Adler Mannheim: Der Weg zum Wendepunkt
Von Rainer Kundel
Mannheim. Am Sonntag ist mit dem 34. Hauptrunden-Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ein ereignisreiches Jahr bei den Mannheimer Adlern zu Ende gegangen. Bei Lichte besehen erfolgreicher, als es nach den Turbulenzen kurz vor dem Jahreswechsel 2017/18 zu erwarten war. Als die Saison im April mit dem Halbfinale zu Ende ging, war der Grundstein für den Umbruch schon gelegt. Inzwischen ist den Entscheidungsträgern, allen voran dem neuen Sportmanager Axel Alaavara zu attestieren, dass die Veränderungen gegriffen haben und sich der Klub schneller als angenommen in einer konstanten Flughöhe befindet. Wobei Rückschläge einkalkuliert sind, wenn auch nicht unbedingt Niederlagen wie zuletzt gegen Mannschaften wie Schwenningen und Krefeld mit weitaus weniger Talent. Vor dem ersten Spiel des neuen Jahres gegen den Rangdreizehnten Wolfsburg Grizzlys (am heutigen Mittwoch 19.30 Uhr, SAP Arena) gibt die RNZ Antworten auf Fragen rund um den Tabellenführer.
> Wie stehen die Adler im Vergleich zur Vorsaison?
Nach zwei Dritteln der Hauptrunde bedeuten 72 Punkte Platz eins. Das ist über die Hälfte mehr als zum gleichen Vorjahreszeitpunkt (46). Die Mannschaft von Pavel Gross blieb in 34 Partien nur sechsmal punktlos, dabei je zweimal gegen Schlusslicht Schwenningen und die Eisbären Berlin. Zwei von drei Vergleichen gegen Serienmeister EHC München gingen an die "Greifvögel", zum weiteren Verfolger Düsseldorfer EG muss man noch zweimal reisen. Es gibt eine deutliche Tendenz, dass der Turnaround zum dauerhaften Weg an die Spitze geschafft ist, auch wenn das Meisterteam 2014/15 noch dominanter war (79 Punkte aus 34 Spielen) und erst im Januar überhaupt zwei Niederlagen in Folge erlitt.
> Haben die Veränderungen im Kader gegriffen?
Ausnahmslos. Bedenken, dass sich die Finnen Huhtala und Lehtivuori schwer integrieren könnten, wurden schnell zerstreut. Mit Mark Katic hat Alavaara eine spielerische Attraktion an Land gezogen, der Kanadier mit kroatischen Wurzeln verkörpert als Offensivverteidiger eine Qualität, wie ihr die Adler 20 Jahre lang nachliefen. Der bislang wenig eingesetzte Cody Lampl stellt den Trainer nach seinem starken Auftritt vom Sonntag gegen Bremerhaven vor ein Problem: "Cody hat mich mit seiner Leistung zum Nachdenken gebracht", erklärte Gross. "Ich muss mich fragen, welche meiner acht Verteidiger spielen am Mittwoch?"
> Wer kann noch zulegen?
Allroundstürmer Brent Raedeke hat noch Luft nach oben. Der Deutsch-Kanadier wird seit der Saisonvorbereitung immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Die vielfach körperlos agierenden Stürmer Adam und Kolarik sind taktisch schwer in ein Schema zu bringen und dürften Pavel Gross, ohne dass dieser öffentlich Namen nennt, zum Nachdenken veranlasst haben. Nach RNZ-Informationen wird die zehnte Importlizenz in Kürze an einen weiteren finnischen Stürmer gehen.
> Funktioniert die Torhüter-Rotation?
Das Wechselspiel Dennis Endras (21 Einsätze) /Chet Pickard (13) funktionierte bis Ende Oktober gut. Danach hat sich der gewohnte Vielspieler Endras auf konstant hohem Niveau als stärker erwiesen. Bei den Heimniederlagen gegen Düsseldorf und Schwenningen überzeugte Pickard nicht.
> Wie arbeiten die Trainer?
Unaufgeregt im Hintergrund, Pavel Gross, Mike Pellegrims und Spielerentwickler Pertti Hasanen stellen ihr Engagement und ihre Ideen nicht ins Schaufenster. Das Team wird oft abgeschottet, es gibt wöchentlich maximal zwei öffentliche Trainings. Noch weniger verraten die Coaches über ihre Taktik und über Verletzungen. Aussagen über Stärken des Gegners hört man selten. Man besinnt sich auf das, was man selbst beeinflussen kann.
> Was kommt auf die Adler zu?
Bis Ende der Hauptrunde am 3. März folgen acht Heim- und zehn Auswärtsspiele, davon vier hintereinander vom 1. bis 17. Februar. Trainer Pavel Gross beugt Selbstzufriedenheit und Lethargie vor. "Wir wollen keine langen Serien gegen uns zulassen." Und fordert immer wieder Geduld: "Wir wollen manchmal zu viel, an einem Tag wo viel gegen einen läuft, ist es keine Schande, in die Verlängerung zu gehen." Und: "Wir haben für jedes Stück vom Eis unser System."

