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Bayerischen und österreichischen Seen

Unterwegs auf bayerischen und österreichischen Seen (15. – 23. Juli 2017)

Bei traumhaftem Sommerwetter und in schönster Landschaft sind sogar acht Seen in sieben Tagen und auch in einer Gruppe von 27 Personen mit bester Laune zu schaffen.

Wie immer hatte Jörg Dickbertel auch diese Fahrt so präzise geplant und vorbereitet, dass wir einfach nur genießen und rudern brauchten. Mit dabei waren wieder sechs Ruder_innen aus Südafrika, die zum Teil bereits im zwölften Jahr die weite Anreise auf sich nehmen, um die herrlichen Ruderreviere zu erleben und um die inzwischen geschlossenen Freundschaften zu beleben.

Acht Seen in sieben Tagen bedeutet auch täglich ein- oder sogar zwei Mal auf- und abriggern, auf- und abladen. Im Vorfeld eine Vorstellung, die nicht wirklich verlockend schien - wir haben das zum Ende der Tour in der rekordverdächtigen Zeit von 20 Minuten geschafft und uns damit wahrlich den zuvor von Jörg symbolisch versprochenen goldenen Riggerschlüssel verdient. Es zeigt natürlich auch, wie toll die Gruppe gemeinsam beisammen war und jede_r ratzfatz und ohne viele Worte mitangefasst hat, bis alles verladen war. Erspart blieben uns dafür lange Schleusenzeiten, Umtragen und viele Landdienste, da nicht nur Ein- und Ausstiegsstelle meist identisch waren, sondern uns durch freundliche Rudervereine mehrmals ein zusätzlicher Zweier geliehen wurde.

Und dann ging es über 220 km auf Ammersee, Starnberger See, Chiemsee, Mondsee, Attersee, Wolfgangsee, Hallstätter See und Traunsee. Vor der Tour war uns nicht klar, dass jeder See so deutlich seinen eigenen Charakter in Form, Wasserfarbe und Panorama haben würde und wir mit jedem Tag so neugierig auf den nächsten See sein würden. Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter, mit meistens ruhigem Wasser, das uns ab und zu im Wellen überraschte, die wir gar nicht sahen oder von Schiffen stammten, die in weiter Ferne auf den Seen unterwegs waren und wir gar nicht mir zuordnen konnten. Sehr witziges Ding. Grundsätzlich überzeugte uns, dass es an allen Seen viele offene Zugänge zu den Ufern gab. Für uns Norddeutsche keine Selbstverständlichkeit, wo jeder Zugang zum Nordseestrand mit einem Eintrittsgeld verbunden ist.

Wer die von Jörg Dickbertel organisierten Fahrten kennt, weiß, dass soweit wie möglich immer auch ein Blick auf die Kultur der jeweiligen Gegend versucht wird. So haben wir am Ammersee eine Wanderung hinauf zum Kloster Andechs unternommen. Die Benediktinermönche auf dem „Heiligen Berg Bayerns“ betreuen dort eine der ältesten Wallfahrten in Bayern und finanzieren mit ihren Wirtschaftsbetrieben auch das wissenschaftliche, kulturelle und soziale Engagement der Abtei München und Andechs. Die Klosterbrauerei Andechs ist heute in Deutschland die größte von nur noch wenigen Klosterbrauereien, die durch eine existierende Ordensgemeinschaft konzernunabhängig geführt wird. Gebraut und abgefüllt wird nur vor Ort in Andechs. Wir haben unser möglichstes zur Wirtschaftlichkeit des Klosters beigetragen. Bier und Bewirtung überzeugten, die (überladene) Pracht der Klosterkirche aus dem Barock hat, je nach individuellem Geschmack, auf jeden Fall beeindruckt und die Aussicht von dieser schönen Anlage bringt die Alpen immer näher.

Bei der Umrundung des Starnberger Sees kommt man nicht umhin, auf die Spuren von Ludwig II (1846 – 1886), König von Bayern (ab 1864) aufmerksam zu werden. Mythen begleiten seinen nicht aufgeklärten Tod direkt am See einen Tag nach seiner Entmündigung durch die bayerische Regierung. Doch Kreuz und Gedenkstätte erinnern daran. Schräg gegenüber auf der anderen Seeseite ist das Schloss Possenhausen zu sehen, das Zuhause seiner Verlobten Sophie Charlotte und viel mehr bekannt durch ihre Schwester Kaiserin Sisi von Österreich. Ja, die Aristokratie schlägt einem in dieser Schlösserwelt schon von vielen Seiten entgegen.

Auf dem Chiemsee war mit Schloss Herrenchiemsee – einem fast identischen, wenn auch nicht vollendetem Nachbau von Schloss Versailles – gleich wieder Ludwig II präsent. Während ein Teil unserer Gruppe eine Führung durch das Schloss unternahm, erkundeten zwei Boote rudernd den See. Zum gemeinsamen und wie immer leckeren Lunch trafen wir uns auf der Fraueninsel. Fraueninsel natürlich, weil dort die Nonnen ihr Kloster hatten. Über geheime Verbindungswege konnten wir so schnell nichts in Erfahrung bringen.

Der Mondsee, benannt nach seiner Form, war mit seinem türkis-grünen Wasser einfach nur schön. Bei wieder herrlichem Wetter hatten wir am Nachmittag Gelegenheit mit der Seilbahn auf Zwölfhorn-Seilbahn in St. Gilgen am Wolfgangsee auf 1.552 Meter zu fahren und von dort ein fantastischen Blick auf sieben Seen und den schneebedeckten Dachstein (2.995 Meter) zu haben. Dort fanden wir auch ein Hinweisschild, dass Johannesburg 8.364 Km entfernt ist. Unsere südafrikanischen Freunde überkamen Heimatgefühle.

Wunderschön war auch der direkte Nachbar des Mondsees, der Attersee. Allerdings endete diese Rundfahrt mit einem kleinen Abenteuer, das erfreulicherweise gut ausgegangen ist. Seit dieser Rundfahrt weiß auch der/die Letzte, dass am Ufer blickendes gelbes Licht nicht ignoriert werden darf. Blickt es 45-mal in der Minute sollte man sich darauf einstellen, das Wasser wegen Unwetter baldmöglichst zu verlassen. Blickt es 90-mal pro Minute hat man auf dem See nichts mehr zu suchen. Bereits nach unserem Lunch zogen sich die Wolken zusammen, was die Farbe des Sees zunächst in ein wunderschönes blau-grün verwandelte. Als der Himmel immer dunkler wurde, fuhren Wasserwacht und Wasserschutzpolizei die noch auf dem See befindlichen Boote an und forderten dazu auf, entweder ein nahes Ziel anzusteuern oder direkt den See zu verlassen. Vier unserer Boote erreichten das Ziel, das fünfte Boote ging vor dem Ziel an Land. Dann kam innerhalb von Minuten ein starker Sturm auf, der von einem starken Gewitter begleitet war. Die hohen Wellen auf dem See erinnerten uns an die Nordsee. Im Nachhinein erfuhren wir, dass der Wind in der Spitze eine Geschwindigkeit von 260 km erreichte und ein solch starkes Unwetter seit Jahren nicht erlebt wurde. Nach zwei Stunden war alles wieder vorbei, der Attersee wieder glatt und unser letztes Boot eingesammelt – eine sehr eindrückliche Erfahrung, die uns wieder an die Wucht der Natur erinnert hat.

Vorbei am „Weißen Rössl“ durchquerten wir am nächsten Tag den Wolfgangsee, um die Boote gleich danach wieder zu verladen und direkt zum Hallstätter See zu transportieren. Hier steigen die Berge fast direkt am Ufer auf und es gibt nur wenig Bebauung. Das Wasser ist tiefdunkel und es war schon grandios, in dieser Kulisse rudern zu dürfen.

In Hallstatt kamen wir am ältesten Salzbergwerk der Welt vorbei. Hier wird zwar noch Salz, das „weiße Gold“ gefördert, doch genauso wichtig ist dort die Möglichkeit, einen Teil des Bergwerks zu besichtigen, um 7.000 Jahre Kulturgeschichte zu bestaunen. Auch begegneten uns nachgebaute Salzkähne, die früher über den Fluss Traun das Salz zur Donau transportiert haben. Die Traun fließt mit ihren 150 km durch den Hallstätter See und später durch den Traunsee (unsere letzte See-Station).

Auf dem Traunsee hieß es Abschied nehmen von dieser fantastischen Rudertour. Natürlich durfte auch hier der Schwimmstopp nicht fehlen.

Auch fehlten nicht die letzten Ruder-Lektionen von Derrick Read, der uns mit seinen Aufforderungen „be lazy“, „feel the water“, „no tension in your shoulders“ immer wieder auf Technik konzentrierte und dies in gewohnter Manier durchgezogen hat. Ist doch klasse, wenn man mit so wenig Aufwand wie möglich so schnell wie möglich fährt und es sich dabei auch noch weich anfühlt und geschmeidig aussieht. Es fehlten auch nicht die letzten Rennen, die neben gemütlicher Wanderfahrt aus Spaß an der Freude immer wieder eingeschoben wurden. Allen voran Tim Dickbertel und die Südafrikaner nach dem Motto: Einmal Rennruderer, immer Rennruderer. Das hat richtig Spaß gemacht. Und es fehlten natürlich auch an diesem letzten Tag nicht Simon und Fritz mit ihren neun und elf Jahren in den Booten. Sie ruderten und steuerten wie an allen Tagen und waren ganz einfach tough und munter dabei.

Und noch ganz nebenbei: Der Traunsee wechselt mit seiner Tiefe von 196 Metern einmal im Jahr fast vollständig sein Wasser, wodurch die Wasserqualität ausgesprochen gut ist.

Ein dreifaches Hipp, hipp, hurra auf diese tolle Fahrt, auf ein Wiedersehen und einen dicken Dank! an unseren Fahrtenleiter Jörg Dickbertel.

Bericht: Claudia Grove
Bilder: Birgit Borowy

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