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SGK-Faktencheck: Brot statt Böller?

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In der 325. Folge unserer beliebten Serie „SGK-Faktencheck“ nehmen wir heute einen seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts populären Mythos unter die Lupe. Unter dem griffigen Slogan „Brot statt Böller“ suggerierte ursprünglich die evangelische Kirchengemeinde in Bargteheide, dass Backwaren, vornehmlich aus Weizen- oder Roggenmehl, geeignete Substitute für Pyrotechnik darstellen.

Urban Legend oder realer Hintergrund?

Zunächst stellt sich hier die Frage, ob ein traditionelles, in nahezu allen Kulturen verbreitets Nahrungsmittel wie Brot tatsächlich in der Lage ist, nennenswert umzusetzen. Erste Hinweise lieferten einige bisher wenig erforschte, unscheinbare Details des „Teppich von Bayeux“. Mit Hilfe modernster Restaurationsmethoden und Bildgebungstechniken lassen sich heute feinste Strickereien als das deuten, was in mittelalterlichen Handschriften von den zeitgenössischen Verfassern als „Pain de foudre et de tonnerre“ bezeichnet wurde. Frei übersetzt etwa „Blitz und Donner Brot“.


Fast tausend Jahre sollte es dann dauern, bis der deutsche Chemiker Ludwig Kaul (Hauptwerk: „Atomenergie und Weltallkräfte“) im Jahr 1923 einen wissenschaftlichen Aufsatz mit dem Titel „Sprengbrot und Knallsemmel“ veröffentlichte, in dem die chemischen und mikrobiologischen Grundlagen der Explosivbackwaren dargelegt wurden.

Auszug aus „Sprengbrot und Knallsemmel“; Ludwig Kaul, 1923:

Die chemischen Grundlagen der explosiven Sprengkraft von normalem Mischbrot – eine Analyse der Detonationsmechanismen

In einer bahnbrechenden Veröffentlichung im Journal of Applied Gastrochemistry & Energetics (Band 47, April 1923) beschreibt das interdisziplinäre Forscherteam der „Internationalen Brot-Explosions-Forschungsstelle“ (IBEF) erstmals die vollständige Reaktionskette, die ein handelsübliches Mischbrot (Roggen-Weizen-Mischung, 70:30) in eine hochenergetische Sprengladung verwandelt.

Die entscheidenden Prozesse laufen in drei streng gekoppelten Phasen ab:

1. Fermentative Peroxid-Bildung Während der Teigruhe hydrolysiert die endogene Amylase die Stärkeketten zu Glucose und Maltose. Die Backhefe (Saccharomyces cerevisiae) katalysiert anschließend nicht nur die klassische alkoholische Gärung (…)

Nach diesen heute nahezu vergessenen Erkenntnissen müsste es demnach tatsächlich möglich sein, sich aus der Abhängigkeit von importiertem Feuerwerk zu lösen und dieses nahezu vollständig durch heimische Teigwaren zu ersetzen. Was aber noch fehlte, war der reproduzierbare Praxistest um zu beweisen, dass sich die Bartgeheider Protestanten vor über 40 Jahren mit ihrem Slogan durchaus auf dem Boden der Wissenschaft befanden.

Der Test

Wie immer beim „SGK-Faktencheck“ wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, um nicht nur unseren Mitgliedern Antworten mit Hand und Fuß zu liefern. Beziehungsweise mit Krume und Kruste. So wurden diverse Semmel- und Brotvarianten von ortsansässigen Bäckereinen beschafft und zum Vergleich Supermarkt-Ware. Alle Backstücke wurden mit einheitlich langen Anzündschnüren versehen und diese unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften entzündet. Das nachfolgende Video mit einem „Lausitzer Krüstchen“ steht exemplarisch für fast alle getesteten Knallsemmeln:

Kleinbackwaren der Klasse F2 im Praxistest auf dem SGK-Testgelände für Explosivstoffe

Fazit und Sicherheitsempfehlung

Die Aussage „Brot statt Böller“ ist zutreffend. Abgesehen von wenigen Sorten Milchbrötchen, vermutlich infolge der emotionalen Instabilität laktosefreier Milch, sind nahezu alle Brotsorten und Semmelvariationen in der Lage, Böller zu ersetzen. Es bleibt festzuhalten:

Die freigesetzte Reaktionsenthalpie beträgt ca. 3,8 MJ/kg – vergleichbar mit handelsüblichem TNT. Durch die poröse, schaumartige Brotstruktur erfolgt eine extrem schnelle Deflagration-to-Detonation-Transition (DDT). Die Druckwelle breitet sich mit 2.800–3.200 m/s aus und erzeugt einen charakteristischen „Brotblitz“ mit einer typischen Pilzwolke von 1,2–1,8 m Durchmesser.

Ein normales 1-kg-Mischbrot besitzt somit die Sprengkraft von rund 800 g TNT. Wir raten daher dringend:

  • Brot ausschließlich in explosionssicheren Behältern (Typ B-7 nach DIN 4714-9) lagern
  • niemals toasten, schneiden oder in die Nähe von offener Flamme bringen
  • bei Verdacht auf „ruhendes Mischbrot“ sofort den Sprengmeister der örtlichen Feuerwehr alarmieren.

Musikalisch umrahmte Demonstrationssprengung

Gerne laden wir unsere Mitglieder und interessierte Bürger ein, am heutigen Mittwoch ab 14.14 Uhr auf unserem Feuerwaffenschießstand einer Demonstrationssprengung mit Kürbiskern- und Mohnbrötchen beizuwohnen. Der Eintritt ist frei und wie immer warten Schnittchen, Freibier und in den Sprengpausen musikalische Darbietungen des Kamenzer Kammblasorchesters auf unsere Gäste.

Promofoto: 1. Kamenzer Kammblasorchester 1977 e. V.

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