Rugby-Europapokal: Der HRK stößt Tür zum Finale auf
Von Moritz Bayer
Heidelberg. Was für ein Rugbymatch! In einem der besten Spiele, die man überhaupt am Harbigweg sehen konnte, setzte sich der Heidelberger Ruderklub im Halbfinale des Europapokals knapp, aber verdient mit 34:29 gegen Pataro Calvisano durch und hat alle Chancen, das Endspiel um den Continental Shield des Europapokals am Samstag beim Rückspiel in Norditalien perfekt zu machen. Einziger Wermutstropfen: Das Resultat hätte komfortabler sein können, doch in den letzten zwei Spielminuten gelangen den Gästen noch 14 Punkte.
Der Auftakt sorgte für einige Sorgenfalten bei den HRK-Anhängern. Denn die Italiener hatten aus der Vorrunden-Niederlage im Oktober gelernt und speziell am angeordneten Gedränge Sonderschichten eingelegt. Die Folge waren drei Straftritte gegen den HRK aus den ersten drei Standardsituationen. Einen davon nutze Verbinder Juan Novillo zur 3:0-Führung Calvisanos in der zehnten Minute. Im offenen Spiel war der HRK nicht nur ebenbürtig, sondern einen Tick zielstrebiger.
Der erneut traumwandlerisch sichere Kicker Raynor Parkinson egalisierte den Punktestand in der 20. Minute. Doch kurze Zeit später war Jacobus Otto beim "Saubermachen" eines offenen Gedränges übermotiviert. Nach Absprache mit seinem Linienrichter schickte der schottische Schiedsrichter Keith Allen Otto wegen Schulterchecks mit Gelb zehn Minuten zum Abkühlen, was Calvisano Auftrieb gab.
Mehrere Versuche konnte der HRK abwehren, doch die erste große Lücke nutzte der italienische Meister gekonnt aus. Marco Susio legte den Ball zwischen den Stangen ab. Abschütteln ließ sich der HRK allerdings nicht und verkürzte mit dem Pausenpfiff durch Parkinson auf 6:10.
Was die Trainer Kobus Potgieter und Pieter Jordaan ihren Schützlingen in der Halbzeit gesagt haben, bleibt intern, aber es zeigte Wirkung. Das Heimteam kam mit Schwung und einem klaren Plan aus der Kabine und zeigte variables Angriffsrugby zum Zunge schnalzen.
Dem massiven Sturm Calvisanos ging der HRK, angeführt von der Spielmacherachse Armstrong-Schulte-Parkinson, vermehrt aus dem Weg und setzte oftmals auf taktische Kicks, die mit bestechender Präzision ihr Ziel fanden. Nach einer Gasse rannte der HRK abwechselnd mit Sturm und Hintermannschaft an und fand bei Angriffen über die gesamte Breite des Feldes seinen Meister in der Italien-Defensive, dann aber fasste sich der glänzend aufgelegte Hagen Schulte ein Herz und durchbrach die Verteidigung mit einer Körpertäuschung.
Calvisano reagierte mit druckvollem Sturmspiel und kam zum Versuch. Die mehrfach wechselnde Führung und das attraktive Spiel ließ die 400 Zuschauer den kalten Wind vergessen, es entwickelte sich ein Spitzenmatch. Dieses hatte in Schulte einen überragenden Akteur, denn der "Zehner" mit neuseeländischen Wurzeln fand in der 61. und 65. Minute weitere zwei Male die kleinsten Lücken der Gäste.
Dann hatte der HRK Glück, als Sebastian Ferreira statt Otto mit Gelb wegen Händen im offenen Gedränge vorzeitig zum Duschen geschickt wurde, und als die "Zebras" trotz erneuter Unterzahl die Führung durch einen von Samy Füchsel abgefangenen Ball, der über Jörn Schröder und Parkinsons Kick bei Steffen Liebig landete, ihre Führung auf 34:15 ausbauen konnten, war das Finale nahe.
Im Stile einer echten Spitzenmannschaft behielt Calvisano aber die Ruhe und nutzte die numerische Überlegenheit in den Schlussminuten zu zwei erhöhten Versuchen durch Novillo und Michele Mortali perfekt aus.
Mit einer Fünf-Punkte-Führung fährt der HRK am Samstag nach Italien und will den Finaleinzug perfekt machen. Trotz des Heimvorteils von Calvisano ist das ein realistisches Ziel.
Heidelberger RK - Pataro Calvisano 34:29 (6:10), HRK: Coetzee - Liebig, Cameron-Dow, Parkinson, Mathurin (77. N. Klewinghaus) - Schulte, Armstrong - Ferreira, Els, Otto - Rodriguez (59. Henn), Poppmeier - Füchsel, Barber, Schröder.
Schiedsrichter: Allen (Schottland); Zuschauer: 350; Punkte: 0:3 (10.) Straftritt Novillo; 3:3 (20.) S Parkinson; 3:10 (34.) Versuch Susio + Erhöhung Novillo; 6:10 (40.+2 ) S Parkinson; 13:10 (52.) V Schulte + E Parkinson; 13:15 (59.) V Zdrilich; 20:15 (61.) V Schulte + E Parkinson; 27:15 (65.) V Schulte + E Parkinson; 34:15 (75.) V Liebig + E Parkinson; 34:22 (79.) V + E Novillo; 34:29 (80.) V Mortali + E Novillo; Zeitstrafen: Otto (23.), Ferreira (71.). momo

