Rugby: Der zweite Hattrick der RG Heidelberg
Von Claus-Peter Bach
Heidelberg. Kurz nach dem Spielbeginn wurde Tim Lichtenberg von Fabian Heimpel, Bastian Himmer und Robin Plümpe lehrbuchhaft freigespielt und hatte keinen weiten Weg ins Malfeld. In der zweiten Halbzeit gewann die Rudergesellschaft Heidelberg ein Gedränge vor der eigenen Mallinie und spielte die Quetsch zu Tim Lichtenberg, der 90 Meter weit ins Malfeld sprintete.
Die beiden Versuche des 20-jährigen Arztsohnes waren jeweils fünf Punkte wert und wurden von Fabian Heimpel (vier Punkte) erhöht. Sie führten gestern zum 14:5 (7:0)-Sieg der RGH über den Turnverein Pforzheim im Endspiel der 22. deutschen Siebenerrugby-Meisterschaft und zum zweiten Hattrick des RGH-Teams in der jungen Geschichte dieses Wettbewerbs. Die großartige Mannschaft von Trainer Rudi Finsterer wurde gestern zum neunten Mal (!) deutscher Siebenerrugby-Meister und hat diesen Titel zwischen 1997 und 1999 und zwischen 2015 und 2017 jeweils drei Mal in Folge gewonnen.
Als die RGH zum Endspiel 2017 auflief, standen im Team von Kapitän Marvin Dieckmann mit Weltklassespieler Fabian Heimpel, Bastian Himmer, Robin Plümpe, Johannes Schreieck, Tim Lichtenberg und Robert Haase sechs Nationalspieler auf dem Platz, die die Europameisterschaft vor einer Woche mit Platz fünf im Gesamtklassement beendet hatten. Gegen dieses superschnelle und taktisch perfekt aufeinander abgestimmte Ensemble war bei den vom Sportclub Neuenheim ausgerichteten und von 750 Zuschauern besuchten Titelkämpfen kein Kraut gewachsen.
Die RGH spurtete mit 62:0 gegen den RC Tübingen, mit 45:0 gegen den ASV Köln und mit 54:0 gegen den Berliner RC durch die Vorrunde, schüttelte den SCN im Viertelfinale mit 43:5 ab und gewann auch das harte Prestigeduell gegen die Nachbarn vom Heidelberger Ruderklub mit 22:12 - zu gerne hätten die deutschen Fünfzehnerrugby-Meister von Trainer Pieter Jordaan auch die Trophäe im "short game" gewonnen, doch die RGH führte nach den sieben ersten Minuten mit 12:0, erwehrte sich der energischen Angriffe von Sean Armstrong und Jacobus Otto oder Pierre Mathrin und Raynor Parkinson, die auf 12:7 verkürzten, und beendeten das Semifinale mit einem Dropkick von Fabian Heimpel.
Im Spiel um Platz drei mobilisierte der HRK unter den Augen seines rugbyfreundlichen Mäzens Dr. Hans-Peter Wild noch einmal alle Kräfte, was im sechsten Spiel in zwei Tagen, nach einer Halbfinal-Niederlage und bei sommerlichen Temperaturen nicht leicht ist. Der 26:10-Sieg gegen den SC Germania List, die beste Mannschaft Norddeutschlands, war der verdiente Lohn für eine sehr gute Leistung des HRK-Teams.
Die drei anderen Heidelberger Vereine fielen ein wenig ab. Der SCN schaffte es mit zwei hart umkämpften Vorrundensiegen über München und Leipzig immerhin in die obere Hälfte des Gesamtklassements, gewann dann aber - läuferisch zu deutlich unterlegen - nichts mehr und wurde Achter. Der TSV Handschuhsheim wurde nach einem abschließenden 29:21-Erfolg über Leipzig Neunter und hatte in dem pfeilschnellen Joshua Tasche einen der herausragenden jungen Spieler des Turniers. Und Zweitligist Heidelberger Turnverein hatte nach drei Vorrunden-Niederlagen am Samstag einen guten zweiten Tag und landete nach Siegen über den Bundesligisten Berliner RC und die Athleten der Bayreuther Turnerschaft auf dem 13. Platz.
Am Ende der Titelkämpfe gab es viele strahlende Gesichter. Als Heidelbergs Bürgermeister Wolfgang Erichson und Michael Schnellbach (Edingen-Neckarhausen), der Vizepräsident für Siebenerrugby des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV), den goldenen Lorbeerkranz und den hölzernen Rugbyball an die RGH-Spieler übergaben, brandete minutenlanger Beifall auf. Selbst Pforzheims Teammanager Jens Poff war nach der Finalniederlage nicht unzufrieden und sagte: "Wir waren besser als gedacht." Und Manfred Gilcher aus dem RGH-Pokalsiegerteam von 1967 freute sich, dass "das Niveau dieses Turniers besser war als je zuvor." Da hatte er Recht.

