Eishockey: Diese "Adler" sind beim Deutschland-Cup dabei
Von Rainer Kundel
Krefeld/Mannheim. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hält trotz vieler Widrigkeiten an der Austragung des Deutschland-Cups fest. Das Hausturnier des DEB, 1987 in Stuttgart aus der Taufe gehoben, steht diesmal unter keinem guten Stern, wird von Donnerstag ab dennoch in der Arena an der Krefelder Westparkstraße ausgetragen. Absagen von vier Nationen, keine Fans und zu schlechter Letzt noch ein mit dem Coronavirus infizierter Bundestrainer Toni Söderholm – das alles lässt auf reichlich Improvisation schließen. Obwohl somit die Aussagekraft des Turniers infrage steht, verteidigt DEB-Präsident Franz Reindl die Veranstaltung. "Wir sehen übergeordnet den sportlichen Wert vor der finanziellen Last".
Der DEB leistet sich aufgrund der Geisterspiele einmalig ein Defizit im sechsstelligen Bereich. Es sei "wichtig, nach achtmonatiger Pause wieder zum Eishockey zurückzukehren", sagte Söderholm. Der Deutschland Cup bringt zwar kein Geld in die Kassen, aber Spielpraxis und Präsenz im Fernsehen: MagentaSport überträgt alle Spiele des Turniers live, die Partien am Donnerstag und Samstag sind zusätzlich auch auf Sport1 zu sehen.
Nach den Absagen von Russland, der Slowakei, der Schweiz und Ersatzkandidat Norwegen wird das Turnier diesmal im Dreierformat gespielt. Auch dies war nur möglich, weil der DEB neben einer A-Mannschaft mit einem "Perspektivteam Peking 2022" antreten wird.
Neun Monate hatte Toni Söderholm nach der WM-Absage im Mai sehnsüchtig auf die Rückkehr der Nationalmannschaft gewartet. Und jetzt muss der 42-Jährige nach einem positiven Corona-Test von zu Hause aus zusehen. "Das ist die größte persönliche Enttäuschung, die ich als Spieler oder Trainer erlebt habe", reagierte der Schwede frustriert. "Wir müssen nach der langen Pause in unseren Köpfen den Schalter umlegen", forderte er vor seiner Erkrankung, "nicht die Vergangenheit ist wichtig, sondern das, was vor uns liegt." Seinen Vertretern Steffen Ziesche (U 18-Trainer) und Thomas Popiesch (Klubtrainer der Bremerhaven Pinguins) will er die taktischen Vorgaben übermitteln. "Ich werde von daheim drei, viermal am Tag Abläufe und Inhalte mit ihnen besprechen", hält der Bundestrainer von seinem Wohnort Garmisch-Partenkirchen aus die Fäden in der Hand.
Söderholm hat sich für einen Mix aus jungen und erfahrenen Spielern entschieden. "Ich hatte dabei die WM 2021 ebenso im Blick wie die Olympischen Spiele 2022". Im A-Kader stehen von den Adler Mannheim Torhüter Felix Brückmann und die Stürmer Markus Eisenschmid und Matthias Plachta. Aus der Trainingsgruppe von Pavel Gross sind auch die NHL-Talente Lean Bergmann und Marc Michaelis dabei. Dazu kommt im "Perspektivteam Peking" Florian Elias (18), der mit einer Mannheimer Förderlizenz für die Heilbronner Falken spielt. Zusammen macht dies sechs Akteure mit "Adler-Stallgeruch". Absagen musste Moritz Seider, der aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht aus Schweden anreisen kann.
Das Konzept sieht vor, dass alle Spieler nach ihrer Ankunft so gut wie möglich von der Außenwelt abgeschlossen sind und in einer Art Blase zwischen Hotel und der Arena pendeln. Zugelassen sind nur Aktive und Begleitpersonal, deren Corona-Test nicht älter als 48 Stunden ist.
Donnerstag, 19.45 Uhr: Deutschland - Team Peking; Freitag, 17 Uhr: Team Peking - Lettland; Samstag, 16.45 Uhr: Deutschland - Lettland; Sonntag, 14.30 Uhr: Finale.

