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Ideengeber, Antreiber, Tausendsassa:: Günter Lipski ist mit 85 Jahren gestorben

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		Ideengeber, Antreiber, Tausendsassa::  Günter Lipski ist mit 85 Jahren gestorben

Von Rainer Hofmeyer

Eberbach. Günter Lipski ist am gestrigen Dienstag im Alter von 85 Jahren in Eberbach gestorben. Die Stadt hat mit ihm jemanden verloren, der sich mehr um Eberbach verdient gemacht hat als so mancher, der hier geboren ist. Er stammte aus Westpreußen und war damit eigentlich von anderer Mentalität als die Einheimischen. Doch das kam nie zum Tragen. Als Heimatvertriebener in Deutschlands Norden aufgewachsen, ist Lipski erst 1967 an den Neckar gekommen. Er war gelernter Puppenspieler, dann studierter Lehrer an der Dr.-Weiss-Schule, ab 1991 deren Rektor.

Der Mann war ein unermüdlicher Tausendsassa, Typ Dorfschullehrer, über den alle gemeinschaftlichen Aktivitäten angetrieben und organisiert werden. Lipskis Liebe lag in Eberbachs Heimat und Brauchtum. Er hat hier viele Momente der kulturellen Überlieferung angestoßen, gefördert, wiederbelebt und erhalten. Sein erklärtes Lebensmotto war "Tue Gutes und rede darüber". So war Lipski an vielen Stellen und zu vielen Anlässen präsent, wurde aber auch von vielen Gruppen und Vereinen um Mitarbeit gebeten.

1977 war er im Organisationskomitee für die 750-Jahr-Feier Eberbachs. Aus dem Altstadttreiben des Stadtjubiläums entwickelte sich der "Eberbacher Frühling". Lipski organisierte dabei 19 Jahre lang den Kinderflohmarkt. 30 Jahre hieß der Regisseur der Karnevalsgesellschaft Kuckuck: Günter Lipski. Auf den Fastnachtsumzügen war jahrelang eine Gruppe Schüler mit ihm lautstark trommelnd als "Klopfergarde" unterwegs.

Mit seinen Schülern zog Lipski beim Sommertagszug durch die Straßen, er voran mit Musik, ebenso zum St.-Martins-Umzug im November. Das in vielen Jahrhunderten zur weihnachtlichen Tradition in Eberbach gewordene und inzwischen schon verloren gewesene vorweihnachtliche Kurrende-Singen hat Lipski wieder aufleben lassen. 1977 ist er erstmals mit einem 40-köpfigen Schülerchor vor dem Christfest durch die Straßen gezogen. Danach gab es das Liedersingen für zehn Jahre. Als Lipski sich zurückzog, zeigte sich, dass es jemanden braucht, der solche Aktivitäten in die Hand nimmt. Und es zeigte sich, wie wenige andere es gibt, die sich so wie er engagieren.

Für Lipski gab es auch noch den Bürger- und Heimatverein (BHV). Als er 1996 dort eintrat, wurde er sogleich erster Vorsitzender, für fünfzehn Jahre. Da hatte er die gesamte Verantwortung für die Brauchtums-Umzüge im Frühjahr und Herbst in sein Vereinsamt übernommen. Es gibt in der Stadt viel zu sehen, hinter dem Lipskis Antrieb als BHV-Vorsitzender steckt. Die Denkmale im Stadtpark: Reifschneider, Rindenklopferin, Steinhauer, Treidler. Ein Treidler trägt Lipskis Gesichtsmerkmale, das war so verabredet. Die Bronzetafeln in der Altstadt, die auf inzwischen abgerissene bauliche Denkmale wie Stadtmauern und Türme hinweisen, waren Lipskis Idee.

Die Sanierung der städtischen Uhr am Turm der Michaelskirche hat er angestoßen. Selbst die Kanonen am Pulverturm stehen dank Lipskis Initiative wieder fest auf ihren Rädern. Das Zinnfiguren-Kabinett im Haspelturm war mit seinen vielen themenbezogenen Ausstellung über Jahrzehnte ein Anziehungspunkt für Jung und Alt. Als Lipski und ein Mitstreiter dafür nicht mehr die nötige Kraft hatten, musste die Ausstellung schließen.

Als im Sommer 2005 der Gemeinderat beschloss, die Brunnen und Wasserspiele Eberbachs wegen der Kosten abzudrehen, war es Lipski mit seinen Brunnenpaten, die von da an für den Weiterbetrieb der schönen Blickfänge sorgten. Im Museumsverein war Lipski selbstverständlich auch aktiv, ab 1993 als sein Vorsitzender. Er initiierte 14 Sondervorstellungen.

Ehrungen empfing Günter Lipski nicht nur von der Stadt, die ihm den Silbernen Ehrenring verlieh. Er erhielt auch die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für ehrenamtliche Tätigkeit und Auszeichnungen von den Karnevalsregionen. Bei der am 20. August, 11 Uhr, stattfindenden Trauerfeier auf dem Eberbacher Friedhof wird Bürgermeister Peter Reichert die Trauerrede halten. Er wird für all die Bereiche sprechen, in denen Günter Lipski das Gute getan hat, über das man auch nach seinem Tode noch reden sollte. Schon die nächste Zeit wird zeigen, dass Günter Lipski, der gebürtige Westpreuße in Eberbach, nicht ersetzt werden kann.

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