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Hans-Peter Wild im Interview: Wie sich der "Capri-Sun"-Chef einen Rugby-Club gekauft hat

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Von Thomas Frenzel

Eppelheim. Bislang kannte man Hans-Peter Wild als Ehrenbürger von Eppelheim. Als den Chef der Wild-Werke, als den Mann mit der Capri-Sonne. Als knallharten Geschäftsmann, der das Aromengeschäft seines Konzerns zielstrebig zu "Wild Flavors" ausbaute und für 2,3 Milliarden Euro verkaufte. Kurz vor seinem 76. Geburtstag, den er am 16. Juni feiert, sorgte Hans-Peter Wild insbesondere im Nachbarland Frankreich für ganz andere Schlagzeilen: Er kaufte sich "Stade Français Paris", einen Traditionsclub der Top 14, der französischen Rugby-Liga.

Herr Wild, wie kamen Sie darauf, sich einen französischen Top-Club zu kaufen, der in der Vergangenheit schon Meistertitel geholt hat und die zurückliegende Saison auf einem guten siebten Mittelfeldplatz abschloss?

Herr Frenzel, dass mir Rugby am Herzen liegt, ist ja nichts Neues - und das liegt ja auch in der Familie. Mein Vater hat als Ruderer beim Heidelberger Ruderklub (HRK) an den Olympischen Spielen teilgenommen. Da wurde im Winter, wenn’s zu kalt war zum Rudern auf dem Neckar, halt Rugby gespielt. Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass ich vor zehn Jahren die "Wild Rugby Academy" als Stiftung gegründet habe, um Rugby in Deutschland mit gezielter Nachwuchsförderung nach vorne zu bringen. Da haben wir seither deutlich über zehn Millionen Euro investiert.

Dennoch - wie kamen Sie ausgerechnet auf den Pariser Club?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich das Robert Mohr zu verdanken, dem Sportmanager der Academy. Als einziger Deutscher hatte er es geschafft, langfristig in der französischen Profi-Liga zu spielen. Robert ist in Frankreich und auch im internationalen Profi-Geschäft bestens vernetzt. Er hat mich auf "Stade Français Paris" aufmerksam gemacht und auf die dortigen Finanzprobleme, die soweit geführt hatten, dass die Spieler gestreikt haben.

Und wie kauft man einen französischen Rugby-Club dieser Couleur?

Man kauft keinen Club, man kauft eine Gesellschaft - in diesem Fall zwei.

"Stade Français Paris" ist also eine Gesellschaft?

Nein. "Stade Français Paris" ist ein breit aufgestellter Verein mit über 12.000 Mitgliedern und 23 Abteilungen. Lediglich die Rugby-Abteilung wurde für das Profi-Geschäft in eine Aktiengesellschaft ausgliedert. Und nur um diese geht es - und dann gibt es noch eine Marketinggesellschaft, die zu dieser AG gehört.

Wie hoch ist Ihr Anteil?

Bei der Aktiengesellschaft habe ich über 99,9 Prozent, die Marketinggesellschaft gehört mir ganz. Alles in allem geht es um 120 Mitarbeiter.

Und was haben Sie dafür gezahlt?

Zwei Euro. Für jede Gesellschaft einen.

Dann muss es ja um die Finanzen des Clubs schlimm bestellt sein. Für wie viele Schulden müssen Sie denn aufkommen?

Wir übernehmen alles schuldenfrei, allerdings auch ohne Eigenkapital. Der frühere Besitzer Thomas Savare hat den Club auf Null gestellt.

In französischen Medien hieß es, Sie haben sich "Stade Français Paris" 36 Millionen Euro kosten lassen.

Das ist falsch. Die französischen Reglements für die Rugby-Liga schreiben vor, dass jeder Top-Profi-Club für jede Spielsaison eine Bürgschaft von zehn Millionen nachweisen muss. Das hat den Zweck, dass ein Club, der gut spielt, nicht aus finanziellen Gründen absteigen muss. Hier bürge ich für die nächsten drei Jahre.

Und danach?

Ich gehe davon aus, dass wir "Stade Français Paris" in dieser Zeit aus der Verlustzone bringen. Der Umsatz bewegt sich seit fünf Jahren bei um die 27 Millionen Euro pro Jahr. Das kann und muss gesteigert werden. Dafür haben wir einen neuen Président für die repräsentativen Verpflichtungen und einen neuen Generaldirektor für die täglichen Geschäfte ins Boot geholt. Wir hatten da sehr gute Bewerbungen. Und sportlicher Direktor wird Robert Mohr von der "Wild Rugby Academy", für die er nach wie vor zuständig bleibt.

Ergeben sich aus dieser Personalunion irgendwelche Konsequenzen?

Sie haben sich nicht nur ergeben, die Umsetzung hat bereits begonnen: Anfang August gibt es ein Trainingscamp, bei dem die Profis von "Stade Français Paris" beim Heidelberger HRK-Platz auch auf die deutsche Nationalmannschaft treffen werden.

Beim HRK-Platz wollen Sie doch auch ein Ausbildungszentrum für den Rugby-Sport installieren.

Das macht die "Gesellschaft zur Förderung des Rugbysport mbH", die der Rugby Academy angegliedert ist. Unser Ausbildungszentrum wird von demselben Architekten geplant, der schon für Dietmar Hopp die "Akademie Arena" von 1899 Hoffenheim in Zuzenhausen entworfen hat.

Was wird dieses Ausbildungszentrum kosten und bis wann soll es fertig sein?

Bis 2018 soll das alles über die Bühne gegangen sein. Für zehn Millionen. Dann haben wir Platz für 32 Spieler, für Lehrgänge von Trainern. Es geht hier um sogenannte "High Potentials", um echte Talente.

Zurück nach Frankreich: Was ist Ihr sportliches Ziel für "Stade Français Paris"?

Die Jungs sollen die Top Drei beim 15er-Rugby erreichen. Ob wir das in der Übergangsphase schaffen, ist fraglich. Im Jahr darauf wollen wir aber auf höchstem nationalen und internationalen Niveau spielen und dann - wie in Frankreich üblich - vor 70- bis 80.000 Zuschauern.

Ich unterstelle, dass dann auch Neuverpflichtungen von Spielern anstehen. Und womöglich reicht das Jahresbudget von zehn Millionen nicht. Wie sehr werden Sie selbst sich hier einbringen?

Spielereinkäufe stehen immer an, wobei Rugby in Frankreich keine Transferkosten kennt. In das sportliche Geschäft mische ich mich nicht ein. Innerhalb des Budgets kann Robert wirken, wie er will. Und wenn Robert mehr will, kriegt er’s nicht (lacht).

Wie ist eigentlich Ihre offizielle Position bei "Stade Français Paris"? Aufsichtsratsvorsitzender, Präsident oder etwas anderes?

Mir gehört der Laden, ich bin Eigentümer.

Das heißt, Sie haben den Rugby-Club als Privatmann übernommen?

Käuferin ist meine "H.P. Wild Holding AG" im schweizerischen Zug. Die hält viele meiner Kapitalbeteiligungen.

Aber die "Capri-Sonne" - pardon: die frisch umbenannte "Capri-Sun" - soll von dem Rugby-Deal auch profitieren: Die Trikots der französischen Rugby-Cracks soll doch künftig der "Capri-Sun"-Schriftzug schmücken. Ist das die Gegenfinanzierung?

Da wird sich Coca-Cola freuen. Coca-Cola übernimmt in Frankreich den Vertrieb von "Capri-Sun" und ich zahle denen die Werbung in den großen Rugby-Stadien.

Das passt ja gar nicht zu jenem Hans-Peter Wild, der früher sagte, an erster Stelle steht das Business, das Geschäft.

Wissen Sie, ich bin demnächst 76, und da muss nicht mehr immer nur "Business" an erster Stelle kommen. Im Gegenteil. Die Familie hat einen großen Stellenwert und das, was mir Spaß macht, ebenfalls. Rugby hat mir schon immer Spaß gemacht und ich habe endlich das Alter, dass ich auch machen kann, was mir Spaß macht.

Apropos "Capri-Sun". Die Umbenennung von "Capri-Sonne" in ein international ausgerichtetes "Capri-Sun" ließ hierzulande allerhand Spekulationen über einen angepeilten Verkauf ins Kraut schießen.

Spekulationen gibt es im Heidelberger Raum viele ... Ein Verkauf steht nicht an, es gibt auch keinen Grund dafür. Der Marke geht es hervorragend und sie hat ein gutes neues Management. Der ganze Trubel um die Umbenennung hat uns hierzulande kostenlose Werbung beschert in einer Größenordnung von 1,8 Millionen Euro.

Wie hoch schätzen Sie den Markenwert von "Capri-Sun"?

Verdammt hoch. "Capri-Sun" ist eine globale Marke, der allerdings das amerikanische Geschäft fehlt …

… in den USA hat der Lebensmittelgigant "Kraft Heinz" die Lizenz …

Das ist korrekt. Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass wir interessiert sind, diese Lizenz zurückzukaufen. Also nicht verkaufen, sondern einkaufen - das ist die Absicht. Hinzu kommt die Verdopplung des Geschäfts.

Bezieht sich das auf den aktuellen Außenumsatz der Marke von eine Milliarde Euro?

Ja.

Und danach wird verkauft?

"Capri-Sun" wie auch mein gesamtes Vermögen wird in Zukunft auf jeden Fall in einer Stiftung landen. Da arbeiten wir dran, da liegen wir in den letzten Zügen. Und auch mein Rugby-Engagement wird - wenn es mich nicht mehr gibt - aus der Stiftung finanziert. Die Stiftung kriegt testamentarisch die Auflage, das eine Zeit lang weiterzuführen. Für alle Zeiten können Sie das natürlich nicht festschreiben.

Sie sprachen in diesem Kontext einmal von einer Liechtensteiner Stiftung.

Das ist richtig. In einer gemeinnützigen Stiftung in der Schweiz, die ich auch habe und die sich vor allem um die medizinische Grundlagenforschung kümmert, können Sie nur Schweizer Projekte fördern, während Sie mit einer Liechtensteiner Stiftung weltweit aktiv sein können. Das passt einfach besser zu mir.

Zurück zu Ihrem 76. Geburtstag. Wo werden Sie ihn wie feiern?

In Salzburg.

Da gehört Ihnen ja ein kleines, aber feines Hotel.

Stimmt, auf dem Mönchstein. Gefeiert wird im kleinsten Kreis.

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