Adler Mannheim: Die Einshockey-Klubs hoffen auf August
Von Rainer Kundel
Mannheim. "Volle Ränge oder keine Spiele" – titelte ein Fachmagazin in der vergangenen Woche über die Zukunft der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in Zeiten von Corona. Ganz so krass auseinander scheinen die Aussichten der 28 Klubs in den beiden höchsten Ligen zwar nicht zu liegen, dennoch macht sich neben der Geschäftsführung am Neusser Bussardweg auch der Aufsichtsrat ernsthaft Gedanken, wie es im Spätsommer weitergeht. Das Verbot für Großveranstaltungen bis zum 31. August, das die Bundesländer gemeinsam mit der Bundesregierung vor anderthalb Wochen verabschiedet haben, war für Geschäftsführer Gernot Tripcke zunächst einmal eine "gute Nachricht, da es die neue Saison nicht betrifft". Kaum zur Kenntnis genommen, preschte der Berliner Senat im "Flickenteppich" Föderalismus vor und definierte den Begriff "Großveranstaltung" mit einem Ereignis über 5000 Besuchern. Woraufhin sich die Eisbären im Tagesspiegel ob der frühen Festlegung prompt mit Unverständnis zu Wort meldeten.
Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Arnold, zugleich Gesellschafter des ERC Ingolstadt, hat Politiker in der Corona-Krise zu Sensibilität und Rücksicht auf den Sport aufgefordert. Der Druckereibesitzer aus Gaimersheim erinnerte in einem Interview mit dem Donaukurier daran, dass den meisten Eishockey-Vereinen existenziell wichtige Einnahmen fehlen, sollten Zuschauer länger als über den Sommer hinaus nicht in die Hallen dürfen. "Grundsätzlich wird das aber, mit Ausnahme des Fußballs, für alle Sportarten zum Problem werden", sagte Arnold. "Es wird sich die Frage an die Politik stellen, ob sie wirklich mit ihren Entscheidungen Sportarten auslöschen will, ob es das wert ist." Man arbeite mit aller Kraft darauf hin, dass die Liga am 18. September wieder startet, betonte Arnold, "aber ich sehe uns jetzt erst einmal bis Ende August vertröstet".
So lange können die Adler Mannheim nicht warten. Für den Hauptrundenzweiten stehen auch die Teilnahme an der Champions-Hockey-League (CHL) und das Gastspiel des NHL-Klubs Boston Bruins in der ersten Oktoberwoche auf dem Spiel. "Das Datum 31. August stellt uns zunächst einmal vor neue Herausforderungen", nahm Adler-Geschäftsführer Daniel Hopp die Nachricht auf. "Wir müssen so planen, dass kein Testspiel vor Zuschauern im August in Mannheim stattfinden kann, hoffen aber natürlich, dass in dieser Zeit ein geregelter Trainingsbetrieb stattfinden kann. Sofern dann wieder Reisen erlaubt sind, müssten wir Testspiele im Ausland bestreiten." Nach der Gruppenauslosung im Mai hätten die Klubs in der Gruppenphase der CHL ab 3. September quer durch 14 europäische Länder zu reisen. "Um das sicherzustellen, müssen überall Versammlungsbeschränkungen und Quarantäne aufgehoben sein", betont CHL-Geschäftsführer Martin Baumann.
Für die DEL sieht Gernot Tripcke " nur in ganz kurzfristigen Ausnahmesituationen" Kapazitätsbeschränkungen oder Geisterspiele als Option. "Vielleicht noch zu Saisonbeginn, wenn die Frist für eine Aufhebung absehbar ist", könnte sich Tripcke eine Art "Notplan" zur Überbrückung vorstellen. "Dann musste aber eine klare Perspektive bestehen, dass wir wieder Zuschauer in die Hallen lassen dürfen." Abgesehen von der hohen Abhängigkeit von Zuschauereinnahmen entstünden für die meisten Klubs hohe Kosten für die Nutzung der Hallen.
"Wir wären bei einem etwas späteren Saisonbeginn nicht unvorbereitet", gibt Tripcke einen Einblick in die Themen der Telefonkonferenzen. Ebenso wie etwaige Pandemie-Klauseln in den Spielerverträgen sind alternative Szenarien noch unausgegoren. Zur Diskussion steht im Falle eines späteren Saisonbeginns sowohl eine Erhöhung der Spieltags-Frequenz mit Dienstag/Mittwoch-Ansetzungen als auch eine Modus-Änderung (Einfachrunde mit anschließender Teilung der Tabelle) und im äußersten Fall ein Zurückgehen auf ein "Best of five" in den Playoffs.

