Champions-Hockey-League: Adler Mannheim scheiterten mit 2:3 gegen Brynäs Gävle
Von Rainer Kundel
Mannheim. Es war schon skurril. Da erreichen die Adler Mannheim erstmals in ihrer Klubgeschichte das Achtelfinale der Champions-Hockey-League und es "verirren" sich nur rund 4000 Zuschauer - Minuswert bei einem Eishockeyspiel seit 2005 - in der SAP Arena. Dafür gibt es Gründe, die Hauptursache ist wohl der vom Reglement gedeckte Tausch des Heimrechts. Obwohl die Adler Gruppensieger waren, mussten sie wegen der belegten Halle ihres schwedischen Gegners aus Gävle zunächst zu Hause antreten und unterlagen Brynäs IF mit 2:3 (0:1, 1:2, 1:0).
"Wir haben am Vorabend der Auslosung davon erfahren, dass es bei einigen Klubs Probleme mit der Hallen-Verfügbarkeit gibt", zeigte sich Geschäftsführer Matthias Binder verärgert über das "Hintertürchen", das den eigenen Anspruch nach einer professionell reorganisierten CHL konterkariert. "Dann können wir die sportlichen Kriterien gleich sein lassen und das Heimrecht nach den Hallen ausrichten", gab Binder sein Missfallen gegenüber Alexander Jäger, dem aus Ravensburg stammenden Sportmanager der CHL kund. "Die Gruppe zu gewinnen, ist wertlos. Vielen Dank für nichts, CHL", hieß es auf einem Transparent der Treuesten in der Nordwestkurve.
Einen Schuh wollen sich die Blau-Weiß-Roten nicht anziehen - die Entscheidung, für die Partie auch Dauerkartenkunden Eintritt zu erheben. "Im Leistungsangebot der Dauerkarten waren wie jedes Jahr alle Gruppenspiele enthalten", räumte Pressesprecher Adrian Parejo sämtliche Zweifel aus. Zu den drei Heimspielen der Gruppenhase kamen 6400 Besucher in Schnitt, womit die Mannheimer die Spitze der 32 Klubs einnahmen. Betriebswirtschaftlich ist die Entscheidung verständlich, schließlich bekommen die Klubs pro Runde nur einen geringen Teil ihrer erheblichen Reisekosten pauschal ersetzt. Einen anderen Weg ging der SC Bern. Der Schweizer Meister nahm die CHL bis einschließlich Halbfinale in sein Saison-Abo auf und begrüßte gegen den EHC München knapp 14.000 Besucher. Auch in Mannheim waren die Ansprüche mal geringer. Bei der ersten Europapokal-Teilnahme kamen kurz vor Weihnachten 1980, ebenfalls gegen Gävle, zu den beiden Spielen in den Friedrichspark über 11.000 Zuschauer.
Wer den Weg ins Bösfeld fand, brauchte nichts zu bereuen. "Wir haben bisher viel investiert und uns den Gruppensieg gesichert. Trotz unserer vielen Verletzten ist es unser Ziel, eine Runde weiterkommen", die Ankündigung von Trainer Sean Simpson war keine Phrase. Die Adler waren 30 Minuten das bessere Team, gingen mit ihren Chancen allerdings fahrlässig um und scheiterten an typisch schwedischen Tugenden: einem starken Torwart und der Gabe, aus wenigen Gelegenheiten viel zu machen. "Wir waren mehrfach nah am Ausgleich, das 1:3 hat unserem Spiel einen kleinen Bruch gegeben", befand Manager Teal Fowler. Immerhin lässt das zweite Tor von Matthias Plachta (58.) die Chance auf ein Weiterkommen im Rückspiel am 7. November. "Das wird eine spannende Sache", kündigt Simpson an.
"Aber zuerst müssen wir am Wochenende in der Liga noch Punkte holen", gilt die Konzentration des Kanadiers den beiden Partien vor der Liga-Pause in Ingolstadt (Freitag) und gegen Tabellenführer Nürnberg Ice Tigers (Sonntag, 14 Uhr). Dazu gibt es Verstärkung aus dem Lazarett. Schon am Dienstag waren Garrett Festerling und Oktober-Zugang Andrew Desjardins wieder dabei. Letzterer wird dem ersten Eindruck nach ebenso wie Verteidiger Mark Stuart für die Erhöhung der physischen Komponente im Kader sorgen.
Adler Mannheim - Brynäs Gävle 2:3 (0:1,1:2,1:0); Tore: 0:1 Paille (15.), 0:2 Hirsch (30.), 1:2 Plachta (34.), 1:3 Jensen (36.), 2:3 Plachta (58.): Schiedsrichter: Pesina / Prazak (Tschechien); Strafminuten: 6/10; Zuschauer: 4176

