Adler Mannheim: Vorbereitung in unsicheren Zeiten
Von Rainer Kundel
Mannheim. Auch wenn der auf Mitte November verlegte Saisonbeginn der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vor Zuschauern nach den Beschlüssen der Ministerpräsidenten-Konferenz vom Donnerstag mehr als fraglich ist, bereiten sich die Adler Mannheim mit der gewohnten Professionalität darauf vor.
Ben Smith und Tommi Huhtala zählen zu jenen Spielern, die aufgrund ihrer Vielseitigkeit oft die meiste Eiszeit bekommen. Der US-Amerikaner und der Finne – beide wechselten vor der Meistersaison 2018/19 in die Kurpfalz – äußern sich nach der Rückkehr aus ihrer Heimat über die Situation in ungewissen Zeiten.
Daniel Hopps Kritik
Huhtala hielt sich in Suomi in einer Kleingruppe fit, sowohl auf als auch neben dem Eis. Dass er nach seiner Vertragsverlängerung im Winter so früh wie möglich nach Deutschland zurückkehren würde, stand für ihn nie in Frage, "auch weil unser ältestes Kind demnächst eingeschult wird". In diesen Wochen sei es wichtig, "mental stark zu bleiben und die Herausforderungen zu meistern", sagte der 32-Jährige den Eishockey News. Trotz der Unsicherheit dürfe man sich nicht herunterziehen lassen. "In Finnland" berichtet der große Kämpfer, "gab es ab Juni kaum noch Beeinträchtigungen. Die Liga will Anfang Oktober starten, die ersten Testspiele laufen, und Zuschauer sind begrenzt zugelassen".
Auch Ben Smith, stellvertretender Kapitän der Blau-Weiß-Roten, hat nach zwei Corona-Tests das Eistraining wieder aufgenommen. An eine derart lange spielfreie Zeit kann sich der Center nicht erinnern. 2018 trat er als Neuzugang nur fünf Wochen nach dem Gewinn des Calder Cups mit den Toronto Marlies (AHL) und kurz nach seiner Hochzeit bei den Adlern seinen Job an, weshalb sogar die Hochzeitsreise auf 2019 verschoben wurde. "Wir haben den Lockdown in Boston erlebt, lange Zeit die sozialen Kontakte reduziert und erst später meine Eltern in Connecticut besucht", berichtet Smith über die Monate mit einer langen Regeneration. "Gesund essen, Gewichte stemmen und etwas dafür tun, dass Hüfte und Leisten stabil bleiben", beschreibt der Musterprofi sein Programm.
Dafür hat der Sohn einer Musiker-Familie (Mutter ist Konzertpianistin, Vater Komponist) seine akademische Ausbildung einem erfolgreichen Ende zugeführt. "Ich habe mein Studium gerade mit dem Master in BWL abgeschlossen".
Die unsichere Zukunft im deutschen Eishockey aufgrund des verlängerten Verbots von Großveranstaltungen ist ihm bekannt: "Mein Bruder studiert in Dresden Musik und musste seine Konzerte absagen. Das wird für jeden von uns eine verdammt harte Zeit". Das gelte auch für die Wochen bis zum ersten Punktspiel, "aber ich bin sicher, dass Pavel Gross einen guten Plan hat und sich etwas einfallen lassen wird".
Ein späteres Eintreffen war auch für den komplettesten Spieler der Adler keine Alternative. "Ich hoffe, so früh wie möglich wieder Eishockey zu spielen, wir haben schließlich die Champions League vor uns. Außerdem muss meine Frau wieder ihren Job antreten". Gattin Millie arbeitet in der Region in der IT-Branche.
Die DEL hat nach anfänglichem Zögern inzwischen bekräftigt, am Saisonbeginn am 13. November festzuhalten. "Unser oberstes Ziel ist, dass wir spielen. Man kann eine Profiliga nicht einfach aus- und dann wieder anknipsen", sagte Geschäftsführer Gernot Tripcke nach Beratungen auch mit anderen Sportligen. Der Druck auf die Politik und deren Ankündigung, eine Arbeitsgruppe für Ausnahmen einzurichten, kommt sechs Wochen nach Einreichung eines Hygienekonzepts reichlich spät. "Wir brauchen sechs bis acht Wochen Vorlauf", verlautete aus dem Liga-Büro in Neuss.
Indes bezeichnete Adler-Chef Daniel Hopp die Verlängerung des Verbots von Großveranstaltungen – der Deutsche Eishockey-Bund wartet seit Wochen auf eine Definition des Begriffs – bis Jahresende als "Schlag in die Magengrube" und kritisierte das Bewusstsein der Politik für die gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung für den Profisport. "Die Fußball-Bundesliga ist das wichtigste Produkt, aber das ist mir etwas zu kurz gesprungen. Auch wir sind systemrelevant", bekräftige der im Eishockey verwurzelte Unternehmer.

