Genug der Telefonate
Wenn die 46ers die Kirchheim Knights empfangen, dann ruht die enge Freundschaft von „Frenki“ Ignjatovic und Igor Perovic einige Tage.
Manchmal tut es gut, sich auf jene Aussagen zu konzentrieren, die in ihrer Schlichtheit, ihrer Klarheit und ihrer Offenheit schon beinahe Kultstatus besitzen. Aus dem Fußball kennen wir Sätze wie „Das Runde muss ins Eckige“, „Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“ oder „Das Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter pfeift.“
Aus dem Sport unter den Körben sind die Weisheiten von „Frenki“ Ignjatovic legendär. Wie jene vor der Partie des 27. Spieltags der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA am Samstag (19 Uhr) gegen seinen Ex-Club Bozic Estriche Knights Kirchheim, vor der der Deutsch-Serbe, angesprochen auf stets starken Rückrunden seines Teams, schon mal darüber philosophiert, die Saison sei „kein 100-Meter-Lauf, sondern ein Marathon“. Es tue gut, „dass wir in der entscheidenden Phase unseren besten Basketball zeigen“, ließ der Mann aus dem südhessischen Ober-Ramstadt wissen. Und der Gegner habe „eine große Qualität“, sein Team müsse „weiter auf der Hut sein“, er selbst schaue „nur noch von Spiel zu Spiel.“
Alles dünne Floskeln? Keineswegs! Sondern realistische Einschätzungen eines Mannes, der oft, viel zu oft, in dieser Saison Rückschläge hatte verarbeiten müssen, dessen Mannschaft mit inzwischen fünf Erfolgen hintereinander aber in die Spur (und er damit auch wieder zu erholsameren Nächten) gefunden hat. „Weil wir immer ruhig geblieben sind und die Verantwortlichen nie die Nerven verloren haben.“
Dass die GIESSEN 46ers auf Rang sieben das zurzeit heißteste Team des Unterhauses sind, nimmt Branislav Ignjatovic zur Kenntnis. Mehr aber auch nicht. Denn die Teckstädter haben nach anfänglichen Problemen, einer 61:79-Abfuhr zum Start eben gegen die Lahnstädter und nur einem Sieg aus den ersten sechs Partien längst in die Spur gefunden. Es folgten acht Siege aus den nächsten neun Partien, zum Teil klare Heimerfolge über Tabellenführer Phoenix Hagen sowie die Aufstiegsanwärter BG Göttingen und Eisbären Bremerhaven und zuletzt – wie in Gießen auch – zehn Punkte in Serie, so dass „Frenki“ Ignjatovic warnt: „Die haben richtig starke Jungs in ihrem Kader, das wird ein ganz, ganz heißes Match.“
Welches die inzwischen äußerst selbstbewussten Mittelhessen wieder mit Regisseur Simon Krajcovic, wahrscheinlich aber ohne Aiden Warnholtz bestreiten müssen. Der Slowake erlitte am Sonntag beim starken 86:80-Auftritt in Göttingen eine Hüftprellung, hat diese aber wieder auskuriert. Der kanadische Guard indes spielte wochenlang mit einer Handverletzung, trägt inzwischen aber eine Schiene, damit nicht noch mehr passiert. „Er ist ein toller Junge. Nachdem er letztes Jahr schon die halbe Saison mit einer Sprunggelenkverletzung pausieren musste, drücke ich ihm sehr die Daumen, dass er bald wieder fit ist. Er hat es so sehr verdient“, hofft „Frenki“ Ignjatovic auf eine baldige Rückkehr des 26-Jährigen in den Kader.
Schließlich steht die Crunchtime der Saison vor der Tür, die am Samstag mit einem Duell startet, das jede Menge Brisanz in sich birgt. Zum einen, weil den „Rittern“ die Schmach aus dem Oktober noch in den Kleidern steckt. Zum anderen, weil „Frenki“ Ignjatovic sechs Jahre gute Arbeit südöstlich von Stuttgart leistete, er mit Knights-Trainer Igor Perovic („Wir telefonieren fast täglich“) eng befreundet ist und er den 52-Jährigen sogar als Coach in Kirchheim empfohlen hat. „Vor den Duellen reden wir weniger miteinander, ab Sonntag wird sich das aber wieder ändern.“
Ab jenem Sonntag also, an dem zumindest die Hessen im 46ers-Team mit dem sechsten Sieg in Serie ihren Spaziergang in die Wahlbüros antreten wollen. Dazu heißt es jedoch erst einmal, das zweitstärkste Rebound-Team der Klasse, das mit der schlechtesten Freiwurf-Bilanz und den viertmeisten Ballverlusten aller 18 ProA-Ligisten in die Osthalle kommt, aus dem Weg zu räumen. Was ein Brett wird, denn in allen Mannschaftsteilen sind die Teckstädter bestens besetzt.
Der ehemalige Gießener Lucas Mayer, der fast immer zweistellig zu punkten weiß, sowie US-Import Phil Russell, der schon fünfmal in dieser Runde fünf Dreier zu versenken wusste, regeln den Aufbau. Auf den Flügeln sorgen der aus Crailsheim nachverpflichtete Chuck Harris, der zwischen den Jahren gegen Koblenz 33 Punkte einstreute, der Ex-Braunschweiger Gian Aydinoglu und Tyrel Morgan für Speed. Und unter den Brettern sind der Ulmer Meister Nicolas Bretzel, der immer für ein Double-Double gut ist, der Texaner Tylan Pope, Nick Spinoso, der gerne auch mal seine Spannweite zu acht oder neun eingesammelten Rebounds nutzt, und Aeneas Jung, der gerade mit der Nationalmannschaft von Zypern in der WM-Qualifikation unterwegs war, eine Macht.
Was die GIESSEN 46ers jedoch nicht von ihrem seit einigen Wochen eingeschlagenen Weg abbringen soll. „Wir haben hohe Ziele, deshalb bin ich gekommen“, hat auch der Bosnier Adnan Arslanagic das Thema der sportlichen Weisheiten verinnerlicht. Ob der 28-Jährige nicht nur ob seiner klaren Aussagen an der Lahn Kultstatus erlangen wird, wird die Crunchtime der Saison zeigen.
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