Eishockey: Alavaara holt die Adler Mannheim-Spieler aus der Kurzarbeit
Von Rainer Kundel
Mannheim. Der Vorlauf war lange, das Ziel bis vor kurzem nicht absehbar. Seit 27. Juli befinden sich die Adler Mannheim mit kurzen Unterbrechungen im reduzierten Eistraining, mit Ablauf des Oktobers entließ der Klub die Spieler aus der teilweisen Kurzarbeit. Das Ende der Ungewissheit ist absehbar, ab 11. November soll mit dem MagentaSport-Cup ein Turnier als Vorbereitung auf den schon zweimal verlegten Saisonstart Mitte Dezember für Wettkampfpraxis sorgen.
"Wir haben uns gegenseitig aufgefangen, weil wir gute Jungs in der Mannschaft haben", sagt Matthias Plachta zur unbefriedigenden Situation der letzten Monate. Jetzt darf der 29-Jährige ebenso wie Stürmerkollege Markus Eisenschmid und Torhüter Felix Brückmann schon früher den Kampf um den Puck aufnehmen, ab Donnerstag beim Deutschland-Cup in Krefeld, zu dem die Spieler am Sonntag in die Krefelder "Blase" gereist sind.
Wie hat der Klub die acht Monate lange Durststrecke seit dem 8. März verkraftet? Sportmanager Jan-Axel Alavaara. "Dieser Sommer war für uns alle eine andere, völlig unbekannte Situation. Ein gewohntes Arbeiten war praktisch unmöglich." Man habe lange Wochen nicht gewusst, welche ausländischen Spieler überhaupt nach Deutschland einreisen durften. Von einer Planung mit Testspielen ganz zu schweigen.
"Durch die Verschiebungen des Liga-Beginns mussten wir sehr flexibel reagieren", sagt der 45-Jährige. So gut es eben ging, hat der Schwede seinen Job dennoch gemacht. "Ich habe zuletzt rund 20 Spiele live verfolgt, wir wollen ja immer vorausdenken, um handlungsfähig zu sein, wenn ein interessanter Spieler auf den Markt kommt."
Dass dies in Kürze der Fall sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Zum einen ist der Kader für einen Spitzenplatz konkurrenzfähig, zum anderen haben die Spieler inzwischen auf rund 50 Prozent ihres Gehalts verzichtet, so dass eine Budgetausweitung schwerlich vermittelbar wäre. Realistischer sind aufgrund der ungewissen Situation in der NHL- und AHL-Leihgaben der Stürmer Lean Bergmann und Marc Michaelis, die ohnehin in Mannheim trainieren. "Wir sind mit Details wie Fragen der Versicherung schon sehr weit", ist Alavaara zuversichtlich, dass beide beim Turnier die Plätze von Ben Smith (bis 24. November an Rögle BK/Schweden) verliehen und Tim Stützle (Arm-Operation) einnehmen können.
Jetzt freuen sich alle, dass Licht am Ende des Tunnels scheint. "Wir hoffen, dass sich unser Hygienekonzept bewährt und die Liga nach dem Vorbereitungsturnier mit allen vierzehn Klubs starten wird."
Wie durchgesickert ist, haben mit Ausnahme des EHC München – der Klub gehört zu 100 Prozent zu einem milliardenschweren Brausekonzern und ist deshalb nicht antragsberechtigt – alle DEL-Klubs fristgerecht einen Antrag auf Bundeshilfe aus dem 200 Millionen Maßnahmen Paket beim Bundesverwaltungsamt gestellt, wobei in zwei Fällen eine Bewilligung erfolgt sei.
Wie berichtet, orientierten sich die Bedingungen der Überbrückungshilfe nicht am Profisport und weisen hohe formelle Hürden auf, so dass zum Ablauf der nun verlängerten Antragsfrist nicht mal ein Viertel des Topfes ausgeschöpft wurde.

