Eishockey-WM: Adler-Torwart Dennis Endras fliegt aus dem WM-Kader
Von Rainer Kundel
Mannheim. Bei einer Heim-WM ist es wie beim Olympischen Eishockey-Turnier: Alle wollen dabei sein. Anders als bei Titelkämpfen an unliebsamen Orten, sei es in Russland, Finnland oder Lettland, halten sich die Absagen im erweiterten Aufgebot des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) knapp zwei Wochen vor dem ersten Gruppenspiel gegen die USA (5. Mai, 20.15 Uhr in Köln) in Grenzen.
Im Gegenteil, Bundestrainer Marco Sturm hat die Qual der Wahl. Zusammen mit seinem Trainerstab Geoff Ward und Tobias Abstreiter kommt dem 38-Jährigen die heikle Aufgabe zu, jene Spieler zu informieren, die vor den Generalproben gegen Lettland am 30. April und 1. Mai in Bietigheim und Ravensburg gestrichen werden.
Während der Testgegner Tschechien rund 50 Prozent seines Kaders noch mit NHL-Nachzüglern austauschen wird, sind es bei den Deutschen bis zu dreizehn Spieler, die noch auf dem WM-Zug aufspringen können. Neben den festen Zusagen von Greiss und Dennis Seidenberg aus der NHL sind Aus den Birken, Boyle, Abeltshauser, Mauer, Kahun, Yannic Seidenberg, Macek und Flaake von Meister EHC München sowie Brückmann und Fauser von "Vize" Wolfsburg Kandidaten. Dazu kommt Justin Krueger vom SC Bern, der ebenso wie die Münchner Meister erst am Wochenende die Feierlichkeiten ausklingen ließ.
"Ich habe mit allen Kandidaten und ihren Trainern telefoniert", jetzt werden wir Trainer zusammen entscheiden. "Es gibt viele Kriterien zu berücksichtigen, wen brauchen wir in Über-, wen in Unterzahl?", gibt Sturm zu bedenken, " nicht immer ergeben die besten Einzelspieler die beste Mannschaft", meinte der Bundestrainer vor der Abreise am späten Sonntagabend zum ZDF-Morgenmagazin in Berlin - so langsam rückt die WM im eigenen Land auch in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit und einen besseren Botschafter dafür als Marco Sturm (1.006 NHL-Spiele) kann es nicht geben.
"In allen Bereichen", antwortete Sturm trotz der achtbaren Ergebnisse gegen Tschechien auf die Frage, wo noch Verbesserungsbedarf bestehe, wobei er das Überzahlspiel herausstellte. "Geoff Ward ist erst seit Donnerstag bei uns", legte Sturm offen, wer für diese speziellen Aufgab zuständig ist. Der Meistertrainer der Adler Mannheim aus der Saison 2014/15 arbeitet als Tüftler im Hintergrund, kennt und schätzt Sturm aus gemeinsamen fünf Jahren bei den Boston Bruins. Ward wurde auch zwei Jahre nach dem letzten Titelgewinn der Adler am Sonntag von der Fankurve wie ein Messias gefeiert. Als der Videowürfel den 55-Jährigen während des zähen ersten Drittels auf der Trainerbank einfing, brandete lauter Jubel auf.
Und wie sehen die Adler-Cracks ihre Chancen, ab dem 5. Mai in der KölnArena einzulaufen? Groß ist die Konkurrenz auf dem linken Flügel für David Wolf, der zudem angeschlagen ist. Marcus Kink dürfte für den vierten (Arbeiter-)Sturm gesetzt sein, zusammen mit Yannick Seidenberg und Fauser könnte er die Unterzahlspezialisten anführen. Matthias Plachta wollte am Sonntagabend "erst mal heim gehen, um etwas zu Essen, mehr kann ich nicht sagen, ich muss einfach abwarten". Denis Reul aufgrund seiner körperlichen Präsenz und Sinan Akdag als läuferisch starker Verteidiger dürften gesetzt sein und Brent Raedeke hat trotz starker Konkurrenz auf der Centerposition gute Karten, nach 2015 seine zweite WM zu spielen.
Marco Sturm verzichtet dagegen überraschend auf den langjährigen Nationaltorhüter Dennis Endras. Der zum besten WM-Spieler 2010 gekürte Keeper der Adler Mannheim erfuhr am Montag von seinem WM-Aus. "Es hat für mich nicht gereicht. Fahre leider nicht zur WM. Bin natürlich sehr enttäuscht. Ich wünsche der Mannschaft viel Erfolg, und eine geile WM", schrieb Endras auf seiner Facebook-Seite.
Deutsche Nummer eins bei der Weltmeisterschaft ist Thomas Greiss von den New York Islanders aus der NHL. Dahinter streiten sich aktuell noch Timo Pielmeier (Ingolstadt), Danny aus den Birken (München) und Felix Brückmann (Wolfsburg) um die weiteren beiden WM-Plätze im Tor. Theoretisch könnte auch Philipp Grubauer (Washington Capitals/NHL) zum WM-Start noch zum Team stoßen.

