Rugby
News melden
Nachrichten

Heidelberger Sportzentrum Süd: Rettungswagen kam nicht - Eltern fuhren Zehnjährige selbst in Klinik

0

Von Timo Teufert

Es ist ein Freitagabend, als beim Rugby-Training im Sportzentrum-Süd die zehnjährige Maria (Name geändert) auf den Hinterkopf fällt. Trainer und Mitspielerinnen rennen zu ihr aufs Spielfeld, bringen sie zu ihrer Mutter an den Rand. Das Mädchen ist benommen, es geht ihr schlecht. Nach kurzer Zeit entscheidet die Mutter, dass der Rettungswagen gerufen werden soll. Das übernimmt eine andere Frau am Spielfeldrand. Drei Notrufe setzt die Frau nach Angaben von Marias Vater ab, doch nach 30 Minuten ist immer noch kein Rettungswagen vor Ort.

"Vom Rugbytraining sind wir einiges gewohnt, da ruft man ja nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich den Rettungswagen", erklärt Marias Vater. Doch in diesem Fall hätte man dringend Hilfe benötigt. "Die Anruferin hat den Vorfall am Telefon dramatisch formuliert", berichtet der Vater. Nachdem nach zehn Minuten immer noch kein Rettungswagen vor Ort war, habe die Frau erneut den Notruf gewählt, ein drittes Mal schließlich um 19.58 Uhr. "Die Anruferin hat die Information bekommen, dass noch kein Rettungswagen losgefahren ist, weil keiner verfügbar war", erinnert sich der Mann. Schließlich hätten drei Mütter entschieden, mit dem privaten Auto in die Notaufnahme zu fahren.

Etwas anders stellt sich die gleiche Situation aus Sicht der Integrierten Rettungsleitstelle in Ladenburg dar. Nach der RNZ-Anfrage wurden hier die Sprachmitschnitte der Notrufe abgehört und die Einsatzdokumentation überprüft, wie Caroline Greiner, Geschäftsführerin des Deutschen Roten Kreuzes in Heidelberg und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Leitstelle, berichtet. Greiner bestätigt den Eingang des ersten Notrufs um 19.29 Uhr, der von der Polizei übergeben wurde. "Wir haben die Unfallschilderung einer Frau, allerdings klingt diese nicht dramatisch", sagt Greiner. Der Disponent habe deshalb den Fall nicht als "Notfalleinsatz mit Dringlichkeit" klassifiziert, sondern den Verdacht auf Gehirnerschütterung vermerkt. Das bedeutet, dass kein Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn zur Unfallstelle fährt. Und das bedeutet auch, dass kein Fahrzeug extra frei gemacht wird, wenn es zum Beispiel an der Klinik gerade einen Patienten übergibt. "Das würden wir nur bei einem Einsatz mit Dringlichkeit machen", sagt Greiner.

Zum Unfallzeitpunkt seien alle sieben Rettungswagen, die zu der Zeit Dienst im Stadtgebiet hatten, belegt gewesen. "Im Notfall können Fahrzeuge frei gemacht, aus angrenzenden Orten angefordert oder die Luftrettung alarmiert werden", erklärt Greiner. Der zweite Notruf, der laut Marias Vater abgesetzt wurde, ist im System nicht verzeichnet. "Erst um 19.54 Uhr ist ein zweiter Notruf bei uns eingegangen, in dem unaufgeregt nachgefragt wird, wo der Rettungswagen bleibt", erklärt Greiner. Im Dialog zwischen Disponent und Anruferin sei dann die Information gekommen, dass das Mädchen unter Umständen nach dem Sturz bewusstlos war. "Unser Disponent hat dann die Priorität erhöht und es ist sofort ein Rettungswagen mit Sondersignal ausgerückt", erklärt Greiner. Dieser sei kurze Zeit später - innerhalb von neun Minuten - um 20.03 Uhr am Unfallort angekommen. Die Hilfsfrist für Einsätze mit Dringlichkeit liege bei 15 Minuten.

Während Marias Vater wegen des Vorfalls Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft stellen und einen Brief an Innenminister Thomas Strobl schicken will, bietet ihm Greiner ein Gespräch an, bei dem man auch die Sprachmitschnitte der Notrufe abhören könnte.

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

ASV Köln Rugby
FC St. Pauli Rugby
FC St. Pauli Rugby

Read on Sportsweek.org:

Swiss QuadRugby
Hamburger Rugby-Club von 1950 e.V.
1899aktuell

Andere Sportarten

Sponsored