Rugby-Bundesliga: Ein reines Heidelberger Finale in Berlin
Heidelberg. (momo) Einmal Dominanz, einmal Hochspannung pur. So lassen sich die beiden Halbfinalpartien der Rugby-Bundesliga zusammenfassen, aus denen jeweils der Vertreter aus dem Südwesten siegreich hervorging. Während der Heidelberger RK aber eine unglaubliche Machtdemonstration zeigte und den SC Germania List mit 118:0 abfertigte, musste sich die RG Heidelberg bei Hannover 78 gehörig strecken, ehe der knappe, aber verdiente 32:24-Sieg in trockenen Tüchern war. Am 2. Juni kommt es somit in Berlin zu einem rein Heidelberger Endspiel um den bronzenen Meisterball.
Eine Vorstellung, die den Gegnern Angst und Bange machen könnte, zeigte der Heidelberger Ruderklub gegen die heillos überforderten Gäste aus Hannover. Nicht ein einziger Punkte gelang den Germanen aus List, die gleichwohl bis zum überpünktlichen Abpfiff des Schiedsrichters Stuart Boylan alles versuchten. Einzig: Gegen den HRK war ebenso wenig ein Durchkommen im Angriff, wie eine Chance auf erfolgreiche Verteidigung. Denn wenn ein Angriff mal nicht direkt zum Erfolg führte, vollendete der Ruderklub eben mit dem nächsten eiskalt.
Insgesamt musste Germania 20 teils exzellent herausgespielte Versuche hinnehmen, von denen Marcel Coetzee sogar nur neun erhöhte - normalerweise trifft der südafrikanische Schlussspieler mit einer deutlich höheren Quote, was diesmal allerdings egal war. Das Ergebnis hätte also dadurch noch höher ausfallen können, was das Problem des deutschen Rugbys verdeutlicht: Auf nationaler Ebene hat der HRK keine Konkurrenz.
Der Ruderklub hat sich diesen Erfolg hart erarbeitet und ohne Frage verdient. Nur: Spannung wird so auch im Finale kaum aufkommen.
Dort steht nach einer kämpferischen Leistung als zweites Heidelberger Team die Rudergesellschaft Heidelberg. Die "Orange Hearts" hatten nach 80 harten Minuten knapp mit 32:24 die Überhand gegen Hannover 78 behalten und sich so den Platz im Endspiel gesichert. Nach einem Blitzstart und dem frühen Versuch durch Manuel Müller führte die RGH und ließ sich auch durch den Ausgleich nicht aus dem Konzept bringen. Ein zweiter Versuch und ein schöner Dropkick von Fabian Heimpel brachten die Schützlinge von Trainer Rudolf Finsterer mit 15:5 in Führung.
Aber mit dem Publikum im Rücken kämpften sich die Hannoveraner wieder heran und nach dem Anschlussversuch gingen die Hausherren in der 52. Minute sogar in Führung. Im Stile einer Spitzenmannschaft zeigte die RGH aber die passende Reaktion: Der eingewechselte Robert Haase legte nach einem schnell gespielten Angriff im Hannover-Malfeld ab. Ein weiterer Heimpel-Straftritt sorgte für das 25:19. Die Schlussphase war hochspannend und Hannover kam sogar bis auf einen Punkt heran. In Unterzahl musste die RGH Schwerstarbeit verrichten, Bastian Himmer hatte Gelb gesehen - es war eine Fehlentscheidung.
Dank des großen Kampfgeistes hielten die Heidelberger Stand und mit dem Versuch durch Routinier Tit Hocevar entschieden die "Orange Hearts" das Spiel letztendlich verdient für sich.
Im Endspiel ist die RGH gegen den HRK klarer Außenseiter. Dennoch: Mit dem Spielwitz und der Athletik ist die Rudergesellschaft vielleicht die derzeit einzige Mannschaft, die den amtierenden Meister in Bedrängnis bringen kann. In jedem Fall können sich die Zuschauer in Berlin auf Spitzenrugby auf hohem Niveau freuen.

