Die 100-Kilometer-Tour
Nicht nur Corona kann sportlichen Vorhaben einen unüberwindlichen Riegel vorschieben. Das mussten die Senioren der SRG schmerzlich erfahren bei ihrer langfristig geplanten Wanderfahrt über 100 km auf dem Störkanal bis nach Parchim vom 08. bis 10. Juni 2020. Die wegen einer Reparatur gesperrte Schleuse in Banzkow machte die Fahrt undurchführbar. Das evtl. Umtragen der Boote ist örtlich viel zu aufwendig. Aber Senioren wissen sich zu helfen. Flugs wurde umdisponiert und das heimische Revier des Schweriner Sees zum Fahrtenereignis erklärt. Auf seiner Länge von gut 21 km und Breite von ca. 8 km lässt sich sehr gut eine 3-Tagesfahrt organisieren und durchführen. Das Problem des ungewissen Wetters für die langen Strecken musste in Kauf genommen werden. Almut Gäbel (82), Rosemarie Leithoff (Puppe) (84), Hanning Wüsthoff (84), Michael Hausmann (57), Marco Dellin (47) und Knut Mehl (78) entschieden kurzerhand um. Sie waren diejenigen, die sich dem Rudererlebnis der spontanen Tour stellten. Ursprünglich wären 10 Rudererinnen in zwei gesteuerten Doppelvierern auf Fahrt gegangen, was aber nicht allen mehr recht war. So blieben 6 Aktive übrig. Almut stellte die Quartierfrage sicher, wofür sich ein Hotel in Bad Kleinen anbot. Alles Weitere war eine Frage der Zuversicht und der Erfahrung, die 3 Tage sinnvoll und erlebnisreich zu gestalten. Den Schweriner See erleben wir Schweriner Ruderer ja gewöhnlich im Innensee mit eher bootshausnahen Zielen, wie Fähre, Paulsdamm oder Ziegelsee. Wie oft, wenn überhaupt, war man als Schweriner schon in Flessenow, auf der Insel Lieps oder in Hohen Viecheln? Also machten sich dann 2 C-Gig Doppelzweier mit Stm. „Müritz“ und „Heidensee“ auf die Reise. Ein großes Handicap waren dann allerdings die Holzskulls, die zu den Booten gehörten. Sie sind echt schwer und waren in den Dollen auch nicht sonderlich leichtgängig. Sie sind wirklich nicht mehr zeitgemäß und sollten bald ersetzt werden, auch im Interesse unserer Wanderrudergäste aus anderen Vereinen. 100 km mit diesen Skulls zu rudern ist eine gewaltige Sache. Warum tut man sich das an? Mit Hochachtung müssen wir uns selbst bedenken, aber auch an die früheren Rudergenerationen denken, die mit solchen „Klumpen“ sogar Rennen gefahren sind. Wir haben uns der Herausforderung gestellt und es geschafft. Es geht doch! Wir sind eben kein altes Eisen.
Am Montag, den 08. Juni morgens 09:00 Uhr lagen die beiden Doppelzweier gut ausgerüstet am Steg des Bootshauses zur Abfahrt bereit. Almut hatte sogar die Vereinswimpel gesteckt. Unsere zu Hause bleibenden Seniorenrudererinnen, die ihr regelmäßiges Training machten, verabschiedeten uns mit den besten Wünschen. Eine nicht unwesentliche Erleichterung verschafften wir uns durch einen von Marco angebotenen Landdienst, der unser Hauptgepäck per Pkw kurzerhand vorab nach Bad Klein brachte.
Das Wetter spielte mit. Der See war spiegelglatt. Noch 3 Tage zuvor lautete die Vorhersage auf Regen mit möglichem Gewitter und Nordostwind mit Stärke 3 und Böen. Wir hatten einfach geduldig abgewartet und auf die alte Ruderweisheit gebaut: „Das Wetter wird am Steg gemacht!“ Recht hatten wir. Die Fahrt konnte losgehen.
Im Innersten hatten wir die geplatzte 100 km-Tour in Richtung Parchim natürlich im Sinn behalten und wir sprachen darüber. Wir waren uns bald einig, dass wir auch ohne feste Vorgabe, gleichwohl in etwa 100 km über den Schweriner See fahren wollten. Das erforderte, den See in seiner gesamten Ausdehnung zu nutzen und dabei auch solche Routen zu nehmen, die den weitesten Weg versprachen. Soweit wie möglich nach Süden, also über Fähre nach Plate und dann am Ostufer so weit wie möglich nach Norden über Paulsdamm und weiter an der Insel Lieps vorbei nach Bad Kleinen ins Quartier.
Marco und Michael - unsere Jungschen – waren modern mit GPS-Uhren ausgestattet. Darauf konnte man zu jeder Zeit und an jedem Ort genau ablesen, wie lang die zurückgelegte Strecke schon war. Mit jeder Stunde wurde die km-Zahl höher, demzufolge eine Zielvorgabe von 40 km Tagesleistung realisierbarer wurde. Somit wurde klar und klarer, dass an den beiden folgenden Tagen wir eigentlich nur noch jeweils 30 km zu rudern brauchten. Dann wären die 100 km perfekt und das alte Ziel der Ursprungsplanung erfüllt. So sollte es dann auch kommen. Es wurde einfach gerudert.
Montag, 08.06.20. Auf dem spiegelglatten Schweriner See war unser erstes Ziel Plate mit einer Frühstückspause. Dann fuhren wir am Ostufer des Schweriner Sees bis Leezen, wo wir einen schönen Anlegeplatz in einem Motorboothafen fanden für eine ausgiebige zweite Pause. Schließlich ruderten wir immer am Ufer entlang zum Paulsdamm und dann weiter bis Bad Kleinen, legten an der Badestelle an, legten die Boote am Weg ab, nahmen die Skulls, Rollsitze und weitere Kleinteile sowie unser Bordgepäck und gingen den Hang hinauf zum „Seehotel“ mit der Gaststätte „Panorama“. Zum Abendessen um 19:30 Uhr meldeten wir unsere Wünsche an, bezogen unsere Zimmer, duschten und erholten uns etwas.
Dienstag, 09.06.20. Ab 08:00 Uhr genossen wir das umfangreiche Frühstück am Büfett und begaben uns dann bei leider nicht mehr spiegelglattem Wasser, aber doch nur leichtem Wind auf Tagestour rund um den Schweriner Außensee entgegen dem Uhrzeigersinn. Leider nahm der Wind weiter zu bis Stärke 3 oder sogar 4. Ausgiebige Pause wurde in Retgendorf gemacht und nach dem Ausrudern der äußersten nördlichen Ecke des Sees in Hohen Viecheln beim „Fischer Prignitz“ Halt zum Fischessen gemacht. Es gab lecker geräucherte Forelle, Backfisch und auch Matjes mit Bratkartoffeln bis zur Sättigung und natürlich auch ein kühles Bierchen. Danach besuchten wir noch die Insel Lieps bevor es wieder zum Quartier ging. Auf ein Abendessen konnten wir alle gut verzichten, nicht aber auf gut gekühlte Bierchen.
Mittwoch, 10.06.20. Zunächst bezahlten wir unsere Unterkunft, nach wiederum gutem Frühstück. Nach dem Aufklaren der Boote war dann unser SRG-Bootshaus das Tagesziel. Auf dem Außensee hatten wir es bis zur Pause in Seehof, mit Windstärke etwa 3 zu tun, ruhig war es dann im Langen Graben. Auch auf dem Ziegelsee und dem Heidensee ließ es sich noch gut rudern. Um das km-Konto aufzufüllen fuhren wir noch zum Spieltordamm und sodann im Heidensee die hinterste Ecke aus. Das Wasser war nach dem Stangengraben bis zum Bootshaus dann leider nicht mehr so ruhig. Aber wir landeten nach einem Abstecher zu der Schwimmenden Wiese im Burgsee ohne Probleme am Steg des heimatlichen Vereins. Michael holte quasi im Landdienst noch unser Gepäck von Bad Kleinen, während wir die Boote säuberten und in die Lagerungen verbrachten.
Wir hatten 100 km (41 + 29 + 30) gerudert, wozu wir uns sehr freuten. Alles war sehr gut verlaufen.

