Fußball
News melden
Nachrichten

RNZ-Sommertour: Bremsen will gelernt sein (plus Fotogalerie)

09

		RNZ-Sommertour:  Bremsen will gelernt sein (plus Fotogalerie)

Von Julia Lauer

Heidelberg. "Bereiten Sie sich unter professioneller Anleitung auf kritische Situationen vor": Dieser Satz, mit dem der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) auf seiner Internetseite für Fahrsicherheitstrainings wirbt, ist keiner, der einem schon beim Lesen das Adrenalin in die Höhe schießen lässt. Warum auch? Wer auf Abenteuer aus ist, mag wilde Tiere in der Savanne beobachten oder sich mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug stürzen – so könnte man jedenfalls meinen.

Ein Fahrsicherheitstraining steht schließlich für das Gegenteil von alledem: für Besonnenheit, Kontrolle, für Risikovermeidung. Ein Trugschluss. Denn was Sicherheit ist, merkt derjenige, der sie verliert. Wie sich das anfühlt, konnten die Teilnehmer einer RNZ-Sommertour am Montag erfahren.

"Haut mit Schmackes auf die Bremse", ruft Wolfgang Föhr, unser Trainer. Seine Worte erreichen uns über ein Funkgerät. Auf der Fahrsicherheitsanlage im Süden von Heidelberg steht an diesem Tag ein ganztägiges Pkw-Training auf dem Programm, jeder Fahrer sitzt in seinem Wagen und wartet auf Instruktionen. Wir haben schon einige Fahrten hinter uns, haben den Sitz ebenso wie unsere Körperhaltung überprüft, die Lenkradhaltung, unseren Blick beim Fahren. Wir haben Bremswege und Reaktionszeiten geschätzt und mit roten Kegeln Ausweichmanöver geübt. Aber die Schonfrist ist verstrichen, jetzt geht es ans Eingemachte. Und das heißt vor allem: bremsen, in sämtlichen Lebenslagen. Denn das will gelernt sein.

Zu Beginn geht das noch ganz gut, auch wenn es ordentlich ruckelt. Aber Föhr fordert uns heraus. "Tempo, Tempo, Tempo!", verlangt er uns ab. "Und dann haut so auf die Bremse, dass ihr denkt, euer Auto fliegt auseinander." Gar nicht so leicht. Egal ob Audi, Opel, Hyundai oder Skoda, egal ob junger Fahrer oder im frühen Rentenalter: "Zu früh gebremst", meldet der Trainer oft genug zurück, wenn die Bremslichter von einem Mitglied der Sommertour angehen. Oder er kommentiert: "Hier fehlt der Schlag." Es sei die Angst ums Auto, die uns zögern lässt, vermutet der Trainer.

Föhr muss es wissen. Er arbeitet als Fahrlehrer, seit 1987 führt er Sicherheitstrainings durch. Seit vielen Jahren sorgt er dafür, dass Motorräder, Pkw und Lastkraftwagen möglichst sicher über die Straßen des Landes rollen. Dass eine Vollbremsung schwerfällt, hat er immer wieder erlebt. Er weiß auch, was hilft: Übung – und Konzentration. "Wenn ihr in eine Notsituation kommt, müsst ihr sofort eine Lösung haben", schärft er uns immer wieder ein. Dazu gehört die Entscheidung, zu bremsen oder auszuweichen. Dazu gehört aber auch, zu wissen, was man ins Visier nimmt: nämlich den Punkt, zu dem man will – und nicht etwa das Hindernis, dem man ausweicht. "Wenn ich eine Gefahrenbremsung durchführen muss, kann ich nicht kurz vorher noch in den Rückspiegel gucken. Das geht allenfalls deutlich früher – oder währenddessen."

Bei Eis, bei Regen, bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten – wie sich das Auto verhält, wie wir reagieren, wo die Grenzen unserer Beherrschbarkeit liegen: Das gilt es bei diesem Training zu eruieren. Für uns bedeutet das konkret, bei 30, 40 oder auch 50 km/h in die Eisen zu steigen, auf dem Asphalt, auf einer hydraulischen Dynamikplatte, die das Auto wie beim Aquaplaning wegbrechen lässt, oder auch zwischen Wasserfontänen.

Allerdings: Das Gelernte vergisst man auch schnell wieder. Trainer Föhr hört es daher gern, dass viele Teilnehmer nicht zum ersten Mal mit von der Partie sind. Thomas Engels aus Nußloch zum Beispiel berichtet davon, bereits vor zehn Jahren schon mal an einem Fahrsicherheitstraining teilgenommen zu haben. Und Raquel Oppermann aus Mauer hat schon mit dem Motorrad, mit dem Kleinwagen und mit dem Wohnwagen Trainings dieser Art absolviert. "Man lernt immer etwas dazu", meint sie.

Wie hoch das Stresslevel bei all den Übungen steigt, hängt jedoch nicht nur von der Erfahrung, sondern auch vom Alter des Fahrzeugs ab – auch das gehört zu den Lehren dieses Fahrertrainings. Denn während manch ein verhältnismäßig neuer Wagen der anderen Teilnehmer auch bei den waghalsigsten Vollbremsungen kaum vom Kurs abweicht, dreht es zumindest meinen Golf, Baujahr 1995, regelmäßig auf der nassen Fahrbahn. Hatte sich Omas alter Wagen bei trockener Fahrbahn noch als zuverlässiges Gefährt erwiesen, schlittert er nun nach einem beherzten Tritt auf die Bremse über den Asphalt, bis er in einer Kiesgrube steckenbleibt. Der Schreck sitzt tief, als feststeht: Die Grenzen der Beherrschbarkeit sind endgültig ausgereizt.

Weniger Tempo, eine frühere Reaktion: Das hätte die Landung im Kiesbett verhindern können, meint Föhr. Er sagt aber auch: "Die neuen Autos haben eine bessere Technik, das elektronische Stabilitätsprogramm ESP zum Beispiel wirkt dem Ausbrechen von Fahrzeugen entgegen." Ein neues Auto wäre vielleicht tatsächlich mal eine Überlegung wert. Aber erst einmal muss das Adrenalin wieder sinken.

Загрузка...

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Read on Sportsweek.org:

Andere Sportarten