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Hier fliegen die Löwen, und die Tauben gehen zu Fuß,

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doch einmal im Jahr muss der Mensch einfach durch die Lagunenstadt rudern, auch wenn Jean Cocteau in seinen Eingangszitat leider vergessen hat, das zu erwähnen. Immer an Pfingsten treffen sich dort 2000 Boote mit knapp 8000 Athleten, um pünktlich um 9 Uhr zum Kanonenschuss vom Canale die San Marco aus erst entlang der mäandernden Kanäle vor Sant‘Erasmo Kurs Buraon zu nehmen, dann durch die Glasinsel Murano zurück nach Venedig zu rudern, um dort den 32-km-Kurs mit der unvergleichlichen Fahrt durch den kompletten Canale Grande zu krönen. Dieses Jahr haben sich 8 Ruderinnen und Ruderer der Rheno mit Verstärkung aus der Freiweg und dem FRV dieses unvergessliche Erlebnis nicht entgehen lassen.

Der Gig-Doppelvierer mit Steuermann ist auf der Vogalonga für die meisten Mannschaften das Boot der Wahl und folgerichtig sind auch wir mit der Berlin, unserem unsinkbaren Schlachtschiff, angereist. Doch der Gedanke, als Bugmann ein fußgesteuertes Boot durch Venedig zu lenken, hat auf den Chronisten eine magische Anziehungskraft ausgeübt. Warum eigentlich? Ich habe mit viel Spaß als Jugendlicher die verschiedensten Boote über dutzende Regattastrecken gesteuert. Aber mal ehrlich: Im Freizeitbereich wollen wir doch alle selbst rudern. Und die modernen C-Liner sind mittlerweile so leicht und wendig, dass sowohl die Steuerkraft als auch der der erforderliche Ruderausschlag problemlos mit einer Fußdrehung aufgebracht werden können. Aber ist das in Venedig nicht zu riskant? Nur, wenn man sich nicht umschaut! Bei 5600 Schlägen, die Willis Smartwatch protokolliert hat, waren das rechnerisch mindestens 560 Schulterblicke, im Gewusel vor der Ponte de Tre Archi (das Internet ist voll von den sogenannten Chaos-Bildern, man muss aber einfach nur geduldig auf die Einfahrt warten), dem engen Canale de Canareggio (der toppt noch den Müllermain) und dem Canale Grande mit seinen langgezogenen Kurven kamen sicher nochmal mindestens 100 Körperdrehungen dazu. Aber dafür hat uns der Schöpfer ja einen Hals gegeben. Und dann soll es auch gesteuerte Boote geben, die verunfallen, weil die Steuerleute gedankenversunken vergessen, auch den toten Winkel vor dem Boot durch gelegentliches Recken des Kopfes zu überwachen. Kaum zu glauben, aber die erste Kollision von zwei Doppelzweiern mit Steuermann durften wir schon fünf Minuten nach dem Start beobachten beziehungsweise durch unsere beherzten Zurufe in letzter Minute verhindern.
Auf jeden Fall konnten wir dann doch den Vorstand überzeugen, dass wir als zweites Boot den Will mitnehmen und damit fußgesteuert als Doppeldreier über die Vogalonga preschen dürfen. Für das Vertrauen möchte ich mich hier ganz ausdrücklich bedanken und ich denke, dass wir es mit zwei schad- und kollisionsfrei wieder nach Hause zurückgebrachten Booten auch nicht enttäuscht haben.

Durch Venedig zu rudern ist für sich genommen schon faszinierend genug und sicher eine Reise wert. Getoppt wurde das dann aber noch mit ein bisschen Glück, das wir nicht nur beim Wetter, sondern vor allem auch mit drei kompetenten Entscheidungen unserer Kameraden hatten:
Die erste dieser Glückentscheidungen ist Eberhard zu verdanken, der eine Mitfahrgelegenheit für unsere Boote auf dem Hänger der Gemania organisiert hat. Der Germania möchten wir hier ausdrücklich für das freundliche Entgegenkommen danken! Es hat sich für uns doppelt ausgezahlt, denn die erfahrene Crew hat mit der Associazione Velica Lido einen wirklich exzellenten Einsetzplatz für die Boote angesteuert. Auf den ersten Blick erscheint die Anreisezeit von rund einer Stunde von unseren Apartments auf Dorsoduro aus abschreckend, aber die Fahrt mit dem Vaporetto war dann doch eine Mini-Kreuzfahrt bei schönstem Wetter und eine gute Einstimmung auf das Ereignis am nächsten Tag.
Die zweite Glücksentscheidung haben wir dann Tanja mit dem Vorschlag, schon am Vorabend zu den Giardini di Venezia überzusetzen, zu verdanken. Dort gibt es eine von drei offiziellen Plätzen, auf denen man die Boote getrost über Nacht liegen lassen kann, was aber komischerweise kaum angenommen wird. Die Überfahrt am Vorabend ist zwar nur für geübte Ruderer zu empfehlen und die Geschichten von dabei abgesoffenen Booten dürften bekannt sein. Wir sind jedenfalls heil angekommen, auch wenn die Mannschaft des dabei nur als Doppelzweier gefahrenen Willis alle Hände voll zu tun hatte und zwischenzeitlich nicht auf die Funksprüche, die der Steuermann der Berlin über die mitgeführten Funkgeräte abgesetzt hat, antworten konnte. Belohnt wurden wir dann doppelt mit einer ganz entspannten Anfahrt am nächsten Tag und einem schönen Bild der Berlin auf der offiziellen Homepage des Veranstalters (https://www.facebook.com/444524551436276/posts/463557899532941), das aufgrund der Aufschrift viel beachtet wurde und dem Stadtschulamtes sicher zur Ehre gereicht.

Wer die dritte und mit Abstand beste Glücksentscheidung gefällt hat, ist nicht mehr ganz klar. Auf der Rückfahrt vom Lido nach dem Rennen sind wir jedenfalls eher zufällig in die Vaporetto-Linie mit der längsten Fahrtzeit eingestiegen. Die führte dann noch einmal entlang einiger Abschnitte der Regattastrecke und unter der Ponte de Tre Arci erschallte von Achtern plötzlich der Ruf „alle raus“. Die Kameraden hatten eine freie Terrasse direkt am Kanal entdeckt, die dann auch noch „Osteria ai Canottieri“, also Gasthaus der Ruderer, hieß. Schöner als dort kann man ein Bierchen nach getaner Arbeit wirklich nicht genießen und wie durch ein Wunder konnten wir auch noch einen Tisch für den Abend reservieren. Die Bedienung hielt sich dann gar nicht erst lange damit auf, einzelne Bestellungen aufzunehmen, sondern verpflichtete uns einfach zur Spezialität des Hauses, einer großen Platte mir reichlich venezianischen Vorspeisen und verschiedenen Fleischsorten zum Teilen für alle. Der perfekte Kameradschaftsabend und ein krönender Abschluss, der lange in Erinnerung bleiben wird!

Einmal Vogalonga immer Vogalonga? Vielleicht, muss ja nicht jedes Jahr sein. Allerdings sei so viel gesagt: Man sieht dort kaum Achter, es gibt sie aber! Wahrscheinlich bleibt dieser Gedanke eine Spinnerei, wenn sich aber wieder mal eine Mannschaft findet und noch Leute gesucht werden, ist sicher der ein oder andere von uns gerne bereit, noch einmal teilzunehmen. Es gibt ja auch noch andere Veranstaltungen und es wäre schön, wenn die Vogalonga-Fahrt einen Anstoß für weitere Unternehmungen geben würde.

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