LIV vor dem Kollaps?
Was sich mit dem Abgang von Brooks Koepka oder Patrick Reed (beide USA) bereits vor der Saison angekündigt hat, scheint nun so richtig Fahrt aufzunehmen. Nach übereinstimmenden Berichten steht das Projekt "LIV-Golf" mittlerweile knapp vor dem Aus.
Es hat buchstäblich in der Golfwelt wie eine Bombe eingeschlagen, als vor der Saison Brooks Koepka plötzlich LIV den Rücken kehrte und sich mit einer Millionenspende an karitative Zwecke sozusagen seinen Weg zurück auf die PGA Tour erkaufte. Patrick Reed folgte kurze Zeit später, schlug jedoch einen anderen Weg ein, denn statt der sofortigen Rückkehr auf die PGA Tour, nimmt der ehemalige Masters-Champion den "Umweg" über die DP World Tour, wo er heuer sogar bereits zweimal gewann. Trotz noch laufenden Vertrags bei der saudischen "Breakaway Tour" spielt Reed somit heuer lieber um deutlich kleinere Brötchen als um fette Millionen aus Saudi Arabien.
Dass sowohl Koepka als auch Reed dies nicht so einfach aus Jux und Tollerei machten, war schon vor einigen Monaten naheliegend. Schon damals gab es Gerüchte, dass die Saudis über ihren Investment-Fonds PIF langsam die Lust verlieren die Petro-Milliarden in ein Fass ohne Boden zu schütten. Nach wie vor kämpft LIV nicht nur mit der Akzeptanz in der Golfwelt, woran auch die Änderung des Formats auf 72 Löcher und zumindest ein paar Weltranglistenpunkte nichts änderten, sondern auch mit Einschaltquoten, was in der heutigen Zeit jedoch unerlässlich ist um in irgendeiner Form Revenue zu erwirtschaften.
Seit 15. April scheint nun der Hut endgültig gewaltig zu brennen, denn sogar über einen sofortigen Stopp des laufenden Betriebes wurde spekuliert. Dieser scheint nach Verhandlungen in New York zwar noch abgewendet zu sein, wie übereinstimmende Berichte verlautbarten, die Stimmung beim derzeitigen LIV-Event in Mexiko ist jedoch am absoluten Nullpunkt angekommen. Derzeit deutet alles daraufhin, dass die Saison 2026 wohl noch wie geplant stattfinden wird, danach allerdings scheint es als würden die Saudis endgültig die Reißleine ziehen und die Tour sozusagen auch formell begraben.
Fußball als Golf-Stolperstein
Dies hat jedoch bei näherer Betrachtung mehrere Gründe. Klar ist, dass sich PIF durch das Investment eindeutig mehr erwartet hat und eigentlich damit rechnete, mit innovativem Format punkten zu können. Von Beginn an stand das Projekt "LIV-Golf" jedoch unter keinem guten Stern: Zum einen lag dies an einigermaßen entbehrlichen Aussagen von etwa Pat Perez (USA) oder auch dem damaligen CEO Greg Norman, die vor allem die PGA Tour frontal angriffen. Zum anderen wurden die wechselwilligen Spieler prompt von den Fans als Goldgräber geframed, die für deutlich weniger Arbeit deutlich mehr kassieren wollten. Fair ging es zu dieser Zeit von keiner Seite wirklich zu.
Dass die Saudis aber gerade jetzt sichtlich keine Lust mehr haben das Golf-Programm mit Milliarden am Leben zu erhalten, hat wohl einen ganz speziellen Grund: Die Fußball Weltmeisterschaft 2034! Das wohl größte Sportspektakel auf diesem Planeten wird in diesem Jahr in Saudi Arabien ausgetragen, was das Land bereits jetzt dazu nützt gehörig die Werbetrommel zu rühren. Neben Plänen für schier unglaubliche Stadien, investiert PIF nahezu auf der gesamten Welt Millionen und Abermillionen in Werbung. Bei soviel Aufwand, Zeit, Energie und vor allem Geld für die Weltsportart Nummer 1 bleibt schlicht, bei der von vielen Fans nicht unbedingt geliebten Golftour, nicht mehr viel übrig.
Viele Spieler im Abseits?
Um gleich in der Fußballsprache zu bleiben: Sollte sich LIV nach der Saison tatsächlich in Luft auflösen, stehen viele Spieler wohl nicht nur knapp im Abseits. Der Weg zurück zu kompetitivem Golf wird auf jeden Fall für Jon Rahm (ESP), Bryson DeChambeau (USA), Tyrrell Hatton (ENG) und Co alles andere als einfach werden. Das Angebot um 5 Millionen für karitative Zwecke zurückzuwechseln ist längst vom Tisch. So "günstig" wird es für die "abtrünnigen" Spieler wohl keinesfalls werden.
Derzeit steht im Raum, dass Spieler die für teils mehrere hunderte Millionen zu LIV gewechselt sind, wohl zwischen zumindest 10 Millionen bis zu 25 Millionen hinblättern werden müssen um sich sozusagen zurück ins Geschäft bringen zu können. Einfach so wieder auf der PGA Tour abschlagen wird es aber selbst damit nicht spielen. Wie der genaue Weg zurück aussehen wird ist natürlich noch nicht klar, allerdings deutet derzeit hinter den Kulissen einiges daraufhin, dass wohl Monday-Qualifier oder überhaupt Korn Ferry Tour aktuell werden könnten.
Im Nachhinein betrachtet scheint einigen LIV-Spielern bereits seit etlicher Zeit klar zu sein, dass die saudische Tour vor dem Aus steht. Zumindest liegen die Nerven sichtlich blank, wie zum Beispiel Sergio Garcia (ESP) in der Vorwoche beim Masters recht deutlich zum Ausdruck brachte. Nach einem misslungenen Drive zerschmetterte er nicht nur seinen Driver direkt in der Teebox, sondern beschädigte darüber hinaus noch dazu eine Kühlbox, ließ etliche alles andere als jungendfreie Sprüche über seine Lippen kommen und sprang vor Zorn herum wie das sprichwörtliche Rumpelstilzchen. Ein Verhalten, dass gerade von einem Vorbild für die Jugend und ausgerechnet in Augusta eigentlich so überhaupt in keinster Weise wie auch immer akzeptabel ist.
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