Überraschende Einblicke
46ers-Kapitän Robin Benzing stellt sich im Gießener Nordstadtzentrum den Fragen der Besucher aus aller Herren Länder.
Es gibt Mineralwasser, Salzstangen und Chips. Denn Geld für eine üppige, abendliche Verkostung haben sie keins. Aber sie haben Neugierde, Wissensdurst, vor allem aber Empathie. Und die Begeisterung dafür, auch mal etwas unternehmen zu können, was die Familienkasse nicht belastet.
Also: Rein ins Nordstadtzentrum, wo ihnen die Türen sowieso immer offenstehen. Allen rund 11.000 Bewohnern aus über 100 Nationen. Heimisch zu sein in einem der vier sozialen Brennpunkte der Stadt heißt für die exakt 62 Besucher aus aller Herren Länder an diesem kurzweiligen Abend aber: Brennen für Basketball, brennen für die GIESSEN 46ers, brennen für Robin Benzing. Einen Mann seiner Reputation, seiner Größe, seiner Vita und seiner Erfolge haben sie nicht alle Tage zu Gast in den Räumlichkeiten in der Reichenberger Straße, wo es ansonsten um die alltäglichen Dinge des Lebens, des Ankommens, schlicht des Weiterkommens geht: Sprachkurse, Senioren-Nachmittage, ehrenamtliche Unterstützung bei Arzt- oder Behörden-Besuchen, Mieten und Mieter.
Es geht einfach um Hilfe, um Unterstützung. Und um neue Kontakte. Die der 167-fache Nationalspieler und 46ers-Pressesprecher Alexander Fischer, die zwei Stunden lang beim Sozialpartner des Altmeisters zu Gast sind, gerne mit Inhalten füllen. So dass „Bürgermeister“ Lutz Perkitny, wie ihn Raffaele Polizza, der das Wasser ausschenkt und die Gläser spült, gerne nennt, Chris Koch und Moderator Robel Ambaye, drei der Macher des Nordstadtzentrums, gar nicht lange um den heißen Brei herumreden wollen. „Wir sind glücklich, dass wir heute Abend so prominenten Besuch haben“, geben sie offen zu, was Robin Benzing natürlich erwidert: „Es ist mir eine Ehre, dass wir zu euch kommen dürfen.“
Genug der Aufmerksamkeiten und hinein in die Fragerunde, bei der der Kapitän der 46ers nichts unbeantwortet lässt, mit gar mancher überraschenden Anekdote aufwartet und Einblicke in sein Leben – privat wie sportlich – gewährt.
Er habe es stets genossen, bei seinen Aufenthalten in der Türkei, Italien, Spanien und Uruguay Land, Leute, fremde Kulturen und vor allem andere Sprachen kennenzulernen. „Deshalb halte ich es auch nicht für ausgeschlossen, dass wir als Familie irgendwann nochmal ins Ausland gehen.“ A propos andere Sprachen? „Ich war vier Jahre in Saragossa, die Sprache dort liegt mir.“ Was eine Mutter mit Sohnemann aus Chile dazu nutzt, dem 37-Jährige in Spanisch zwei, drei Fragen zu stellen.
Benzing erklärt, dass der Name seiner Tochter (Ainhoa) aus dem Baskischen (wo er gespielt hat) stamme, „wenn ihr die genaue Bedeutung wissen wollt, müsst ihr aber meine Frau fragen.“ Die Lacher auf seiner Seite hat die Gießener Nummer 12 auch, als er zugibt, dass sein Vater ihn des Öfteren Mal ins Gebet nehme und ihn bitte, sein angefangenes Studium doch besser zu beenden oder eine Ausbildung abzuschließen. Was sicher viele im Raum zur Selbstreflektion bewegt …
Der 46ers-Capitano erzählt, die Handynummer von NBA-Superstar Dirk Nowitzki („Er war immer mein Idol …“) abgespeichert zu haben. Er berichtet von seinen Anfängen beim SC Bergstraße und seinen ersten Begegnungen mit seinem Ziehvater und heutigen Gießener Übungsleiter „Frenki“ Ignjatovic. Er bekennt, dass er es einst als Niederlage betrachtet habe, nicht am NBA-Draft teilgenommen zu haben. Und er gibt sich kämpferisch, was die Saisonziele mit den GIESSEN 46ers betrifft: „Wir haben Potenzial, in den Playoffs, die wir unbedingt erreichen wollen, gibt es sicher einige, die nicht gegen uns spielen wollen.“
Ein Spiel sind auch die Schätzfragen, bei denen sich die Nordstädter erstaunlich Basketball-affin zeigen und die aktuelle Platzierung des Clubs von der Lahn, die Anzahl von Benzings Länderspiele oder seine bisherigen ProA-Punkte so genau treffen, als hätte Franziska Preuß beim olympischen Biathlon-Wettbewerb gerade eine der kleinen, schwarzen Scheiben abgeräumt.
Dass alle Autogramme bekommen, versteht sich von selbst. Dass Murat zwei Eintrittskarten, Dennis ein Shirt und Frank einen Hoodie gewinnen, rundet deinen unterhaltsamen Abend ab, bei dem nur ein zwölfjähriger Steppke zu kurz kommt. Seine Mama hat die Uhrzeit verwechselt, deshalb taucht er erst auf, als der unterhaltsame Abend bereits beendet ist. Berat ist mega traurig, zu gerne hätte der Kleine den Baumlangen live erlebt. Seine Augen werden aber bald wieder funkeln. Denn Pressesprecher Alexander Fischer, selbst ein Kind der Nordstadt, wird ihm noch ein original 46ers-Shirt vorbeibringen. Ehrensache …
Der Beitrag Überraschende Einblicke erschien zuerst auf GIESSEN 46ers.

