Adler Mannheim: Jungadler auf Umweg fast Turniersieger
Von Rainer Kundel
Mannheim. Wie kommt man in das Finale eines Eishockey-Turniers, wenn man als Dritter in einer von zwei Dreier-Gruppen schon zwei Niederlagen auf dem Konto hat? Ein kreatives Reglement wie der "Davos-Modus" macht`s möglich. Entliehen vom Spengler-Cup, wo sich die Schweizer 2009 etwas einfallen ließen, damit weit gereiste Teams nicht nach zwei Spielen schon wieder heimreisen müssen, machten sich die Jungadler Mannheim als Ausrichter des internationalen DEL-Junior-Cups einen Modus zu eigen, bei dem das Viertelfinale zwischen den Gruppenzweiten und -dritten über Kreuz gespielt wird. Dabei erhalten die Gruppensieger als Belohnung einen freien Tag und ziehen direkt ins Halbfinale ein.
Damit hatte der wieder überaus talentierte Jahrgang der Jungadler selbst nach einem 4:5 gegen Helsinki (nach 4:2-Führung) und einem zu hoch ausgefallenen 0:5 gegen den russischen Vizemeister aus Jaroslawl noch alle Chancen in der Hand und schaffte tatsächlich den Einzug ins Finale. Voraus ging ein 5:3-Erfolg im Viertelfinale gegen den diesmal unauffälligen Titelverteidiger vom St. Andrew College aus Kanada.
24 Stunden später im Halbfinale wurden die tschechischen Junioren aus Karlsbad ungefährdet mit 2:0 bezwungen. "Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert", zeigte sich Trainer Frank Fischöder begeistert, ohne seine Enttäuschung nach dem unglücklichen 2:3 im Finale gegen Lokomotive Jaroslawl zu verbergen "Unsere Spieler haben ganz großen Respekt verdient, solche Vergleiche sind nötig, wenn die deutsche U-19 wieder in die A-Gruppe aufsteigen will". Seine Mannschaft (drei Spieler des Jahrgangs 1999) hatte die mit elf Akteuren des gleichen Geburtsjahrs angetretenen Russen am Rande einer Niederlage. "Auch ein solcher Gegner wird nervös, wenn er zurückliegt", hat der gebürtige Dortmunder registriert. Nach einem 0:2-Rückstand gelang dem Favorit vier Minuten vor der Schlusssirene der Siegtreffer. "Einen Heimvorteil hatten wir beim Schiedsrichter nicht, der zeigte sich etwas gastfreundlich", drückte sich Fischöder nach zwei, drei haarsträubenden Pfiffen des Bad Nauheimer Referees Christopher Hurtik diplomatisch aus.
Marco Sturm, der Trainer der A-Nationalmannschaft, coachte in den sechs Tagen die DEB-U-18-Auswahl und lobte das zum zweiten Mal ausgetragene Turnier in höchsten Tönen. "Ein solches Turnier mitten in Sommer ist für alle ein Gewinn und bringt unsere Spieler auf ein höheres Niveau." Obwohl die Jungadler altersbedingt 17 neue Spieler - zwölf davon rückten von der eigenen Schülermannschaft nach oben - zu integrieren haben, präsentierten sie sich physisch und spieltaktisch auf einem Niveau, als wären sie schon monatelang zusammen. Als Titelverteidiger sind sie für die am kommenden Samstag beginnenden Saison der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) wieder Favorit. "Wir haben 29 Spieler im Kader und annähernd 70 Spiele vor uns", geht Fischöder gewohnt seiner Ausbildungsmission nach. Neben 42 Vorrundenspielen mit anschließenden Playoffs nimmt das Aushängeschild der Mannheimer Nachwuchsarbeit, das durch mehrere herausragende Platzierungen bei internationalen Turnieren einen über Europa hinausgehenden guten Ruf genießt, im Januar an Turnieren in Michigan (USA) und in Kanada beim St. Andrews College teil.

