80 Jahre Pirat – ein Kreis hat sich geschlossen
von Carsten Jansen
Ein Kreis hat sich geschlossen!? Da werden sich einige Leser (wenn der Bericht denn überhaupt gelesen wird) fragen: Warum?
Ja, warum.
Da muss ich etwas weiter ausholen in das Jahr 1985. Da sind nämlich Titus (Dietrich Rist) und ich mit meinem damaligen Boot Pirat 2207 nach Ungarn gefahren, um dort an der Ungarischen Meisterschaft teilzunehmen. Eingefädelt hatte das Manuel Stiff aus Münster, der nach einigen Briefkontakten ab 1981 beginnend, dann einige Male bei uns in Güstrow war und sich daraus eine interessante Freundschaft entwickelte, die bis heute anhält. Nun also nach Ungarn ohne Erlaubnis des DTSB, die wir benötigt hätten. Am Start waren außer Ungarn auch Schweizer, Österreicher, Tschechoslowaken und halt wir. Manuel hatte uns ein Westrigg mitgebracht, das wir auf unser Boot bauten, mit Mastklotz unterm Mast, da die Böden ja bekanntlich etwas anders gestaltet sind (selbstlenzend - also höher). Damit segelten wir dann die Ungarische Meisterschaft und belegten unter fast 90 Piraten einen Platz irgendwo im Mittelfeld. Das Entscheidende aber war, dass wir auch die Führung der Piraten aus der Bundesrepublik kennenlernen sollten, was wir auch taten. Frank Soltau als damaliger Präsident der Klassenvereinigung der Piraten und Helmut Loos (damaliger Klassenvermesser) waren neben vielen anderen die beiden absoluten Macher der Piratenszene West. Unser erstes Treffen im Segelclub in Siofok hat sich unvergessen in mein Gehirn eingebrannt. Auch daraus entstand eine bis heute anhaltende Segel- und Piratenfreundschaft. Frank als Schotte und Helmut als Steuermann segelten 1985 in Ungarn das Boot „Al Quahira“ Pirat Beil 3737. Dieses Boot segelten sie als Mannschaft von 1984 bis 1992, Eigentümer war Frank Soltau. Dann war das Boot auf dem Dieksee zu Hause, Frank widmete sich mehr seiner Familie, bis er im Jahr 1999 auf Grund einer Erkrankung viel zu früh im Alter von 44 Jahren von uns ging. Das Boot wurde nicht mehr intensiv gesegelt. Bei Brigitte Soltau hatten alleinstehend mit zwei Kindern andere Dinge Vorrang. Irgendwann landete das Boot in Schwerin vermittelt von Mimö (Michael Möller) zu Reparaturen in den Händen von Heiko Grambow. Just in diesem Jahr 2018 beauftragte Brigitte Soltau Heiko, das Boot an einen Verein zu übergeben, der Jugendarbeit macht und in besonderem Verhältnis zu Frank stand. So stand das Boot dann plötzlich in diesem Frühjahr auf unserem Vereinsgelände. Als ich Helmut Loos das mittteilte, reagierte er spontan: „Toll, ich meine, wir beide sollten zum 80 - jährigen Jubiläum des Piraten in Berlin dieses Boot segeln“. Uff wieder eine Aufgabe mehr. Aber eine reizvolle und würdige.

