Corona und das Vereinsleben
Wer hätte das gedacht, dass wir im Jahre 2020 ein solches Desaster erleben. Ja von Corona haben wir Ende 2019 schon mal gehört. China, ja fast alles kommt aus oder von China. Wir hatten da ja bereits einmal Sars, Mers, Schweinegrippe, Vogelgrippe und alles schien dramatisch zu sein und doch kamen wir bei allen Epidemien glimpflich oder überhaupt gänzlich davon. Nun mit Corona ist alles anders, Corona ist hochansteckend und verbreitet sich in Windeseile auf der ganzen Welt, produziert Mutationen und dies, weil die Menschheit die Welt bereist wie noch nie zuvor.
Kurzum verordneten die Regierungen auf der ganzen Welt im Frühjahr 2020 einen generellen Lockdown. Alles stand mehr oder weniger still. Läden welche nicht zur Grundversorgung gehörten wurden geschlossen, Restaurants mussten ebenso schliessen und dabei kam eben auch das Vereinsleben unter die Räder. Meisterschaften wurden abgebrochen oder konnten nicht mehr fertiggespielt werden, Zuschauer wurden keine mehr zugelassen, sogar Outdoorsportarten wie Golf, Schiessen und Tennis wurden verboten. Alle waren betroffen, die Stadtschützen Bern wie eben auch die Gruppe Delli.
Unsere Gruppe wurde bekanntlich 1932 von ein paar Enthusiasten gegründet und existiert nun mehr schon seit 88 Jahren. Der Mitgliederbestand beträgt heute 23 Schützinnen und Schützen, Aktive wie Passive, Gewehrschützen wie Pistoleros. Das Gruppenleben findet jeden letzten Dienstagabend im Restaurant Della Casa, im legendären Delli Stübli statt. Wir diskutieren über vergangene und zukünftige Schiessanlässe, über Politik, über die Stadt Bern, über die Veränderungen der Bürger und Bürgerinnen im Laufe der Zeit. Eben bis im März war das jedenfalls so. Da begann der grosse Lockdown in der Schweiz und fast alles stand still. Für die Gruppe Delli fand ich die einzig gangbare Lösung, keine Zusammenkünfte mehr, die Höcks im Restaurant waren ja eh nicht mehr möglich, Informationen via Mail und ja, abwarten. Im Sommer wurden diverse Massnahmen seitens des Bundes und der Kanton gelockert bzw. aufgehoben und wir trafen uns im August in einem kleinen Rahmen zum ersten Höck im Delli Stübli. Viele Dellianer mussten aufgrund ihres Alters und dem Risiko ihre Teilnahme absagen. Wir wurden von den Angestellten des Della Casa ganz herzlich empfangen, wie Sie auf dem Bild ersehen können. Schlussendlich gab es nicht viel zu diskutieren, höchstens eben über Corona, da das Schiesswesen praktisch vollständig zum Erliegen gekommen ist. Der September Höck fand auch statt, aber eben aus bekanntlichen Gründen sehr reduziert. Die Fallzahlen stiegen an, je länger je rasanter. Als Obmann musste ich wohl oder übel, trotz offenen Restaurants, die ganzen Höcks wie auch das Weihnachtsessen, zu Gunsten der Gesundheit aller, absagen. Also wird weiter schriftlich und telefonisch kommuniziert bis sich die ganze Lage normalisieren wird. Nun mittlerweilen haben wir Februar 2021. Die Situation hat sich wieder zugespitzt, der Bundesrat hat wieder einen Lockdown verordnet, die Restaurants und die Läden mussten erneut schliessen und die Gruppe Delli blieb einmal mehr, eben auch zu Hause. Die Regularien welche unsere Gruppe jeweils im Januar, mit einem gemeinsamen Nachtessen durchführt, wurden das erste mal in der Geschichte via Internet abgehandelt. Wer hätte das gedacht! Nun Aussicht auf Besserung ist zwar in Sicht, aber keiner weiss ab wann diese Erleichterungen kommen werden. Alle sind coronamüde und möchten sich wieder freier bewegen. Doch steht allen noch eine Herkulesaufgabe bevor, die Impfung! Hoffnung und Segen für Alle? Wer weiss. Vor allem offenbart sich nun das Problem mit der Beschaffung, denn die ganze Welt will und die wenigsten können das begehrte Vakzin in diesen hohen Mengen beziehen. Dazu kommen noch die Unzulänglichkeiten der Behörden wie die ganze Gesellschaft geimpft werden soll. Man wurde überrascht (!), das sagen die einen, die anderen sagen sie haben es verpennt. Ich gehöre zu den anderen. Nach dem Motto: Die Hoffnung stirbt zu Letzt, sehen wir einem Ende des Lockdowns entgegen, wenn auch dieses Jahr noch mit Einschränkungen. Die Stadtschützen wollen wieder aktiv werden, dem Schiesswesen frönen und das Gesellschaftliche und die Freundschaften pflegen. In diesem Sinne «Gut Schuss» und gute Gesundheit an Alle.
Martin Häfeli
Obmann der Gruppe Delli
Stadtschützen Bern
30.04.2021 / Victor Maeder

