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„Hinten kackt die Ente“

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Mit dem 92:69-Erfolg über Tübingen schütteln sich die 46ers 44 Stunden nach der Pleite von Leverkusen den Frust aus den Klamotten.

Als die letzten beiden Minuten anbrachen, als die Partie längst entschieden war, da forderten die Fans auf der Stehtribüne Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic in Sprechchören auf, Till Gloger zurück ins Gefecht zu beordern. Was der so Begehrte mit einem Lächeln, andere auf der Bank aber mit einem Kopfschütteln quittierten. Denn Jonathan Maier, der dem gebürtigen Bochumer hätte Platz machen sollen, stand gerade an der Freiwurflinie. Maximal unglücklich also für die laustarken Forderungen nach einem Personalwechsel. 

Einer, der jedoch einen harmlosen, ja kuriosen Hintergrund verbarg: Denn ein Anhänger hatte mit Freunden eine Wette laufen. Er wollte sich ein Gloger-Trikot kaufen, falls der 33-Jährige mindestens 20 Punkte machen würde. Und als die Spieluhr so langsam, aber sicher herunterlief, stand Gloger „erst“ bei 18 Zählern. Und er saß auf der Bank. Maximal unglücklich also auch für den Merch-Verkauf, der angesichts eines Ausstatter-Wechsels im Sommer gerne noch einmal Fahrt aufnehmen darf. 

Als Ignjatovic schließlich ein Einsehen hatte und den Big Man noch einige Sekunden aufs Parkett beorderte, danke dieser es den Fans – unwissend der Wette auf der „Ost“ – mit seinen Zählern 19 und 20 zum 92:69 (39:30)-Endstand; ebenso grandios wie uneigennützig bedient von Luis König Figge, dem erfolgreichsten Assistenten des Nachmittags. 

Es war der ebenso ausgelassene wie begeistert gefeierte Schlusspunkt einer Partie, die die GIESSEN 46 gegen die Tigers Tübingen am 22. Spieltag der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA von Anfang bis Ende bestimmt hatten. Nur 44 Stunden nach dem 72:83-Debakel beim Vorletzten Bayer Giants Leverkusen sowie eine gute Woche nach dem 74:77-Hammer gegen Schlusslicht Uni Baskets Münster hatten sie sich den Frust aus den Klamotten gespielt, waren „mit Wut im Bauch“, so Luis König Figge, aufgetreten, hatten grandios verteidigt, hatten schnell ihren Rhythmus gefunden und waren vor allem mit jener Energie aufgetreten, die es ihnen am Ende der Saison 2025/26 doch noch ermöglichen sollte, in die Playoffs einziehen. 

„Hinten kackt die Ente“, wollte Till Gloger, der Man of the Match, am Ende eines nicht nur für ihn, sondern auch für viele seiner Mitstreiter richtig guten Auftritts allen Pessimisten klarmachen, dass mit dem Altmeister noch immer zu rechnen ist. „In den Playoffs werden die Karten neu gemischt“, gab der im Sommer aus Neuseeland nach Mittelhessen gewechselte Profi zu Protokoll, nachdem er vor lauter Interview-Anfragen, Selfie-Bitten und Schulterklopfern einige Minuten gebraucht hatte, ehe er zum Statement von Branislav Ignjatovic in die Kabine eilen konnte. 

„Jeder Sieg ist wichtig, jede Niederlage ist schwer“, freute sich der 46ers-Übungsleiter auch eine Viertelstunde nach der Schlusssirene eher verhalten über einen Auftritt der Seinen, der von Beginn an Spaß machte. „Wir waren aggressiv, wir haben defensiv überzeugt und den Gegner unter 70 Punkte gehalten“, analysierte der 59-Jährige ein Match, in dem die Hausherren stets den Fuß auf dem Gaspedal hatten. 

Gießen führte 7:0, ehe die Schwaben nach 192 Sekunden erstmals trafen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Daniel Norl per Becker-Hecht und Till Gloger, der Lukas Milner eindrehte, die Ränge bereits eine Dreiviertelstunde vor dem Auftritt des Gießener Prinzenpaares in Feierlaune versetzt. 

Als Robin Benzing per Unterhand-Wurf auf 17:4 und auch noch ein Foul zum 18:4 beantwortete, wussten nicht nur die Fans in der Osthalle, dass das Match in die aus Gießener Sicht richtige Richtung laufen würde, sondern dass „Frenki“ Ignjatovic auch mit seiner Personalrochade in der Starting Five, in der gegenüber des Leverkusen-Spiels gleich vier Neue auftauchten, richtig gelegen hatte. „Mir jedenfalls hat unser Coach damit einen zusätzlichen Schub verliehen“, zahlte Till Gloger das in ihn gesetzte Vertrauen mit zehn Zählern im ersten Viertel zurück. Am Ende standen in nicht einmal 20 Minuten für den Hünen auch 20 Zähler sowie sieben eingesammelte Rebounds zu Buche; es war der bisher erfolgreichste Auftritt des Routiniers, der einst mit den Rostock Seawolves in die BBL aufgestiegen war. 

Die 46ers bestimmten durchgängig das Geschehen, bauten ihren Vorsprung über die Stationen 37:20 (18.) sowie 74:53 (Solo Simon Krajcovic, 33.) auf 90:66 (40.) aus und hatten auch die sportlichen Highlights eindeutig auf ihrer Seite. Beim 45:30 (22.), als Till Gloger nach Solo und Pass von Devon Goodman vollendete. Beim 51:36 (25.), als Luis König Figge es mit allen auf dem Feld stehenden „Raubkatzen“ aufnahm. Beim Dreierregen von Kyle Castlin, Simon Krajcovic und Aiden Warnholtz, die zu Beginn des Schlussabschnitts aus einem 61:50-Vorsprung schnell eine 72:53-Differenz machten. Und beim 83:64 durch Viktor Kovacevic, der einen eigenen Block nicht nur einsammelte, sondern ihn von Coast to Coast auch noch abschloss. 

Da auch die Freiwurfquote stimmte, die 46ers Tübingen 16-mal den Ball abluchsten, 21:12-Assists aller Ehren wert waren, Kyle Castlin und Jonathan Maier die Lufthoheit besaßen und sich die eigenen Ballverluste im Rahmen hielten, konnte „Frenki“ Ignkjatovic bei der Rückkehr auf einen Playoff-Platz getrost über die 15 verworfenen Dreier, die ausbaufähigen Wurfquoten von Aiden Warnholtz, Kyle Castlin und Simon Krajcovic sowie das mit 18:24 verlorene zweite Drittel hinwegsehen. 

„Natürlich sind wir nicht perfekt, aber wer kann das schon von sich behaupten?“, fragte der Deutsch-Serbe in die Runde. „Meine Kunst ist es in diesem Jahr, unsere Hochs und Tiefs zu moderieren und vor allem zu meistern.“ Der klare Sieg über die Tigers Tübingen wirkte da, so Luis König Figge, „wie eine Versöhnung, wie ein erster Befreiungsschlag“ auf dem allerdings noch langen und auch steinigen Weg in Richtung der Playoffs.

Gießen: Norl (6), Warnholtz (3), Goodman (4), Castlin (13), Benzing (10), Maier (9), König Figge (6), Gloger (20), Nyama (n.e.), Kovacevic (14), Krajcovic (7).

Tübingen: Pelote III (9), Bayram (9), Oriane, Edwardsson (3), Sanders (3), Johnson (21), Emilien (3), Milner (2), Nelson (6), Moreaux (8), Jönke (5). 

UND SONST NOCH …

  • Unsere Starter: Daniel Norl, Devon Goodman, Kyle Castlin, Till Gloger, Viktor Kovacevic.
  • Unser ausdauerndster Profi: Kyle Castlin (28:42 Minuten).
  • Unser stärkster Rebounder: Kyle Castlin (13).
  • Unsere erfolgreichsten Passgeber: Robin Benzing, Till Gloger und Simon Krajcovic (je 4).
  • Unsere höchste Führung: 90:66 (40. Minute).
  • Unsere erfolgreichste Serie: 10:0 zum 74:53 (34. Minute).
  • Unsere emotionalen Beobachter: 2219 Zuschauer in der Osthalle.
  • Unser nächster Auftritt: Freitag, 13. Februar (19.30 Uhr), bei den SBB Baskets Wolmirstedt.

Der Beitrag „Hinten kackt die Ente“ erschien zuerst auf GIESSEN 46ers.

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