernt haben, wie man damit umgeht und wie man es richtig umsetzt." Hannawald weiß, wovon er spricht. Er hat das Skispringen in Deutschland populär gemacht – und wartet darauf, dass ein junges Talent auf ihn als Tourneesieger folgt.

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