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Rugby: Stade Français Paris will sich in Heidelberg den Feinschliff holen

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Von Claus-Peter Bach

Heidelberg. Die 44-köpfige Profimannschaft des französischen Rugby-Erstligisten Stade Français Paris ist am Sonntag in Heidelberg eingetroffen, wo sie bis zum Freitag ein Trainingslager im Landesleistungszentrum des Rugby-Verbandes Baden-Württemberg (RBW) am Kirchheimer Harbigweg durchführen wird, um sich den Freischliff für die am 26. August beginnende Saison der Top 14 zu holen. Die Mannschaft des 52-jährigen Trainers Greg Cooper, All Black Nummer 869 in der ruhmreichen Geschichte des neuseeländischen Rugbys, weilt auf Einladung der Wild Rugby Academy (WRA) in Heidelberg, und das ist kein Wunder. Die WRA und der Pariser Klub haben den gleichen Besitzer: Den Eppelheimer Unternehmer Dr. Hans-Peter Wild (Capri Sun).

"Am 14. Juni hat Wild die Hausschlüssel erhalten", schrieb die Rugby-Wochenzeitung Midi Olympique, als der deutsche Milliardär den traditionsreichen Verein mit großen Hoffnungen übernahm. Der französische Meister von 2015 belegte in der Folgesaison nur Rang zwölf, kletterte zuletzt aber auf den siebten Platz. Greg Cooper und der neue Sportdirektor Robert Mohr (39) haben nun zehn neue Spieler verpflichtet und einen weitgehenden Umbau der Mannschaft begonnen. Sie werden von Hans-Peter Wild nicht unter Druck gesetzt. Der "Docteur" aus Eppelheim hat während einer Pressekonferenz in Paris allerdings betont, dass er Platz sechs durchaus als Saisonziel betrachte und es mittelfristig weiter hoch gehen solle.

Mohr, deutscher Nationalspieler von Hannover 78 und nach einer beeindruckenden Profilaufbahn zuletzt Kapitän von Stade Rochelais-Atlantique, möchte dem Verein eine "attraktive Spielphilosophie" vermitteln, die Jugendarbeit verstärken, um eigene Profis auszubilden, und Stade Français, das zuletzt mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte und von Hans-Peter Wild für einen Euro gekauft wurde, wieder zu einer Marke in der französischen Hauptstadt machen, wo es mit Racing 92 einen potenten Liga-Konkurrenten gibt.

Unter dem ehemaligen Präsidenten Max Guazzini war Stade Français der beliebteste Sportverein in Paris. Der Besitzer des Jugendradiosenders NRJ produzierte alljährlich einen Vereinskalender in Millionenauflage. Mohr bleibt Chef der WRA und Teamchef der deutschen Nationalmannschaft und glaubt, beide Aufgaben gut miteinander verbinden zu können: "Die Arbeit ist die gleiche. Ich werde halt viel unterwegs sein", sagte Mohr, der mit seiner Familie in Schriesheim lebt. Sein Ziel in Paris: "Stade Français zu einem Topteam erst in Frankreich und dann in Europa entwickeln."

Dafür wird ab heute viel geschwitzt. In den öffentlichen Vormittagstrainings am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag und bei der gemeinsamen Trainingseinheit mit den Südkaderspielern der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag um 15 Uhr können die Rugbyfans der Kurpfalz beobachten, wie Greg Cooper mit dem sehr großen und mit 29,5 Millionen Euro auch ziemlich teuren Spielerkreis arbeitet. Von den 14 Spitzenklubs haben nur Meister Clermont-Ferrand (30,5), Vizemeister Toulon (30) und Toulouse (29,9 Millionen Euro) eine wertvollere Mannschaft.

Die Stars im Pariser Team sind Italiens Kapitän und Sturmführer Sergio Parisse (33/99 Länderspiele), Frankreichs Spielmacher und Topkicker Jules Plisson (25/13), der neue Gedrängehalb Terry Bouhraoua (20/7) aus der XV de France, die Nationalspieler Djibril Camara (Außendreiviertel/28/4) und Jonathan Danty (Innendreiviertel/24/4), der südafrikanische Zweite-Reihe-Hüne Heinke van der Merwe (32/4) mit den lustigen Blumenkohlohren und Neuseelands Schlussmann Tony Ensor (26/7). Ein echter Hingucker ist der Erste-Reihe-Stürmer Paul Alo-Emile (25), der auf seine 1,80 m 136 Kilogramm gepackt hat und im angeordneten Gedränge steht wie ein Fels.

Der 1883 in einem Café im Quartier Latin gegründete Verein Stade Français war 14-mal französischer Meister und bestritt vier Europapokal-Endspiele. Das erste französische Endspiel am 20. März 1892 gegen den Lokalrivalen Racing Club de France ging zwar mit 3:4 verloren, doch der Schiedsrichter war nicht schuld. Er hieß Pierre Baron de Coubertin und ist der Schöpfer der Olympischen Spiele der Neuzeit. Die Endspiele 1893, 1894 und 1895 wurden dann aber ebenso gewonnen wie die Meistertitel 1897, 1998, 1901, 1903, 1908, 1998, 2000, 2003, 2004, 2007 und 2015. Und wer "Docteur" Wild kennt...

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