Fußball
News melden
Nachrichten

Eberbach: Es geht um Respekt und echte Verbesserungen im Pflegeberuf

07

		Eberbach:  Es geht um Respekt und echte Verbesserungen im Pflegeberuf

Eberbach. (jasch) Mitarbeiter der kirchlichen Sozialstation Eberbach haben aus Anlass des Tages der Pflegenden lilafarbene Luftballons steigen lassen. Sie wollten damit auf ihren Berufsstand aufmerksam machen. An den Luftballons befestigt: Postkarten mit Wünschen der Pflegemitarbeiter für mehr Anerkennung und bessere Arbeitsbedingungen. "Pflege braucht Aufwind" hieß das damit verbundene Motto der Sozialstation.

Die Corona-Pandemie offenbarte Fachkräftemangel und Arbeitsüberlastung. Zwei Jahre waren die Pflegemitarbeiter im Einsatz für den Schutz anderer, während sie selbst auf echte Verbesserungen warten. "Das hat unseren Mitarbeitern sehr zugesetzt", weiß Gabriele Völker, geschäftsführender Vorstand der Kirchlichen Sozialstation Eberbach. Sie und Aufsichtsratsvorsitzender Edgar Sigmund unterstützten die Aktion auf dem Leopoldsplatz in dem festen Bewusstsein, was ihre Mitarbeiter jeden Tag für andere Menschen leisten.

Sigmund: "Wir wollen damit die Pflege wieder in die Öffentlichkeit rücken. Es geht um Wertschätzung der Arbeit und um endlich bessere Arbeitsbedingungen. Respekt, Sichtbarkeit und Akzeptanz. Das sind auch die Wörter, die ich auf meine drei Kärtchen geschrieben habe." Das ist es auch, was sich die Pflegemitarbeiterinnen Madeleine Köhler, Carina Schäfer und Beate Müller wünschen. "Wir brauchen Nachwuchs, gerade in der Pflege. Man wünscht sich auch, dass man nicht angepöbelt wird und dass der Beruf besser mit Familie vereinbart werden kann. Noch ist es ja, dass vorwiegend Frauen den Pflegeberuf ausüben", so Madeleine Köhler.

Zudem haben Hygienekonzepte die Ansprüche an die Pflege verkompliziert. In der Pflege gilt weiterhin die Maskenpflicht. Zweimal in der Woche müssen sich die Mitarbeiter des Pflegedienstes testen. In der Branche sind die Corona-Lockerungen anders als in der Öffentlichkeit noch nicht angekommen. "Man wünscht sich mehr Verständnis von Patienten bei Verspätungen. Die Kräfte sind einfach auch am Ende." Die 34 Pflegefachkräfte und 16 Hauswirtschaft-Mitarbeiter betreuen im Schnitt zwischen 350 und 380 Patienten.

Geschäftsführerin Völker hat daher klare Vorstellungen: "Ich wünsche unserem Team neue Kollegen, damit sie ihre Arbeit wieder mit weniger Zeitdruck erledigen können und Erholungsphasen haben. Ich wünsche mir, dass sie die Freude an ihrem Beruf nicht verlieren und dass wir für unseren Berufszweig die nötige Unterstützung erhalten, um Menschen weiterhin zu Hause versorgen zu können." Zu zeigen, dass die Sozialstation um ihre Mitarbeiter wirbt und sie ernst nimmt, ist ein weiteres Ziel der Aktion. "Es ist wichtig den Beruf attraktiver zu machen, sodass auch junge Menschen wieder ,Lust’ haben diesen Beruf zu erlernen", betont Völker.

Trotz dieser Krise wollen die Mitarbeiterinnen ihren Job nicht aufgeben, was auch am guten Zusammenhalt untereinander liegt, erklärt Madeleine Köhler: "Es gibt auch viele positive Sachen wie Dankbarkeit der Patienten. Und das Team ist toll. Wir haben ein offenes Ohr füreinander und helfen uns gegenseitig." Ihre Kollegin Beate Müller bekräftigt: "Ich bin 40 Jahre in dem Beruf. Das ist das, was ich schon immer machen wollte." Solche Aktionen seien gut, um wieder in den Austausch zu kommen und gemeinsam im Team zu lachen und zu entspannen.

An der GRN-Klinik in Eberbach war ebenfalls was los: an allen GRN-Standorten gleichzeitig war ein Kaffeetruck bereitgestellt worden. Es war der Abschluss einer mehrtägigen Social-Media-Kampagne zum Tag der Pflege, organisiert durch die GRN-Gesundheitszentren Rhein-Neckar. Zum Verbund gehören vier Kliniken mit angeschlossener Apotheke, drei geriatrische Rehabilitationskliniken sowie ein Seniorenzentrum und zwei Betreuungszentren mit insgesamt rund 3 400 Mitarbeitern.

Diese Einrichtungen verteilen sich auf die Standorte Eberbach, Schwetzingen, Sinsheim und Weinheim. Auch die Geschäftsleitung der GRN hatte mit dieser Aktion zum Ziel, die Hochachtung vor dem Beruf und den Mitarbeitenden in den Mittelpunkt zu stellen.

Als Geschenk hatten die Mitarbeiter die Wahl zwischen einer blauen und einer schwarzen Thermoskanne mit dem Schriftzug "Klatschen kann jeder, Pflege nicht" und einer Kaffeespezialität vom Kaffeetruck "Goldini" dazu. Immer zum Schichtwechsel kamen die Pflegemitarbeiter vorbei und freuten sich über die kleine Aufmerksamkeit der Klinikleitung. So wie Karin Haisch. Die OP-Schwester wurde erst von einer Kollegin über den Kaffeetruck vor der Klinik informiert. Vor Antritt ihres Spätdienstes nutzte sie die Gelegenheit, Kaffee für sich und ihre Kolleginnen mitzubringen.

"Ganz toll ist die Aktion. Einfach nur schön." Trotzdem wünscht auch sie sich konkrete Verbesserungen: "Dass der Stellenplan erhöht wird und man finanzielle Anreize schafft. Wir haben Rufdienst, Schichtarbeit...für das, was man dafür verdient, stehen andere nicht mal auf", sagt Haisch ganz direkt.

"Vorhin erst standen hier 25 Leute zusammen, die gemeinsam gelacht haben. So etwas fehlt einfach. Solche Aktionen zum Pflegetag könnte man eigentlich öfter machen", findet Kaffeetruck-Mitarbeiterin Irene Mielke. Sie erinnert sich an eine Szene kurz zuvor: "Auf die Frage eines Patienten, ob auch er einen Kaffee bekommen könne, meinte eine Mitarbeiterin ,Nein, heute werden wir verwöhnt’. Ich finde sie hat Recht. Es geht um die Mitarbeiter".

Einer der Nachwuchs-Mitarbeiter könnte irgendwann Marcel Olbert sein, Freiwilliger im sozialen Dienst, der an diesem Tag im Kaffeetruck aushilft: "Ich finde solche Aktionen sehr wichtig. Für das Freiwillige soziale Jahr habe ich mich entschieden, weil ich so viel Lebenserfahrung mitnehmen will wie möglich. Ich werde nie wieder so einen Einblick bekommen."

Vielleicht ist auch wieder eine Fahrt im Notarztwagen drin – die fand Olbert nämlich ganz besonders eindrücklich.

Загрузка...

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Read on Sportsweek.org:

Andere Sportarten

Niedersächsischer Sportschützenverband e.V. (NSSV)
Niedersächsischer Baseball- und Softball-Verband
Sponsored