Adler Mannheim: In der Motivation verschieden, im Ziel vereint
Von Rainer Kundel
Mannheim. Wenn am Freitagabend gegen 18.30 Uhr wieder die Saisoneröffnungsparty unter dem Motto "Boys are back in town" vor der SAP Arena startet, ist auch für die große Fan-Familie des achtfachen deutschen Eishockeymeisters die Sommerpause zu Ende. Zumal sie am Montag ab 10 Uhr ihre Lieblinge wieder beim ersten offiziellen Eistraining beobachten können.
Nichts kennzeichnet die Gruppe der Anhänger aller Altersgruppen mehr als eine Choreografie, die vor anderthalb Jahren unter dem Motto "Wenn ich zwei Leben hätte, würden beide Dir gehören", eine Hommage an die Adler war. Zu sehen waren dabei drei Generationen, die dem Klub von Friedrichspark bis in die SAP Arena die Treue halten. Eine Aktion, hinter der ein Aufwand von mehr als sechs Monaten steckte. "Wir hatten uns dazu entschieden, weil ein Eishockeyfan in Mannheim für emotionale Momente steht, in Zeiten des Triumphes wie in Niederlagen", argumentiert Patrik Löffel vom Fanprojekt für das Thema zu einer Zeit, wo Siege auf dem Eis rar wurden. Löffel ist zusammen mit Thorsten Schäffner auch offizieller Fanbeauftragter des Klubs. Das Fanprojekt, 2012 als eingetragener Verein auf Initiative des damaligen Adler-Sprechers Matthias Fries gegründet, ist Woche für Woche präsent. So auch am Freitag, wo an einem Stand um 19.38 Uhr - eine Anlehnung an das Gründungsjahr des MERC - das Ziel der nächsten Sonderzugfahrt verkündet wird.
"Wir haben aber noch eine Aktion parat", verrät Löffel im Gespräch mit der RNZ. Wer steckt hinter den vielfältigen Aktionen? "Wir haben derzeit vier Dachorganisationen", erklärt Adler-Geschäftsführer Matthias Binder. Es handelt sich um die seit den neunziger Jahren bestehende Fan-Initiative ("Fanini"), die nach einer Zeit der Lethargie mit drei neugewählten Vorständen wieder präsenter auftritt. Daneben gibt es die "Adler Fanklubs Aktiv", kurz AFCA genannt, entstanden aus sieben Fanklubs, die sich 2018 von den 37 Klubs mit über 1000 Mitgliedern abspalteten und heute gleichberechtigt agieren. Neben dem Fanprojekt machen immer mehr "Nonames" von sich reden. Es handelt sich dabei um eine jüngere, eher heterogene und reisefreudige Gruppe, die sich mit spontanen stimmgewaltigen Aktionen in den Vordergrund spielte. Von sich reden machten die auch auf ihrer Homepage "Unbekannten", als sie drei Tage vor Beginn der Playoffs an einem Sonntagmorgen mit 500 Leuten beim Training aufkreuzten und mit Transparenten ("Finish what we startet" / " Always behind you") das Team in die Mission Meisterschaft schickten. Zur Vorbereitung solcher Aktionen bedarf es einer Heimat. Die stellen die Adler für das ehrenamtliche Engagement mit ihren Räumlichkeiten in der Helmertstraße.
Es war in letzter Zeit nicht immer so, als lebten alle Interessengruppen konkurrenzlos nebeneinander. Da wollten einige den Etablierten schon mal Privilegien streitig machen. "Jeder versuchte, für sich das meiste raus zu holen", erinnert sich Löffel. Bevor das Wettrennen, wer die besten Unterstützer sind, groteske Züge annahm, hat die Einsicht gesiegt. Unter Moderation von Matthias Binder unterzeichneten die vier Dachorganisationen eine verbindliche Erklärung, die auch Spielregeln für die Patenverlosung enthält. Bei 37 Fanklubs versteht es sich von selbst, dass nicht jedem ein Spieler als "Pate" zugelost werden kann. Kürzlich meldete sich bei der "Fanini" gerade der 38. Fanklub an - First Row sein Name (17 Mitglieder).
Eine der größeren Gruppierungen sind die "Adler-Freunde Eberbach" mit Dirk Lenz an der Spitze. 1999 gegründet, 86 Mitglieder, Markenzeichen: Zum ersten Heimspiel jeder Saison wird immer mit dem Schiff angereist. Gäste sind willkommen, wenn es am 15. September vor dem Auftritt der Kölner Haie wieder vom Neckarlauer in Eberbach aus bis nach Feudenheim geht.

